Mir wird immer mehr bewusst, dass ich unheimlich grosses Glück hatte. Grosses Glück, dass ich diese eine Hebamme gefunden hab, die mich so liebevoll durch meine Schwangerschaft begleitet hat, uns beigestanden ist während wir eine wunderschöne Geburt feiern durften und mich jetzt im Wochenbett betreut. Mein Beitrag heute geht an euch, liebe Hebammen und an all jene Frauen, die von euch während einer so wichtigen, langen Zeit und durch die Geburt begleitet werden.

Leider seit ihr vom Aussterben bedroht. Das musste ich schmerzlich erfahren. Mein Herz weint bei dem Gedanken, dass viele Frauen die Zeit, während in ihrem Bauch ein neues Leben entsteht, nicht mit euch verbringen können. Einfach, weil es zu wenige von euch gibt. Hier in der Schweiz ist die Situation vielleicht nicht so angespannt wie in Deutschland, aber auch hier musste ein Geburtshaus im Kanton Graubünden schliessen. Nicht, weil niemand dort gebären wollte, nein im Gegenteil. Es musste schliessen, weil keine Hebammen mehr gefunden wurden.

Euer Job ist ein Knochenjob. Das kann ich mir sehr gut vorstellen. Ihr habt eine grosse Verantwortung zu tragen. Ihr müsst immer wieder aufs Neue das Vertrauen der Frauen für euch gewinnen, ihr braucht ganz ganz feine Antennen, um zu spüren, was die werdenden Mamas gerade brauchen. Ihr müsst euch abgrenzen können, ihr erlebt Paare in einer Extremsituation. Und trotzdem ist das, was ihr macht ein Privileg. Ihr erlebt tausende erste Atemzüge, hört die ersten Babyschreie, seit dabei wenn aus Frauen Mütter und aus Männern Väter werden. Es sind magische Momente und unzählige Wendepunkte, die ihr begleiten dürft.

Und ihr bewahrt immer diese Ruhe. Das ist das, was mich an euch am meisten fasziniert. Ihr strahlt so eine Ruhe aus. Begleitet, schenkt Vertrauen, gibt den Frauen Halt. Diese Ruhe hat mich immer so schön durch meine Geburten getragen. Ich wusste, alles ist in Ordnung, alles kommt gut. Ihr beschützt uns Gebärenden, behandelt uns mit Würde und mit Mitgefühl, ihr behandelt unsere Weiblichkeit mit grossem Respekt.

Es ist mir bewusst, dass es einfacher für euch ist in einer Klinik zu arbeiten. Ihr habt dann geregelte Arbeitszeiten und Einkommen, könnt ohne schlechtes Gewissen in den Urlaub, habt ein geregeltes Privatleben. Nur leider wird dort viel zu oft eure Kompetenz in Frage gestellt, steht ihr immer im Schatten der Ärzte. Zwei Mal wurde ich gebeten, zu warten, bis der Arzt da ist. Ich wurde gebeten, mit der Geburt unserer ersten beiden Kinder zu warten, weil das Spital das so vorsieht, dass ein Arzt dabei sein muss, wenn ein Kind auf die Welt kommt. Ihr habt mich über Stunden begleitet, aber zum entscheidenden Augenblick muss jemand anderes das Zepter übernehmen. Das macht für mich keinen Sinn. Zwei Mal hab ich euch gesagt, dass meine Kinder auch sehr gut ohne Arzt auf die Welt kommen können. Beim dritten Mal haben wir den Arzt von Anfang an ausgelassen. 😉

Es macht mich traurig und unglaublich dankbar, zu wissen, dass meine Hebamme zu dieser aussterbenden Art unter euch gehört, die mit ganzem Herzen dabei ist, mich begleitet hat während mein Bauch gewachsen ist, mit mir und meinem Mann unser drittes Kind empfangen hat. Uns besucht, in dieser Zeit, wo unsere Familie sich wieder neu sortieren tut, in dieser Zeit, wo jeder von uns wieder ein neues Plätzchen findet in dieser Fünferkonstellation. Diese Frau, die uns in einem Lebensabschnitt begleitet hat wird mir immer in Erinnerung bleiben, in sehr guter! Ich werde die schönen Gespräche mit ihr vermissen, das weiss ich jetzt schon. Und es macht mir weh ums Herz zu wissen, dass es nicht mehr viele dieser Frauen gibt, die uns Mamas so dienen wie sie.

Deshalb bitte ich euch, liebe Hebammen da draussen, bleibt bei uns, wir brauchen euch! Wir brauchen Frauen wie euch, die uns verstehen, uns Halt geben, uns begleiten. Uns die nötige Zeit geben, die wir brauchen, um als Mama anzukommen. Um zu gebären. Um Vertrauen in uns und unseren Körper aufzubauen. Wir brauchen Menschen wie euch, die den Zauber der Geburt verstehen. Wir brauchen diese Ruhe, um zu wissen, dass alles in Ordnung ist. Wir brauchen Frauen wie euch, die den heiligen Raum einer Geburt wahren. Frauen, die in uns hinein fühlen können. Wir brauchen Menschen, denen wir uns nicht erklären müssen, Menschen, die uns ohne Worte verstehen.

Wir brauchen Respekt. Denn wir sind nicht krank, wir müssen nicht geheilt oder entbunden werden. Wir brauchen nur diesen einen, ganz wertvollen Menschen an unserer Seite mit diesen feinen Antennen. Diesen Menschen, der uns geduldig begleitet, an uns glaubt, der weiss, dass die Natur alles richtig macht, und der weiss, dass jede Geburt eine andere Geschichte schreibt.

Dieser Text ist allen Hebammen gewidmet, speziell denen, die noch freischaffend sind und Hausgeburten begleiten. Ihr macht einen wundervollen Job, danke, dass es euch gibt! Bitte bitte verlasst uns nicht!

 

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