Ich habe ab und zu den Eindruck, dass manche Frauen Schwangerschaft und Geburt trennen. Die einen finden Schwangersein super aber Gebären doof oder umgekehrt. Nimmt man sich so nicht die Möglichkeit, Schwangerschaft und Geburt als Eins zu sehen? Kann es sein, dass Geburt schon viel früher anfängt, als erst dann, wenn die Wehen einsetzen, viel früher als dann wenn wir das Gefühl haben, dass es jetzt endlich los geht? Kann es sein, dass wir automatisch unsere Konditionen, Gefühle und Gedanken die uns während der Schwangerschaft geprägt haben mit in die Geburt nehmen? Ist es überhaupt möglich, eine angsterfüllte Schwangerschaft zu haben und dafür eine kraftvolle Geburt zu erleben? 

Mein Bauch wird immer runder. Eine Tatsache, die mich in jeder Schwangerschaft begleitet ist die, dass ich wirklich grosse Bäuche habe, was ich persönlich toll finde, weil wenn schon schwanger, dann soll man das ja auch sehen! Dem entsprechend ziemlich früh fängt dann das Aussen auch an mich mit der Frage zu bombardieren, wenn es denn soweit sein wird? (die Frage mit den Zwillingen ignorier ich seit drei Jahren erfolgreich) Hm, ja wann ist es denn soweit? Wann geht es denn endlich los?

Ein Zurück gibt es ja offensichtlich nicht. Mein Kind und ich wir treiben schnurstracks in Richtung Zielgeraden, in Richtung Geburt, dem Moment, wo sich alles ändert für uns. Der Wendepunkt. Unausweichlich. Es scheint mir manchmal, als liefen wir einen Marathon und die Zuschauer versammeln sich in der Zielgeraden und hoffen, dass sie uns bald über die Linie flitzen sehen um uns zu zu jubeln. Hm, ja ein Marathon der ist lang. Und ja, wir sind schon ein Weilchen unterwegs. Kann es wohl sein, dass die Art und Weise, wie wir diesen Marathon (sprich die Schwangerschaft) laufen Einfluss darauf haben, wie wir durch diese Zielgerade gehn? Ohne diese unzähligen Kilometer gäbe es ja auch kein Ziel. Ist die Geburt also nicht schon lange los gegangen? Sind wir, wenn wir schwanger sind nicht schon lange auch am Gebären?

Ein guter Marathonläufer, der locker und beschwingt seine Kilometer läuft, der läuft auch locker und beschwingt durchs Ziel. Der kann ja gar nicht anders. Oder soll er den Zuschauern noch rasch ein bisschen Erschöpftheit vorgaukeln, damit die wirklich merken, wie streng denn so ein Marathon ist? Der Läufer, der den ganzen Weg mit sich hadert, seine Kraft nicht richtig einteilt, das Atmen vergisst und seinen Körper ignoriert, der wird auch nicht so lässig die Zielgerade passieren, auch wenn er sich noch so viel Mühe gibt, dabei gut auszusehen.

Ich stell mir gerne die Zeit der Schwangerschaft wie eine Blume vor die wächst. Ein Samen wird gesetzt, daraus entsteht ein feines Pflänzchen, welches 9 Monate lang gedeiht. Eine wundervolle Knospe bildet sich und öffnet sich in dem Moment, wo das Kind geboren wird. Diese Blume nimmt alles mit, was ihr beim wachsen geholfen hat. Sie trägt diese Energie in sich, dieses Pulsieren das sie schon als Samen in sich hatte, zu dem Zeitpunkt, als es für uns noch ganz unsichtbar gewesen ist. Je grösser die Pflanze wird, desto präsenter ist sie, desto einfacher können wir dieses Pulsieren, diese Energie spüren. Mehr und mehr können wir uns mit dieser Energie verbinden, in sie eintauchen. Wir merken ganz genau, was unsere Blume braucht um zu wachsen, was sie braucht um irgendwann mal ihre Blüten zu öffnen.

So lauf ich mit meiner Zauberblume diesen Marathon. Ich bin also nicht allein, ich muss nicht nur auf mich und meinen Körper hören, richtig atmen, das Ziel visualisieren, sondern zu diesem Pflänzchen sorge tragen. Ihr einen geschützten Raum bieten denn während ich mich auf diese Ziellinie konzentrier verfolgt meine Zauberblume ein anderes Ziel: sie will nur im Vertrauen wachsen. Im Vertrauen ihre Blüten öffnen, ihren Zauber in die Welt raus lassen, dann wenn für sie der perfekte Zeitpunkt gekommen ist, um sich zu öffnen. Die Ziellinie ist wichtig, nur das Wachsen meiner Pflanze auch, und ich merk, wenn ich bei ihr bin, mich mit diesem Wachsen verbinde, dann kann ich gar nicht anders als mit ihr mit zu wachsen. Wir beide sind eine Blume, wir beide tragen wundervolle Blüten auf unserem Weg, die irgendwann gar nichts anderes mehr können als sich zu öffnen und ihren Zauber frei zu lassen, weil sie zusammen schon einen so wundervollen Weg gegangen sind.

Blume

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