Ich weiss nicht wie es den anderen Mamas da draussen so geht, aber bei uns herrscht im Wochenbett immer ein bisschen das Chaos. Mit jedem Kind frage ich mich, ob das wohl irgendwann mal aufhört, ob irgendwann mal die Normalität einkehrt…

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, als ich zum ersten Mal Mama wurde. Die ersten Wochen hab ich gedacht, die Zeit rennt nur so um meine Ohren. Ich hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Der drei Stunden Stillrythmus, der sich permanent durch die 24 Stunden gehalten hat, hat mir jeglichen Tag- und Nachtrhytmus entzogen. Und plötzlich wurde mir etwas bewusst: Mama sein ist ein 24h Job. Da kommst du nicht mehr wieder so einfach raus liebe Tanja. Da ist nix mit am Abend nach Hause kommen, Beine hoch legen und nicht mehr an die Arbeit denken. Nein, Mama ist man 24h, 7 Tage, 52 Wochen im Jahr. Von jetzt an FÜR IMMER UND EWIG!

Ich gebe es ganz ehrlich zu, genau diese Tatsache hat mir am Anfang ziemlich grosse Angst bereitet. Und obwohl mein Mann auch sieben Wochen Urlaub hatte, als unser Sohn auf die Welt kam, herrschte bei uns der Ausnahmezustand. Dieser kleine Mensch gibt nun den Takt an. Ich musste mich an die neuen Regeln anpassen. Ich hasse zum Beispiel Unpünktlichkeit. Wie die Pest. Und nun wurde gerade ich  unpünktlich. Das kratzte lange Zeit an meinem Ego. Es ist eine Tatsache, dass ganz sicher, wenn alle bereit sind zur Abfahrt dieses untrügerische, verdächtige Geräusch aus dem MaxiCosi erklingt. Ein sanftes aber bestimmtes pfffffffpffff. Und wer sich auskennt mit Babyschalen und Stillkacke, der weiss, dass der Inhalt in der Windel sich sehr gerne bis zum Rücken hin ausdehnt, wenn das Baby in so einer solchen Schale sitzt. Da bleibt einem nichts anderes übrig als den kleinen Scheisser wieder auszupacken, neu anzuziehen und zu wickeln. Und sich zu verspäten.

Ich hab mich entchieden, wieder zu arbeiten, als ich zum ersten Mal Mama wurde. In der Schweiz dauert der offizielle Mutterschaftsurlaub 14 Wochen, also hab ich unseren Sohn mit 3,5 Monaten in die Kita gegeben und  60% als Angestellte in einem Zahntechnischen Labor gearbeitet. Ich hab gedacht, ich pack das nie. Nicht die Arbeit hat mir Kopfzerbrechen bereitet, sondern das Drumrum. Manchmal am Morgen, da hatte ich das Gefühl, ich schaffs nie pünktlich ins Labor. Baby anziehen, wieder eine neue Windel, Baby hat hunger, alles, was das Baby braucht zusammen packen, Baby in der Kita abgeben, zur Arbeit fahren, Milch abpumpen, Baby wieder pünktlich  abholen. Im ganzen organisatorischen Chaos ist mir die Arbeit wie eine Ruheoase vor gekommen. Und ich hatte das Gefühl, Supermamakräfte zu besitzen. So einfach hat mich nichts mehr umgehauen. Ich dachte immer, ach ihr Lieben, ich hab ein Kind geboren, da ist das bisschen Aufregung hier ein Mückenschisschen. An den zwei anderen Tagen, in denen ich „frei“ hatte, habe ich unseren Haushalt geschmissen.

Irgendwie war ich immer unter Strom. Ich fühlte mich nicht gestresst, aber mein Leben war aber auch nicht wirklich entspannt. Ich hatte sehr wenig Zeit für mich, weil ich fast alles was ich tat, für andere tat. Arbeit, Haushalt, zum Baby schauen waren alles Handlungen, damit es anderen und nicht mir gut ging.

Langsam aber sicher hab ich mich dann im Alltag wieder zurecht gefunden, ist wieder etwas Ruhe und Struktur in unser Leben eingekehrt. Wobei eine gewisse Portion Chaos geblieben ist. Als dann Baby Nummer zwei auf die Welt kam, haben wir uns erstmal gefragt, weshalb uns EIN Kind damals nur so aus der Bahn geworfen hat. Denn mit unserer Tochter kam die Erkenntniss, dass ein Kind kein Kind ist.

Ich wurde nach 13 Monaten wieder in dieses Chaos zurück geworfen und verbrachte die Wochenbettzeit mit einem Baby und einem Einjährigen Kleinkind. So waren manchmal zwei Windeln voll wenn wir zu irgend einem Date abfahren wollten. Wir wurden also noch unpünklicher.

Und wieder hab ich mich entschieden, nach 14 Wochen im Labor zu arbeiten. Dieses Mal 40%. Weil es so wichtig ist, am Ball zu bleiben. Weil sonst mein Wert gemindert wird. Und weil ich gut bin in meinem Job. Schliesslich hab ich doch meine (teure) Meisterausbildung nicht umsonst gemacht, oder? Da kann ich doch nicht nur Mama sein. Doch der Preis und der Aufwand um arbeiten zu dürfen wurde immer höher: Zwei Kinder mussten am Morgen geweckt, bereit gemacht werden, für zwei Kinder musste alles zusammen gepackt werden, zwei Kinder mussten in die Kita. Ich wurde zum Organisationsprofi für das Leben von anderen. Und irgendwann und irgendwie wurde mir dieser Aufwand einfach zu gross. Ich kann mich an ein Schlüsselereignis erinnern, als ich gerade am Arbeiten war und mich über einen Kunden aufgeregt habe. Ich hab mir gedacht, was ich hier überhaupt mache. Anstatt hier zu stehn und mich aufzuregen könnte ich den Tag mit meinen Kindern verbringen. Bei meiner Familie sein. Das Gefühl, dass ich nicht richtig für meine Kinder da sein kann und im Arbeitsleben nur noch die Teilzeitangestellte bin (ich hab zuvor das Labor geleitet) hat mich fast wahnsinnig gemacht. Ich fand mich zwischen Stühlen und Bänken und deshalb hab ich mich entschieden, „nur“ noch Mama zu sein. Mit 200% Pensum.

Und so ist dann endlich in das Chaos auch wieder etwas Ruhe eingekehrt. Ich habe meine Position gefunden und bin glücklich so. Ich hab angefangen, mein kleines Business aufzubauen, zu malen, diesen Blog zu schreiben. Und es macht mir unglaublich viel Spass. Ich hab meine Oase gefunden, meine Zeit für mich. Auch wenn es bedeutet, dass ich um 4.30 Uhr aus den Federn steig um zwei drei Stunden für mich zu haben, diese Zeit ist für mich Wellness pur. Mein Schatz.

Und jetzt? Jetzt find ich mich wieder im Chaos mit Baby Nummer 3. Ich bin noch unpünktlicher, noch unzuverlässiger geworden. Und ich denk mir wieder, nach drei Wochen, ob irgendwann wieder alles „normal“ wird. Ruhe einkehrt. Ich meinen Platz finde, noch irgendwo Zeit habe für mich, für meine Ideen und Visionen. Wir alle müssen uns neu sortieren in dieser 5er Konstellation. Aus der kleinen Schwester ist die mittlere geworden, aus dem grossen Bruder ein noch grösserer, Papa und Mama haben drei Kinder zu versorgen und noch weniger Zeit für einander.

Eines weiss ich, und das wusste ich schon beim ersten Kind: es kommt wie es kommen muss. Alles zu seiner Zeit. Ich vergleiche Familie gerne mit einem Ratatouille: Viele verschiedene Gemüse ergeben den einzigartigen Geschmack, und doch schmeckt man jedes einzelne beim Essen hinaus wenn man sich darauf konzentriert. Genau so wünsch ich es mir für unsere Familie, jedes Gemüse soll seinen einzigartigen Geschmack behalten, alle zusammen ergeben ein wunderbares, wohlschmeckendes farbiges Gericht, das manchmal ziemlich chaotisch aussieht, aber im Gaumen einen harmonischen Abgang hat. 

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