Heute gehen wir auf eine Parade, auf eine Blogparade. Tabea Laue von Mama Baby Vision hat mich dazu eingeladen und da konnte ich nicht nein sagen! Es geht dabei ums Stillen. Um schmerzfreies Stillen.

Ganz ehrlich, als ich zum ersten Mal Mutter wurde, da hätte ich mir nie gedacht, dass das mit dem Stillen so gut klappen würde bei mir. Denn ich habe kleine Brüste. Seeeeehr kleine Brüste. Mein kleiner Busen hat mich nie gestört, ich hatte weder Komplexe deshalb noch hätte ich sie lieber grösser gehabt. Ich hab sie einfach so angenommen wie sie waren, klein aber fein. (Übrigens: dumme Sprüche über meinen nicht vorhandenen Vorbau hab ich nie von Männern gehört, sondern von Frauen, aber das ist wieder ein anderes Thema.)

Als ich nun schwanger war mit meinem Sohn und das Thema Stillen langsam aktuell wurde, hab ich beschlossen, mir hierbei auch keinen Druck zu machen. Ganz ehrlich gesagt, konnte ich mir nicht wirklich vorstellen, dass so kleine Brüste auch genügend Milch für ein Baby produzieren könnten.

Natürlich wollte ich stillen, weil ich das einfach toll finde. Aber ich wollte mir auch keinen Stress machen, das war das Letzte, das ich brauchte.

Ich kann mich noch sehr sehr gut an meine erste Stillerfahrung erinnern. Mein Sohn lag nackt auf mir, frisch geboren und suchte schon nach meiner Brust. Die Hebamme sagte mir, ich solle ihn anlegen und schwupps, hat dieser kleine Mensch schon angefangen zu saugen. Ich fand das faszinierend. Vor einigen Minuten noch hat dieses Baby seine ersten Lungenzüge gemacht und jetzt trinkt es schon an meiner Brust. Das GeburtsGlücksGefühl hat sich ins unendliche  gesteigert.

Mir wurde bewusst, wie schön stillen ist. Das Baby liegt ganz nah bei dir, schön eingekuschelt. Für mich ist stillen eine EntspannungsInsel im MamaAlltagsStress. Hinsetzen, oder sich hinlegen, Zweisamkeit geniessen und entspannen bevor es dann mit dem Alltag weiter geht.

Ich hab mir aber weiterhin keinen Druck machen wollen. Alle meine Stillerfahrungen waren immer sehr schmerzfrei, ich hatte weder einen schmerzvollen Milcheinschuss noch hatte ich mit Milchstau oder entzündeten Brustwarzen zu kämpfen, alles hat tip top funktioniert. Ich war stolz auf mich und meine produktiven kleinen Brüste, wir waren ein tolles Team! Wir hatten ein ganz anderes Problem, oder besser gesagt, einen anderen Feind: Die Milchpumpe…

Der Mutterschaftsurlaub in der Schweiz dauert ganze 14 Wochen. Und da ich mich damals noch zu den Frauen gezählt hab, die Karriere und MamaSein unter einen Hut bringen, war mir klar, nach diesen 14 Wochen wieder drei Tage die Woche zu arbeiten. (Was das mit der Karriere und so angeht, hat sich mein Bewusstsein ziemlich verändert in den letzten vier Jahren, vielleicht schreib ich darüber auch mal…) Mein grösstes Problem, das sich aus meiner Entscheidung gebildet hat, war die Sache mit dem Stillen. Wie würde ich Arbeit und Stillen unter einen Hut bringen? 

Mein Baby ging in meinem Wohnort in die KiTa, mein Arbeitsort war 30Km weit entfernt. So entschied ich mich, mir eine elektrische Milchpumpe zu kaufen und habe angefangen zu pumpen, einzufrieren, aufzutauen, Baby an die Flasche zu gewöhnen, alle Utensilien auszukochen. Jetzt hat für mich erst der grosse StillStress begonnen. Stillen machte so keinen Spass mehr. Es ging lange, bis mein Sohn die Flasche akzeptiert hat. Der Termin von meinem ersten Arbeitstag rückte immer näher und wir beide wurden immer nervöser. Mein Baby mit meiner Milch zu ernähren wurde für mich zu einem Marathonlauf.

Ich war frustriert, war sauer auf unseren Staat dem es ja eigentlich so gut geht. Die WHO empfiehlt ein Baby mindestens sechs Monate lang zu stillen, wieso zum Teufel hab ich dann nur 14 Wochen Zeit um mit meinen Brüsten bei ihm zu sein???

Meine Arbeitstage konnte ich auch nicht geniessen. Alle drei vier Stunden verkroch ich mich in unsere Büroecke um abzupumpen. Meine lieben Arbeitskollegen waren jedes Mal total verlegen, wenn sie irgend etwas aus dem Büro holen mussten, wenn das PumpMonster mit den vielen Schläuchen dort sass. Ich wollte nicht auf dem Klo abpumpen, ich fand das ziemlich unhygienisch und irgendwie sehr demütigend. Ich hab das genau einmal gemacht, als ich für eine Vorlesung in die Uni Bern musste. Ich hab auf dem Klo geweint. Minuten zuvor stehst du vor 30 Studenten liebe Tanja, bist die coole Mama, die erst gerade geboren hat und alles im Griff hat und jetzt, jetzt hockst du auf dem Klo mit deiner Pumpmaschine und lässt dir die Milch aus den Brüsten ziehn, obwohl du bequem zu Hause sein könntest mit deinem Baby auf dem Arm und eure Zweisamkeit geniessen würdest. Das war ein Wendepunkt. Es ging aber trotzdem noch ein Weilchen bis ich die „Karriere“ wie sie damals war an den Nagel hing.

Mein Baby hat den Stress wohl mit gekriegt. Und dem Ganzen ein Ende gesetzt. Mein Sohn wollte meine Milch aus der Flasche nicht mehr trinken. Aus meiner Brust hat er getrunken, voller Leidenschaft, aber kaum war meine Milch in der Flasche, wollte er davon nichts mehr wissen. Das Pendent aus Pulver hat er aus der Flasche getrunken. Also haben wir unserem Sohn PreMilch in der Flasche verfüttert und wenn ich anwesend war, hab ich ihn gestillt. War ich weg, hab ich abgepumpt und die Milch weggeschossen (ich hätte jedes Mal weinen können). Leider wurde meine Milch ziemlich schnell weniger, weil das Appumpen nicht so effektiv war wie wenn mein Sohn an meinen Brüsten gesogen hätte. So hatte ich ziemlich schnell nicht mehr genug Milch um ihn zu nähren und wir haben gänzlich auf Pulver umgestellt.

Damals hab ich diesen Umstand nicht gewertet, ich hatte vier Monate lang mein Kind gestillt und war stolz darauf, dass meine kleinen Brüste das geschafft haben. Ich war stolz, Beruf und MamiSein unter einen Hut zu bringen trotz dem grossen Abpumpstress am Anfang. Heute denke ich ganz anders darüber. Und heute, bei unserem dritten Kind bleibt die Pumpmaschine im dunklen Kämmerchen, die Mama zu Hause oder das Baby kommt mit. 

Isabel Falconer von magna-mater.de schreibt in ihrem Beitrag zu dieser Blogparade über das Stillen für den Weltfrieden, schaut doch in diesem Beitrag auch mal rein!

 

 

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