Der Nestbautrieb. Ein Mythos, oder doch Realität einer jeden Schwangeren? Für mich ist er gerade bitterer Alltag. Ich sollte vielleicht voraus schicken, dass ich nicht die perfekte Hausfrau bin, und mein Ordnungssinn, wie soll ich es sagen… Wahrscheinlich etwas von der Norm abweicht. 😉

Ein kleines Beispiel: Ich finde, es gibt wichtigeres im Leben als zu Bügeln, weshalb ich mich nach unserem 3. Umzug endlich dazu entschieden hab, das von meiner Mutter zur ersten Wohnung geschenkt bekommene Bügeleisen mitsamt Brett zu entsorgen. Es war ein Befreiungsschlag! Und ja, es gibt ein bügelloses Leben, es ist vielleicht ab und zu etwas verknitterter als andere, sauber gebügelte Leben, aber ich finds toll. Es bleiben einem auch die peinlichen Momente erspart, wo die Nachbarin eine halbe Stunde auf ein Bügeleisen warten muss, dass sie uns ausleihen möchte, weil ihres gerade den Geist aufgegeben hat während wir das unsere,  vor sich hin staubende in der ganzen Wohnung suchen… Alles schon vor gekommen. Nicht vorhandene Bügeleisen in einem Haushalt, der nicht bügelt bringt zwangsweise Klarheit in solch peinliche Situationen, da gibt es einfach nichts zu suchen oder auszuleihen.

Fenster putzen, Auto saugen, Kleiderschrank aufräumen und Chuchichästli putzen stellen für mich schier unüberwindbare Hindernisse im Hausfrauen Alltag dar, denen ich sehr gerne aus dem Weg gehe, anstatt ihnen in die Augen zu schauen und mich der Aufgabe zu stellen. Ich sehe es nicht ein, weshalb das Kinderzimmer am Abend aufgeräumt sein sollte, wenn es doch 2 Minuten nach dem Aufwachen der Kinder wieder gleich aussieht wie zu dem Zeitpunkt, als sie ins Bett gegangen sind. Also ich persönlich schlaf deswegen nicht wirklich besser. Und glaubt es mir, meine Kinder sicher auch nicht!!! Vielleicht der Papa mit seinem Ordentlichkeitssinn, welcher meilenweit von meinem entfernt scheint und empfindlich auf die Probe gestellt wird, wenn er nachts im dunkeln auf Lego Duplo Steine tritt.

Und dann, ja dann passiert jedes Mal, gegen ende der Schwangerschaft was ganz spannendes mit mir: eine Verwandlung findet statt. Irgend ein Hebel in meinem Hirn, den ich bis jetzt noch nicht gefunden hab, stellt um auf den Nestbautriebmodus… Dann kann ich nicht mehr anders. Wie ein wildes Tier, das pausenlos an seinem Nest arbeitet sehe ich vor meinem geistigen Auge nur noch diese to do Liste, die abgearbeitet werden muss.

So kommt es, dass ich im 9. Schwangerschaftsmonat im Garten Holz staple, das Auto sauge und meinen Schrank aufräume. Die Küche wird strategisch neu eingerichtet, und irgendwie kommt mir meine Wäsche doch ziemlich grenzwertig verknittert vor… Ich würde noch viel mehr tun, würde mein Rücken mich nicht immer wieder daran erinnern, dass ich es ein bisschen sanfter und gelassener angehen sollte.

Sie ist schon fast durch meine Liste, fast alles hab ich im geistigen Auge schon abgehakt, nur eines, eines bleibt: das Fenster putzen! Die Challange! Ich fühl mich wie in einem Nestbautrieb Zehnkampf kurz vor der Königsdisziplin. Ich bereite mich mental auf die grosse Aufgabe vor, indem ich meine Muskeln lockere, Extraportionen Kohlehydrate zu mir nehme und mich schon sehe, wie ich mit Dampfreiniger und Akku betriebenem Wasserabsauger den Fingerabdrücken und Fliegenschissen (aaaaach wie ich diese doofen dunkelbraunen Punkte hasse!) an den Fenstern und Simsen den Gar aus mache.

Oh ja, sie ist da, diese Endspurtzeitspanne, wo noch alles erledigt werden muss, bevor die kleine kommt, so, damit alles perfekt ist, das  Nest gemacht, bereit für das neue Familienmitglied. Und langsam, ja ganz langsam kann es nicht mehr lange gehen, mein Nestbautriebmodus verrät es mir. Ab nächster Woche erreichen wir die Zeitspanne, wo alles möglich ist, alles im grünen Bereich, diese magischen 6 Wochen um den Entbindungstermin, in denen Madame sich irgendwann mal auf die Reise zu uns machen wird. Ob früher oder später, das steht noch in den Sternen. (Ja, es sind tatsächlich ganze sechs Wochen meine Lieben!)

 

 

 

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