Die liebe Sonja in ihrer besonderen Welt hat zur Blogparade aufgerufen. Sie fragt in die Runde, ob man heute noch einfach nur Hausfrau sein darf. Ich nehme die Parade als Anlass von meiner Metamorphose vom ZahntechnikFreak hin zum CEO der Firma Suppiger zu berichten.

Ich bin ganz ehrlich: ich liebe meinen Beruf. Mein Herz schlägt für Zahntechnik. Wenn ich mich heute wieder mal in Ruhe hin setzen kann und eine Prothese aufstell, dann hat das für mich schon was meditatives. Und trotzdem bin ich schwer dabei, diesen Teil von meinem Leben los zu lassen. Aber fangen wir mal von vorne an:

Ich wollte immer zu den besten gehören. Ich hab die Meisterschule besucht, das hat mich viel Zeit und viel Geld, genauer gesagt 50000.- gekostet. Vielleicht gerade deshalb war es lange Zeit  mein Plan, ein eigenes Labor zu eröffnen. Ich war ehrgeizig, wollte es der Welt zeigen und richtig, richtig guuuuut sein. Ich hatte Bock darauf, mich in der Männerwelt zu behaupten, genau so taff zu sein wie ein Mann oder besser und da hatten halt einfach Kinder keinen Platz. Weil Männer nicht schwanger werden. Weil Männer nicht gebären. Weil Männer arbeiten. Sie machen Karriere und bringen es zu etwas. Sie verdienen viel Geld. Das wollte ich alles auch. Mindestens 10000.- pro Monat wollte ich. Meine Vision, darauf legte ich meinen Fokus. Es sollte nie dazu kommen.

Ich gehör zu der Sorte Mensch alles oder nix. Als ich noch rauchte, rauchte ich immer gleich die ganze Packung. Ich bewunderte Menschen, die nur am Wochenende oder ein Zigarettchen am Tag rauchen konnten. Ich konnte das nicht. Ich war mir sicher, wenn ich Kinder hätte, könnte ich nicht ein Labor führen, weil irgend eine Partei darunter leiden würde. Also entschied ich mich erstmal für meinen Job, das ZahntechnikerLeben und gegen die Kinder.

Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich meinem Mann damals vor die Wahl gestellt hatte: Entweder ein Leben mit mir, ohne Kinder, oder dann eins ohne mich, mit einer anderen Frau, die auch gerne Familie hätte. Zum Glück hat er mich damals nicht gleich verlassen um mit einer anderen Kinder zu machen, hihi  😉 (Schatz dafür bin ich dir heute noch dankbar)

Naja. Mit dem eigenen Labor hat es nicht geklappt (zu lange Geschichte). Ich hab dann meinen Job gewechselt und bin in die Industrie gegangen. Ich hab für eine Firma gearbeitet, die Zähne und Kunststoff für die Herstellung von Prothesen verkauft. Ich bin dabei extrem viel rum gekommen. Das war toll. Ich hab die lustigsten Menschen getroffen, die schregsten Geschichten erlebt. Ich bin quer durch Europa gereist. Ich hab Kurse gegeben, Kunden beraten und war mit Händlern im Ausland unterwegs. Auch diesen Job hab ich geliebt. Ich weiss noch, als ich das erste mal im Flugzeug sass auf dem Weg nach Belgien musste ich vor Freude heulen, weil ich das Ganze einfach nur so geil fand! Doch während man oft so auf Achse ist, hat man auch ziemlich viel Zeit um nachzudenken. Das Leben ist sehr spannend so, aber auch einsam. In dieser Einsamkeit schlich sich dann immer wieder dieser KinderWunschGedanke in mein Hirn. Vom Hirn wanderte er dann ins Herz und wurde mit jedem Gedanken grösser.

An einem kühlen Novemberabend fand ich mich dann in einer Klinik wieder, im Spitalbett meiner besten Freundin, die zwei Tage zuvor ihren Sohn geboren hatte. Es war magisch. Wir kuschelten beide mit diesem winzigen, perfekten Baby. Es war ein Moment der „ins Herz eingebrannten“ Sorte. Ich sah meine Freundin plötzlich mit ganz anderen Augen. Aus der BusinessWoman ist eine Mama geboren. Das hat mich sehr berührt, sie so zu sehen, mit diesem wunderschönen Baby im Arm. Wow!

Ich wusste schlagartig: Ja ich will auch! Das war einer meiner WendePunkte!

Dass es noch ganze zwei Jahre dauern würde, bis ich mein Baby in den Armen halten würde, das hät ich nie gedacht!

Ich gehörte nicht zu den Frauen, die schnell schwanger wurden. Und ich fand die Kinderwunschzeit sehr zermürbend. Denn genau das passte nicht zu meinem schwarz weiss, alles oder nichts Denken. Ich hing lange Zeit im Luftleeren Raum, machte ein auf und ab zwischen Enttäuschung, Hoffnung und Vorfreude mit. Nach sieben Monaten war ich dann zum ersten Mal schwanger. Leider endete diese Schwangerschaft in der 14. Woche in einer Fehlgeburt. Das war eine Faust ins Gesicht. Und wieder ein WendePunkt. Es konnte so nicht weiter gehen. Mein Job auf Achse passte nicht mehr zu meinem Plan. 

Also hab ich mir eine Arbeit gesucht, die ich auch als Mama ausüben könnte. Es ging nicht lange, und ich hatte einen Job in einer Filiale von einem Grosslabor als Geschäftsleiterin. Wow. Ein toller Job. Ich war mein eigener Chef. Konnte machen was ich wollte, und so ging mein ZahntechnikerHerz wieder auf. Über meinen Kinderwunsch wussten auch alle bescheid und naja, was soll ich sagen, ich hab den Job in der 14. Schwangerschaftswoche angetreten (obwohl ich eigentlich nicht schon in der Probezeit schwanger sein wollte, aber Kinder kommen wann sie wollen, das musste ich lernen). Irgendwie war es für mich Ironie pur: jetzt, wo ich mich für ein Kind und gegen die Karriere entschieden hab hatte ich einen so tollen Job, war Selbständig und ich hab dieses halbe Jahr geliebt! Ich wusste von anfang an, dass ich dieses Leben sehr bald dann wieder abgeben werden muss. Ich arbeitete teilweise 120%, bis eine Woche vor der Geburt und es war völlig ok für mich. (Genau DAS würde ich heute nie nie nieeeeee mehr tun!!!!)

Mir war damals klar: ich werde immer arbeiten, ich werde nie zu einer Mutter, die „nur“ zu Hause sitzt. Unser Traum ist es heute noch, dass mein Mann und ich je zu 60% arbeiten und uns die Kinderbetreuung, das Geld verdienen und den Haushalt teilen. Die Realität sieht bei uns im Moment ziemlich anders aus. Weil Männer bei uns in der Schweiz sehr schlecht teilzeit arbeiten können. Weil Männer hier immer noch im Schnitt 25% mehr verdienen als Frauen. Und weil in einer Familie jeder Rappen zählt.

Nach der Geburt von meinem Sohn habe ich in einem 60% Pensum gearbeitet. Ich fand mich nach 14 Wochen Mutterschaftsurlaub wieder im Labor, mein Kind wurde zwei Tage in einer KiTa versorgt und einen Tag hat der Papa mit ihm verbracht. Das war ok so. Aber auch nicht mehr. Denn mit einem Kind wird auch eine Mutter geboren. Ein neues MamaLeben beginnt. Muttergefühle kommen auf. Das wohl mächtigste Gefühl das ich bis jetzt erleben darf. Die Welt ist eine andere, viele Perspektiven verschieben sich. Und da ich nicht mehr zu 100% im Labor war, hat sich auch meine Arbeit verändert. Ich war nicht mehr mit dem daily business vertraut, konnte keine grossen Arbeiten mehr machen und war darauf angewiesen, dass meine Kollegen für mich gewisse Vorarbeiten machten. Hatte das Kind Fieber und konnte nicht in die KiTa, hab ich es mit genommen zur Arbeit. Ich hielt Vorlesungen vor Studenten an der Universität in Bern und in der Pause verkroch ich mich in der Toilette um meine prallen Brüste abzupumpen. Ich redete mir damals ein, dass ich total cool bin, das alles unter einen Hut zu bringen. Heute finde ich, dass ich total doof gehandelt hab. Alles andere als cool.

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Einen Monat nachdem ich wieder gearbeitet habe war ich wieder schwanger mit meinem zweiten Kind. Wieder arbeitete ich bis zwei Wochen vor der Geburt durch, und ich war mir sicher, dass ich auch mit zwei Kindern nicht die ganze Woche zu Hause sitzen möchte. Ich entschied mich dafür wieder nach 14 Wochen Mutterschaftsurlaub, 40% zu arbeiten, mein Mann betreute die Kinder einen Tag, am anderen Tag waren sie in der KiTa (die übrigens extrem toll war!)

Es passierte etwas komisches: Mit dem zweiten Kind bin ich nochmals zur Mutter geboren ich war DoppelMama. Das arbeiten rutschte in der Prioritätenliste noch weiter nach hinten. Das ewige Abpumpen im Geschäft hat mich nur noch angekackt, an manchen Tagen, wenn etwas nicht so toll lief verliess mich mein Ehrgeiz und stattdessen schlichen Gedanken in meinen Kopf, dass ich den Tag besser mit meinen Kindern verbringen könnte. Finanziell zahlte sich mein Job auch nicht mehr aus. Die Kosten der KiTa, und das, was mein Mann weniger verdiente weil er nur 80% arbeitete hoben meinen Lohn auf. Meine Arbeit wurde also nur noch zu einer Beschäftigung, einem Hobby für mich. Ein Hobby sollte in erster Linie Spass machen. Das tat es aber überhaupt nicht mehr. 

Es waren einige Faktoren, die zusammen gekommen sind, die mich dazu bewegt haben, den Job im Labor ende 2014 zu kündigen. Mein Mann arbeitete Wochen weise weit weg von uns und kam am Abend nicht heim, ich war so zu sagen allein erziehend. Wir hatten sein Elternhaus gekauft und fast den ganzen Innenausbau machten wir selber, der ganze Umzug, das Einpacken in Kisten war mein Job. Aber das, was der grösste Auslöser war für meine Kündigung war das Gefühl, dass ich nirgens so richtig zu Hause war: Ich konnte meinen Job nicht richtig machen und für die Kinder war ich auch zwei Tage nicht richtig da. Irgend etwas hat immer gelitten. Entweder der Job, oder die Kinder. Dieses Gefühl machte mich wahnsinnig. Wie schon gesagt: ich rauche gerne das ganze Päckchen und gib mich nicht nur mit einer Zigarette zwischendurch zufrieden. (Zum Glück rauch ich nicht mehr).

Mir wurde bewusst, wie gern ich Mama bin, wie schnell die Zeit davon rennt mit Kindern. Mir wurde bewusst, dass jeder Augenblick zählt und dass meine Kinder mich voll und ganz haben möchten. Präsent. Für sie da. Authentisch. Meine Arbeit im Aussen hat mich zu sehr gestresst, mich zu sehr von mir selber entfernt. Sie passte nicht mehr in mein Leben.

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Erinnerung an schöne LaborZeiten

 

Mein Mann vergleicht unsere Familie gerne auch mit einer Firma. Wir sind die Firma Suppiger und ich bin der CEO dieser Firma. Er findet, dass es jedem hier gut gehen sollte. Und dass ich, wenn ich etwas arbeite, etwas tun soll, dass mir Spass bereitet, egal, ob ich damit Geld verdiene oder nicht. Letztes Jahr haben wir dann entschieden, in der Firma noch etwas zu expandieren und so kam vor neun Wochen unser jüngstes Mitglied auf die Welt. Und wieder wurde nicht nur ein Kind, sondern nochmals eine Mama geboren. Eine DreifachMama. Wenn ich unsere Familie als Firma betrachte finde ich, darf frau heute noch Hausfrau sein. Weil es nichts wichtigeres gibt als unsere Familie. Und wenn für uns diese Option so wie sie ist die beste Alternative ist, dann ist sie ok so. Wie es in ein paar Jahren aussehen wird, das steht in den Sternen. Dann schauen wir mal weiter.

Ich kann nicht nichts tun, ich bin ein kreativer Mensch und ich muss mit den Händen arbeiten können. Seit ich nicht mehr als Zahntechnikerin regelmässig arbeite hab ich wieder mehr Zeit für mein HerzKunstWerk, für meine Karten und Bilder und Basteleien. Seit Januar von diesem Jahr ist noch HerzBauchWerk dazu gestossen und ich hab entdeckt, dasss mir schreiben extrem viel Spass macht. Ich hab entdeckt, dass ich extrem gerne schwangere Frauen und Mamas begleiten möchte. Ich kann mein Business sehr gut einteilen, schreiben und malen tu ich morgens in der Früh, um 4 Uhr beginnt mein Tag, dann wenn alle schlafen. Dann bin ich für mich kreativ. Dann mach ich MEIN Business. Und es macht total Spass. Ich hab so viel neues gelernt im letzten halben Jahr, hab tolle Menschen kennen gelernt durch das Bloggen.

Das ZahntechnikerLeben ist etwas in den Hintergrund gerückt und doch hab ich noch zwei drei kleine Jobs die mit Zähnen zu tun haben. Ich bin Präsidentin von Schweizerischen Arbeitnehmer Verband der Zahntechniker, in der Qualitätssicherungskommision der Meisterschule und als Prüfungsexpertin tätig. Ab und an geb ich an Berufsschulen noch Kurse für die Azubis. So sieht man mich heute manchmal an Sitzungen mit Baby. Weil ich stille. Weil ich keinen Bock hab auf abpumpen. Und weil ich jetzt in der Firma Suppiger arbeite und die in der Prioritätenliste zu oberst steht.

Lassen wir doch einfach jede Mama selbst ihre PrioritätenListe führen. Für die einen ist die FamilienFirma an oberster Stelle, andere Frauen brauchen einen Ausgleich im Leben in Form von einem Job ausserhalb. Das ist auch gut so. Beides hat absolut seine Berechtigung.

 

 

 

 

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