Ich frage mich, ob es einigen gleich ergangen ist wie mir, als sie schwanger waren und Mama wurden… Dank dem Internet und vielen tollen Büchern begann ich mich zu informieren. Meine App fürs iPhone hielt mich Woche für Woche über jeden Entwicklungschritt auf dem Laufenden. Es schien mir fast so, dass frau erst so „richtig“ schwanger ist, wenn sie über alles bescheid wusste. Ich war voll dabei, up to date, nur wurde ich innerlich immer leerer. An was könnte das liegen?

Es scheint mir, dass wir zu Informationsjunkies mutiert sind. Kaum eine Frage lässt sich heute nicht dank Internet innerhalb von wenigen Minuten beantworten. Wir treten Gruppen bei, wo wir viele Gleichgesinnte und Antworten finden, wir sind umgeben von Experten. Viele Frauen lassen sich während der Schwangerschaft sehr engmaschig von einem Gynäkologen untersuchen, damit jede Abweichung von der Norm möglichst schnell erkannt wird.

Geburtsorte werden nach den Kriterien „Sicherheit“ ausgesucht, denn die Experten wissen, was zu tun ist, und es ist total wichtig, dass eine Kinderkrankenabteilung in der Nähe ist, damit dem Baby schnellstmöglich geholfen werden kann, falls was nicht stimmt. Der Wohlfühlfaktor scheint hierbei keine Rolle zu spielen. Die Frauen wissen ganz genau, was körperlich bei einer Geburt abgeht und welche Komplikationen auftreten können. Frau macht sich auf alles gefasst. Und frau ist froh, wenn sie auf kompetentes Krankenhauspersonal trifft, dass mit ihr und dem Baby auch das Richtige macht, um alle Risiken möglichst klein zu halten. Auch wenn die Geburtserfahrung dann nicht so toll ausfällt wie wir uns das erhofft haben, sind wir froh, dass nochmals alles gut gegangen ist und sagen unseren Helfern brav dankeschön. Wir akzeptieren, dass wir halt zu dem Teil der Gebärenden gehört haben, bei denen eine Intervention unumgänglich war. Und leben damit. Vor lauter Experten vergessen wir uns selber.

Frau hört von Hypnobirthing Büchern und Kursen und Schwangerschaftsyoga. Und weil es gerade so „in“ ist, besuchen viele diese Kurse, lesen Bücher über schmerzfreies, selbstbestimmtes Gebären und erzählen mir danach, dass bei ihnen das Ganze nicht funktioniert hat, oder dass ihnen das Yoga vieeeel zu esotherisch ist. Ich muss dann immer auf den Stockzähnen etwas schmunzeln. Viele finden die Idee hinter Hypnobirthing ganz toll, nur erlauben sie sich selbst auch, eine schmerzarme oder schmerzfreie Geburt zu erleben?

Es scheint mir manchmal, wir handeln nach dem Motto: Wissen ist Macht, und dabei vergessen wir eines: uns selbst!

Vor lauter Expertenrat hier und Expertenrat da, und ja es ist alles in Ordnung, in diesem grünen Bereich vergessen viele sich selber. Schwangerschaft, Geburt und Mama sein sind nicht nur rein körperliche Vorgänge, es passiert so viel auf einer anderen Ebene. Das hat nichts mit Esotherik zu tun, auch wenn es heute oft so ausgelegt wird.

Wenn es einen Weiterbildungskurs zur tollen Mama gäbe, würden wir den dann auch besuchen? Hiesse es dann: „ich hab den Abschluss in eidg. dipl. tolle Mama“? Wir wüssten dann ganz genau wann welcher Entwicklungsschritt beim Kind ansteht, wie gross und schwer es wann zu sein hat und wann und wie Schnuller, Windel und Schoppen abgewöhnt werden muss.

Mich hat die ganze Informationsflut und dieses Sicherheitsdenken irgendwann mal so angekacht, dass ich es sein gelassen hab. Diese ganzen Informationen und Ratschläge prasseln aus dem Aussen auf mich ein und irgendwann vergess ich vor lauter inneren Checklisten, die ich im Geiste abhake mich selber.

Und dann stellt sich plötzlich diese Frage: „was willst du denn, liebe Tanja?“ und was brauchst du, um es zu erreichen? Und so bin ich in die Tiefe gegangen, hab mal in den Bauch rein gespürt, mir vorgestellt, wer dort drin wohnt, was mir diese Seele wohl sagen möchte, hab versucht, ihre Bedürfnisse raus zu spüren. Vor einiger Zeit hat mir mal jemand gesagt, dass schwangere Frauen beseelt sind, da die Seele vom Baby ganz nah bei ihnen ist oder in ihnen wohnt, und dass genau dass diese besondere Aura oder Ausstrahlung ausmache, die viele Menschen bei schwangeren Frauen beobachten können. Damals fand ich diese Aussage ziemlich abgehoben, heute weiss ich, dass es so ist.

Meine Schwangerschaften und Geburten wurden zu Reisen zu mir selbst. Ich hab nicht mehr im Aussen nach Antworten gesucht, sondern in mir. Ich wusste, dass alle Antworten und Ratschläge die ich brauchte in mir sind, und dass nur ich mir die Sicherheit geben kann, die ich brauche. So habe ich angefangen, aus jedem Buch, aus jedem Kurs das raus zu nehmen, was sich für mich und mein Baby als richtig erwiesen hat. So entstand meine Schwangerschaft, meine Geburt und meine Art, Mama zu sein.

Ich merkte immer mehr, wie ich von der Norm abwich. Aber es ist mir egal, im Gegenteil, ich fühl mich immer freier, selbstbewusster und selbstbestimmter. Ganz viele Ängste und Sorgen durfte ich los lassen. Vielleicht würden mich einige als verrückt bezeichnen, dürfen sie auch, denn mir gehts gut dabei. Und meinen Kindern auch.

Kinder zeigen uns, wie wir verrückt werden können und zwar auf wundersame Weise. Sie sind wie sie sind. Ungefiltert, Authentisch, wahr und klar. Und genau so sollen sie bleiben. Auch wenn das für mich bedeutet, dass ich drei kleine, eigensinnige Klabauter zu Hause habe. Ich hab keine Lust, sie in eine genormte Form zu stecken, genau so wenig, wie ich keinen Bock habe, der Norm zu entsprechen.

Vielleicht liebe Mama, die du jetzt diesen Text liest und der Experte in deinem Fach bist, und sicherlich über alles top informiert bist, vielleicht setzt du dich mal in einer ruhigen Minute hin und überlegst dir, was du denn so willst und brauchst um glücklich zu sein, um dich zu sein. Und wenn du merkst, dass du noch zu wenig verrückt bist für diese Welt, dann probiers doch einfach mal aus, denn die Verrückten sind die, die die Welt verändern, und wenn es nur dein eigener kleiner Familienkosmos ist, der sich zum verrückteren, ähm besseren wendet, dann hast du schon die Welt verändert!

Unsere Kinder brauchen Mamas und Papas, die spüren, was sie brauchen. Sie brauchen Eltern, die authentisch sind, die auf sich hören, um zu lernen, dass auch sie auf ihr Bauchgefühl vertrauen können. Denn das, was die Experten im Aussen uns raten muss nicht immer für uns passen. Oder vielleicht einfach nur ein Teil davon.

Wenn uns das bewusst wird, dann wissen wir auch, das jeder hier auf diesem Planeten seinen ganz eigenen Weg gehen darf. Und genau das ist das spannende daran. Ich kann und will euch nicht erzählen, was ihr machen müsst, um entspannt zu gebären. Ich kann euch nur eins sagen: ihr habt das Wissen in euch, was ihr braucht, um eine wunderschöne Schwangerschaft und Geburt zu erleben, und eine ganz tolle Mama zu sein. 

 

 

 

 

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