Aus gegebenem Anlass möchte ich meinen heutigen Blog der Wehe widmen. Heute war die erste Nacht, in der mich eine Wehe sanft aus dem Schlaf gerissen hat und zwei drei weitere darauf gefolgt sind. Aaaaach ja, die Wehen, die haben wir ja auch noch, hihi, freundlich hab ich mal ein „Grüezi“ entgegen gebracht…

In meiner ersten Schwangerschaft hab ich die Wehen ganz gespannt erwartet und mich immer wieder gefragt, wie fest wohl so eine Wehe weh tut. Dass sie weh tun muss, ist ja eigentlich logisch, sonst würde sie ja nicht Wehe heissen. (Bei uns in der Schweiz sagt man manchmal auch einfach „das Weh“).

Wer sich mit Hypnobirthing befasst, der weiss, dass dort sehr stark auf die Aussprache geachtet wird. Eine Wehe wird zum Beispiel zur WELLE. Das Kind wird nicht hinaus gepresst sondern ausgeatmet, oder gleitet durch den Geburtskanal, etc.  Und ja, Welle gefällt mir vieeeel besser als Wehe. Denn die Wehen kommen und gehen auch wie Wellen.

Und so hab ich angefangen, in dieses Wellenbild so richtig einzutauchen.

Stell dir mal vor, du stehst an einem wunderschönen Strand, die Meeresluft streichelt dir durchs Haar, deine Füsse sind fest im Sand vergraben und du geniesst den wunderschönen Ausblick. Stell dir dein Zaubermeer vor. Eine Welle nach der anderen erreicht den Strand, bricht sich und ganz fein verteilt sich das Wasser auf dem Sand. Dir gefällt dieses sanfte, harmonische Bild. Du beschliesst, in dein Meer einzutauchen, deine Füsse berühren das warme Wasser, du gehst immer weiter und weiter hinaus in deinen Ozean. Und je weiter du in deinen Ozean steigst, umso mehr Wellen kommen dir entgegen, teilweise musst du dich recht konzentrieren, dass du noch auf den Füssen stehen bleiben kannst.

Schwimmen und Gebären haben einiges gemeinsam: Beides machen wir (meistens) nicht jeden Tag. Es sind ungewohnte Handlungen. Menschen sind einfach keine Fische, Schwimmen und Wasser sind für uns unbekannte Materien.

Manche Menschen sind mit dem Element Wasser sehr verbunden und fühlen sich pudelwohl darin, andere haben eine unerklärliche Angst davor. Es gibt zwei Möglichkeiten, sich im Wasser fort zu bewegen: entweder, ich kämpfe gegen die Fluten an und werde irgendwann mal unter gehen, weil ich weiss, dass diese Naturkraft einfach stärker ist als ich, oder ich lasse mich treiben, ganz sanft. Ich verbinde mich mit dem Wasser, strecke Beine und Arme auseinander und lasse geschehen, geniesse.

Wenn wir jetzt wieder in diesen Meeresfilm eintauchen, dann stell dir vor, wie du weiter und weiter hinaus gehst ins Meer, bis du keinen Boden mehr unter den Füssen hast. Ja, du hast den Boden verloren. Aber es macht dir keine Angst mehr. Weil du weisst, dass du nicht mehr gegen das Wasser, diese Naturgewalt ankämpfst, sondern mit ihr mit gehen wirst. In ihrem Rythmus. Schliesslich bestehst du auch zu einem sehr grossen Teil aus Wasser. Stell dir vor, wie dein ZaubermeerWasser deinen Körper durchdringt, eins mit dir wird. Ein wunderschönes Gefühl der Geborgenheit, des Getragen seins macht sich breit. Und dann ist sie plötzlich da, vor dir rollt sie sich auf, deine Welle. Wunderbar zeigt sie sich in den schönsten Blautönen. Du merkst, wie kraftvoll und gross sie ist.

Eine Faszination macht sich in dir breit, eine Demut kommt auf, du spürst diese gewaltige Kraft. Es wird dir bewusst: DAS ist MEINE Welle!!! Und so steigst du auf sie hinauf, lässt dich von ihr tragen, fliegst auf ihr über das Meer. Ich nenne diesen Wellenritt den Flow.

welle

Tatsächlich haben wir zwei Möglichkeiten: entweder, wir versuchen, mit unseren Wellen eins zu werden, oder sie brechen mit Getöse über unserem Kopf zusammen, drücken uns unter Wasser, es fällt uns plötzlich schwer, Luft zu bekommen, wir müssen uns immer und immer wieder aus dem Wasser kämpfen. Das braucht extrem viel Energie.

Genau das ist mir heute Nacht wieder bewusst geworden, als mich diese kleine We(ll)he wach geküsst hat: Wir haben die Wahl: wollen wir mit ihr reiten, oder gegen sie ankämpfen? Heissen wir sie willkommen, laden sie ein, und machen sie zu unserer Verbündeten, damit sie uns kraftvoll in die Höhe hebt, mit uns über diesen wunderschönen Ozean schwebt, uns neue, unbekannte Welten zeigt?

Ist es nicht genau das, was ein selbstbestimmtes, schönes Geburtserlebnis ausmacht? Ich denke ja. Für mich haben die Frauen, welche von einer tollen Geburt berichten genau ihre Welle gefunden. Sind auf ihr geritten, haben sich erhebt, sind eingetaucht in dieses Meer der  Möglichkeiten, haben angefangen, in neue Welten vorzudringen, sie tauschen das Schreien gegen das Singen. 😉 Jedesmal, wenn sie mir von ihrem Wellenritt erzählen sehe ich sie vor meinem inneren Auge, und ich erkenne auch in ihren Augen dieses Leuchten, diese unbeschreibliche Kraft, die wieder in ihnen auf kommt.

Wenn wir vor lauter Wellen nur noch Meer sehen gehen wir unter. Also machen wir uns die Suche nach unserer Welle, tauchen ein in diesen Ozean, verbinden uns mit ihm, anstatt zu kämpfen, anstatt vor lauter Angst die Wellen über unseren Köpfen zusammen schlagen zu lassen.

Los los, Wellen reiten ist angesagt, ich möchte jede von euch sehen, wie ihr Kopf voller freude in den Himmel ragt wenn ihr euch weitet und auf eurer Zauberwelle reitet!

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