Wir erleben sie immer wieder, diese Wendepunkte im Leben: Wenn wir das erste Mal in die Schule gehn, uns zum ersten Mal verlieben, dann mal richtig entlieben, ausziehnen, etc. Wendepunkte sind Ereignisse im Leben, die uns unwiderruflich verändern. Die auf uns zu kommen, ob wir es wollen oder nicht. Früher oder später. In längeren oder kürzeren Abständen.

Es gibt ganz verschiedene Wendepunkte: solche, die wir kaum erwarten können, solche, die uns freude bereiten, solche, die wir am liebsten vermeiden würden, die die uns angst machen, andere, die uns anziehen wie ein Magnet.

Manche kommen ziemlich überraschend, andere ziehen mit grossem Getöse durch unser Leben. Viele erwarten wir, andere fallen mit der Tür ins Haus. Es gibt welche, die bemerken wir erst, wenn sie schon wieder vorbei sind. Irgendwann wachen wir dann auf, und haben das Gefühl, jemand ganz anderes zu sein.

Es gibt Wendepunkte, die begrüssen wir mit offenen Armen und möchten wir am liebsten nie mehr los lassen, andere würden wir, wenn wir könnten sofort wieder weg schicken.

In den letzten vier fünf Jahren haben sich bei mir so einige Wendepunkte angesammelt:

  • Die Entscheidung Mama zu werden
  • Die Kinderwunschzeit
  • Der erste positive Schwangerschaftstest
  • Das erste Kind wieder ziehen zu lassen
  • Der zweite positive Schwangerschaftstest
  • Die ersten 12 unsicheren Schwangerschaftswochen
  • Das erste Mal gebären
  • Die Entscheidung wieder Mama zu werden
  • und alles wiederholt sich nochmals ein-  zweimal 😉

Puh ja, da ist ziemlich viel passiert. Es macht mir den Eindruck, dass die Zeitspanne zwischen dem Ja zum Mama sein und der Geburt eine relativ kurze,  mit extrem vielen Wendepunkten vollgespickte ist. Und wenn denn da noch andere Wendepunkte dazu kommen, die nicht unbedingt was mit der Schwangerschaft zu tun haben, dann kann alles ziemlich viel und chaotisch werden.

Ich hab gerade jetzt, in der dritten Schwangerschaft extrem das Befürfnis, in meine SchwangerschaftsWendepunkte einzutauchen. Sie mit allen Sinnen zu erleben, spüren, was sie mit mir machen. Denn sie sind so kostbar. Kostbar, weil ich weiss, dass sie mich und mein Leben verändern. Und nicht mehr wieder kommen,denn sie sind meine Wendepunkte und für jede werdende Mama sind diese ganz einzigartig. Machen nicht genau diese Ansammlung von Wendepunkten also unser Schwangerschafts- und Geburtsempfinden aus? Kann es sein, dass diese Wendepunkte vom roten Faden durchzogen werden, oder dass die Punkte sogar dem Faden den Weg zeigen?

Wir haben die Wahl, wie wir mit diesen Wendepunkten umgehen wollen. Ob wir sie mehr oder weniger in unser Haus lassen, ob wir mit ihnen ein Schwätzchen halten möchten oder ob wir sie einfach so vorbei ziehen lassen.

Es kann auch sein, dass wir uns im Aussen orientieren, wie wir mit diesen Wendepunkten umzugehen haben. So kann es vor kommen, dass wir im Aussen die richtige Lösung suchen, wie wir mit dem Wendepunkt natürliche Geburt umgehen sollen, um uns möglichst unbeschadet durch ihn hindurch zu manöverieren. Oder würden wir ihn am liebsten umgehen? Wenn ja, wieso? Wie stellen wir uns diesen Wendepunkt vor, macht er uns angst? Freuen wir uns darauf? Sollen wir uns darauf denn freuen, oder würden wir besser gleich diesen Wendepunkt schick umsegeln und uns auf einen Kaiserschnitt konzentrieren, so wie es andere auch tun?

Und so sammeln und sammeln wir Informationen, lesen Bücher, schauen Filme. Saugen alles in uns hinein, was uns helfen könnte, genau richtig mit diesem Wendepunkt, indem wir gerade stecken, umzugehen. Wir machen uns schlau, damit wir informiert sind, damit wir wissen, mit was wir es da zu tun haben,  damit wir Wendepunkt um Wendepunkt angehen können, abhaken können, um dann wieder weiter zu gehen. Damit wir uns sicher fühlen.

Da stellt sich mir eine Frage: kann es sein, dass zu viel Information, zu viel „so und so macht man das“ uns von unserem ganz eigenen Weg abbringt? Kann es sein, dass wir uns  nur noch ums abhaken kümmern? Ist es möglich, dass sich so Wendepunkte in den Weg schleichen, die wir ganz anders angegangen wären, ganz anders an uns ran gelassen hätten, wenn wir offen für sie gewesen wären, und uns nicht mit dem „so macht man das“ zufrieden gestellt hätten? Sondern uns gefragt hätten  ja wie mach ich das in dieser Situation,  wie will ich mir diesen Wendepunkt nun gestalten?

Klar werden wir immer wieder beeinflusst, wir können gar nicht anders. Ich persönlich fühl mich zum Beispiel total inspiriert von Frauen, die genau ihren Weg gehen. Die dieses leuchten in den Augen haben, wenn sie mir erzählen, wie sie ihre Wendepunkte für sich genutzt und genau so umgesetzt haben, wie sie das wollten. Das sind Frauen, die so authentisch sind, die ihren eigenen roten Faden gezogen haben, Frauen, die keine angst davor hatten etwas anders zu machen, anders anzugehen. Frauen, die das „so und so macht man das“ los gelassen haben und platz machten für ihren eigenen Raum, ihr ganz individuelles Schwangerschafts- und Geburtserlebnis.

Es gibt unzählige Varianten, wie wir mit Schwangerschaft und Geburt umgehen können. Es gibt auch keine richtige und keine falsche Variante. Es gibt nur diese Punkte im roten Faden, der sich durch unseren Weg zieht. Und genau auf diese Punkte haben wir einfluss. Verschiebt sich ein Punkt, verschiebt sich auch der Weg. Mal mehr, mal weniger.

Wie wäre es, mit diesen Wendepunkten etwas zu spielen, anstatt sie einfach abzuhaken? Sie an sich ran zu lassen, zu spüren, was sie so mit einem machen, sie etwas zu verschieben um heraus zu finden, ob der Weg dann vielleicht etwas spannender wird durch diese schöne Schwangerschaftszeit?

 

BaumSarah

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