Ich hab ganz vergessen wie toll ich Stillen find. Total. Jetzt, wo ich zum dritten Mal damit angefangen hab wird mir wieder bewusst, wie gerne ich stille. Baby an die Brust, Powerkuscheln, 20 Min abtauchen, in die Stille gehen. Nur fürs Baby da sein. Das MamaSein geniessen, entspannen.

Ja ich gebe es zu, ich bin ein StillFreak. Ich liebe es. Vielleicht liegt das auch daran, dass das Stillen bei mir immer tip top und ganz einfach funktioniert hat. Bei allen drei Kindern. Kaum waren sie geboren, hingen sie schon an meinen Nippeln und haben gesaugt wie die Weltmeister. Den Milcheinschuss hab ich nie als extrem schmerzhaft empfunden, ich hatte niemals Probleme mit Milchstau, entzündeten Brustwarzen oder ähnlichem.

Happy me.

Genau weil es bei mir so einfach gelaufen ist, habe ich total viel Respekt vor den Frauen, die trotz Stolpersteinen und Hindernissen dran geblieben sind und ihre Kinder gestillt haben. Ich kann mir sehr gut vorstellen, welch harte Arbeit dahinter steckt!

Ich stille überall.

Es ist mir ehrlich gesagt ziemlich piepegal was mein Umfeld dazu sagt. Ich hab mir noch nie Gedanken darüber gemacht, dass das irgendjemand stören könnte. Denn sind unsere Brüste nicht genau dazu gemacht, um ein Baby zu nähren? Ich höre ab und zu von Frauen, die sich nicht trauen in der Öffentlichkeit zu stillen, oder schon negative Erfahrungen mit Mitmenschen gemacht haben, die ihnen das Stillen vor fremden Augen verbieten wollten.

Komischer Weise sind es meist Frauen, die sich über andere, stillende Frauen aufregen. Das find ich ziemlich spannend und irgendwie unlogisch. Ich glaube, Männer haben damit weniger ein Problem und sehen das natürlicher und viel entspannter. Und ganz ehrlich liebe Frauen, ich glaube nicht, dass das daran liegt, dass diese dabei die Gelegenheit haben, auf einen mit Milch prall gefüllten Busen zu schauen. Da möcht ich die Männer mal in Schutz nehmen.

Wie gesagt, es ist mir egal was die anderen denken. Weil ich finde, es ist mein Recht. Mein Körper, meine Brüste, mein Kind. Was ich damit anfang soll doch mir überlassen sein. Und wers stört, soll weg schauen. Meine grosse Tochter hab ich mal während der Zahnreinigung bei der Dentalhygienikerin gestillt. Was solls? Ich hatte den Termin, die Zahnfee  musste vorwärts arbeiten und mein Kind hatte Hunger. Drei Fliegen mit einer Klatsche.

Als meine beiden ersten Kinder noch kleiner und ich teilzeit arbeitend waren musste ich in den sauren Apfel beissen und meine Brüste regelmässig abpumpen. Da ich es ziemlich unangebracht fand, dies auf dem stinkigen GemeinschaftsKlo zu machen, hab ich mich in die Büroecke verkrümelt und jeweils dort abgepumpt. Ganz ehrlich gesagt: Ich fand die Abpumperei irgendwie immer entwürdigend. Ich fragte mich oft, was ich eigentlich da mache, vor meinen Arbeitskollegen. Viel lieber wäre ich da gesessen, mit meinem Baby im Arm und hätte ohne grosse Pumpgeräusche und Schläuche mein Kind gestillt.

Für mich war das Abpumpen ein notwendiges Übel, um einer BrustExplosion am Arbeitsplatz vorzubeugen.

Stillende Frauen, welche wieder arbeiten wollen sind  in der Schweiz sowieso im Dilemma, der gesetzliche Mutterschaftsurlaub dauert bei uns 14 Wochen, die WHO empfiehlt aber, dass ein Baby mindestens sechs Monate voll gestillt werden soll. Da braucht es ziemlich viel Kreativität und Einfallsreichtum von den Mamas, die wieder arbeiten und stillen wollen, um alles unter ein Dach und Fach zu bringen. Ich ziehe auch wieder meinen Hut vor den Frauen, die das Abpumpen, Portionieren, Einfrieren und wieder Auftauen ihrer Milch auf sich nehmen, denn ich weiss, mit welchem Aufwand das Ganze verbunden ist.

Weshalb nur kann man stillen unappetitlich finden? Das frag ich mich ziemlich oft. Was triggert ganz genau diese Menschen, die sich darüber so dermassen aufregen können? Haben diese Frauen den Bezug zum eigenen Körper verloren? Oder hätten sie selber gerne auch „so viel Selbstvertrauen“ um in der Öffentlichkeit ihre Brüste auszupacken? Braucht es dazu überhaupt Selbstvertrauen? Eigentlich sollte es doch selbst verständlich sein, weil es unsere Natur so bestimmt hat, dass wir Frauen nun mal unsere Babies ernähren können. Wer bestimmt, dass Stillen an bestimmten Orten etwas Unangebrachtes ist?

Manchmal hab ich das Gefühl, dass es allgemein ein bisschen an Toleranz fehlt, dass das, was unsere Weiblichkeit ausmacht ins Lächerliche oder sogar ins Grauslige gezogen wird. Nicht von den Männern, nein, sondern von uns Frauen selbst.

Ja liebe Frauen, nehmt euch bitte mal selbst an der Nase!

Letztens bin ich über einen Artikel in Brigitte Mom gestossen, in dem wunderschöne Geburtsfotos von einer Hausgeburt veröffentlich wurden. Auf einem Bild sieht man die frisch gebackene Mama mit dem Baby auf dem Bauch da liegen. Beide nackt, wie Gott sie schuf, liegen sie da, die Mama stillt das Baby. Das Spezielle an dem Bild ist, dass das Baby noch nicht von der Nabelschnur getrennt wurde und so liegt auf der nackten Mama nicht nur das Baby, sondern auch seine Nabelschnur und die dazu gehörige Plazenta. Das wundervolle, Organ, dass ihr Kind bis zu diesem Zeitraum ernährt hat, ihm ermöglicht hat, gross zu werden, sich zu entwickeln und auf diese Welt zu kommen.

Das Bild hat für mich eine wunderschöne, symbolische Bedeutung. Es zeigt mir den Übergang. Es ist nicht mehr der Mutterkuchen, der das Kind jetzt nährt, sondern die Brüste der Mama. Ich fand es einfach nur wunderschön und beeindruckend.

Umso mehr war ich schon ein bisschen schockiert über gewisse Kommentare zu dem Foto. Viele fanden es sehr unappetitlich, und haben sich darüber geärgert, dass sie sich jetzt eine Plazenta anschauen müssen. Puh, das hat mich ziemlich umgehauen.

Achtung, wer jetzt keine Lust auf Plazenta hat soll weg schauen, weil hier poste ich nun genau dieses Foto:

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Ich find das Bild wunderschön, kraftvoll, kann nicht erkennen, was daran unappetitlich sein soll. Ich sehe kein Blut, einen wunderschönen Mutterkuchen, Baby mit Nabelschnur und eine glückliche, wunderhübsche Mama. Übrigens: über das Stillen hat sich bei diesem Foto niemand aufgeregt! 😉

Für alle, die den ganzen Beitrag anschauen möchten, hier der Link: https://www.facebook.com/brigittemom/posts/988361541282534

Es macht mich traurig, dass wir Frauen oft in dieser Stutenbissigkeit verfallen.

Weshalb?

Ist sie nötig?

Brauchen wir diesen Zickenterror? Bringt er uns denn weiter?

Ich denke nicht. Wir könnten so viel voneinander lernen. Letztens habe ich bei Facebook eine rege Diskussion mitverfolgt, in der eine Gruppe von Frauen darüber gelästert haben, dass es keine schmerzfreie Geburt geben kann. Jene Frauen, welche ein schönes Geburtserlebnis hatten wurden ziemlich runter gemacht und als Lügnerinnen dargestellt.

Schade, dass die Dinge so laufen müssen. Schade, dass wir uns nicht für andere freuen können, wenn sie bessere Erfahrungen gemacht haben als wir. Schade, dass wir im Neid verfallen anstatt uns zu fragen, ob wir nicht auch für uns eine solche Erfahrung erschaffen könnten. Anstatt unser Herz zu öffnen und zu fragen, „wie habt ihr das denn gemacht, ist dies wirklich möglich?“ Machen viele zu und verurteilen. Eigentlich nicht die andern, sondern sich selbst, weil sie sich nicht die Freiheit geben können oder möchten, etwas Gleichwertiges zu erleben.

Ist es nicht endlich an der Zeit, miteinander weiter zu gehen? Jede von uns ist sicherlich eine ganz tolle Mama, und gibt ihr bestes. Jede von uns hat ihre eigenen Erfahrungen, lebt in ihrer eigenen Welt. Lassen wir doch einander den Freiraum, den wir brauchen, um uns als Frau und als Mama komplett zu fühlen. 

Und falls uns nächstes Mal etwas an jemand anderem extrem stört, versuchen wir doch zuerst einmal in uns hinein zu horchen und heraus zu finden, weshalb dieser Umstand mit uns so viel macht, weshalb er gerade diese schlechten Gefühle in uns auslöst.

Denn meistens hat er was mit uns und nicht mit dem Gegenüber zu tun.

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