Geduld ist eine Tugend. Es ist die Fähigkeit, zu warten, seine Wünsche und Sehnsüchte bewusst zurück zu stellen. Das ändert nichts an der Tatsache, dass ich wahrscheinlich beim Verteilen der Geduld an der Warteschlange ziemlich weit hinten stehen musste, und irgendwie nicht mehr sehr viel davon ab bekommen hab.

Seit ich entschlossen hab, Mama zu werden, werde ich immer und immer wieder mit dem Thema Geduld konfrontiert.

Es scheint mir, dass Mamas echte Geduldsexperten sein müssen. Nur leider ist das geduldige Warten manchmal ziemlich schwierig für mich, da wie gesagt meine Kapazität an Geduld nicht wirklich gross ist.

Und in gewissen Dingen ist es einfach sehr sehr schwierig, geduldig zu sein. Zum Beispiel dann, wenn sich eine Frau ein Baby wünscht. Wenn dieser Wunsch so gross ist, die Sehnsucht sie nach einem Baby sie fast zerreist, dann wird es sehr schwierig zu warten und diese Wünsche und Sehnsüchte zurück zu stellen.

Aus dieser Tatsache ergibt sich für mich folgende Gleichung: je grösser der Wunsch oder die Sehnsucht ist, desto schwieriger ist die Sache mit der Geduld. Je weniger Geduld wir haben, desto schwieriger scheint es uns, die Wünsche und Sehnsüchte zu erreichen. 

Das ist ein ziemliches Dilemma.

Und so frage mich, ob man geduldig sein trainieren kann?

Ich meditiere ziemlich oft und wende sehr gerne Visualisierungstechniken an. Stelle mir im geistigen Auge vor, wie ich eine von mir ersehnte oder gewünschte Situation schon erreicht habe, fühle in mich hinein, wie das ist, wenn ich genau dort an diesem Ziel angekommen bin. Das hab ich so gelernt. In ein paar Ausbildungen.

So visualisierte ich mir mir drei Mal meine Traumgeburt, sah mich auf meinen Wellen reiten und mein Kind mit Leichtigkeit gebären.

Visualisierungen sind eine tolle Sache. Nur manchmal scheinen sie nicht zu funktionieren.

Warum?

  1. Visionen entstehen im Kopf, und unser Denken ist bekanntlicher Weise ziemlich begrenzt. Also kann ich mir bloss visualisieren, was ich mir auch vorstellen kann. Oder was ich mir zutrau. Mehr nicht. Vielleicht gäbe es da noch unendlich viele andere, bessere Situationen oder Möglichkeiten, die ich visualisieren könnte, sie kommen mir einfach nicht in den Sinn, oder, was viel öfters der Fall ist, ich trau sie mir nicht zu. Ein Beispiel: Wie viele Frauen getrauen sich zu visualisieren, dass sie bei der Geburt einen Orgasmus haben werden??? Ich behaupte, die wenigsten, weil für sie dieser Gedanke einfach zu abstrakt ist, sie sich diese Möglichkeit nicht zugestehen.
  2. Sie erinnern uns immer und immer wieder an unsere Wünsche und Sehnsüchte. Und genau, jetzt kommen wir wieder zu der Gleichung: je grösser und präsenter die sind, desto schwieriger die Sache mit der Geduld. Wir verharren unbewusst in der Sehnsucht und im Mangel und können uns nur schlecht auf das konzentrieren, was wir eigentlich erreichen möchten.
  3. Je mehr und je sturer wir visualisieren, und darauf bestehen, dass alles genau diesen Lauf nehmen muss, desto schwieriger können wir uns auf eine neue Situation einlassen. Nehmen wir einmal an, wir schreiben für unsere Geburt ein Drehbuch, in dem genau steht, wie wir die Geburt erleben möchten. Und in der Realität läuft alles ziemlich anders. Das könnte unter Umständen uns ziemlich aus der Bahn werfen, da wir uns ganz stur nur immer mit dieser einen, festgefahrenen Möglichkeit beschäftigt haben. Vielleicht kommt es dann sogar soweit, dass sich neue, bessere Möglichkeiten auf tun würden, wir aber den Blick für sie verloren haben, da wir auf genau unsere geplante Möglichkeit bestehen.

Es braucht also noch etwas mehr, um unsere Wünsche wahr werden lassen zu können:

Wir müssen sie los lassen. So kommen wir zur nächsten Gleichung:

Je grösser der Wunsch und die Sehnsucht, desto schwieriger fällt es uns, diese los zu lassen.

Schwangerschaft, Geburt und MamaSein haben sehr sehr viel mit los lassen und geduldig sein zu tun.

Wir warten geduldig darauf, endlich schwanger zu werden.

Wir warten geduldig, bis die kritische Phase der ersten drei Schwangerschaftsmonate durch ist und wir endlich verkünden dürfen, schwanger zu sein.

Geduldig warten wir zum Schluss einer Schwangerschaft darauf, dass es endlich los geht. Je näher dieser ET rückt, desto schwieriger scheint es für uns zu werden, diese Geduld aufrecht zu halten. Hat dann das Baby diese ET Limite überschritten und wird sogar „übertragen“, dann wird die Situation schon fast unerträglich für manche von uns.

Was passiert? Wir wünschen uns nur noch, dass das Baby kommt, sind nicht mehr bei uns, alles dreht sich nur noch darum, wann es denn endlich los geht. Wir verkrampfen uns, werden ungeduldig und enttäuscht, weil unser Plan nicht auf geht. Ein Kopfkino beginnt. Es dreht sich alles nur noch um dieses Thema und wir verlieren uns. Wir können uns nicht mehr in die Situation hinein fühlen und verlieren die Verbindung zu uns und unserem Baby.

Was können wir tun? Los lassen. Darauf vertrauen, dass alles seinen Lauf nehmen wird, dass es genau so sein muss, wie es ist.

Los lassen bringt uns zurück zur Geduld.

Also fasse ich mal zusammen:

Geduld lässt uns locker bleiben.

Geduld ist die Tugend, die wir als Mama brauchen. Von Anfang an.

Sie zu erreichen, ist manchmal nicht wirklich einfach, denn wir müssen unsere Wünsche und Sehnsüchte kennen, wir müssen sie uns bewusst machen, sie fühlen und sichtbar machen um sie dann wieder los lassen zu dürfen.

Dafür müssen wir vertrauen. In uns. Unsere Kinder.

Darauf, dass alles genau  richtig kommt, so wie es kommen wird.

 

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