Zwischen quängelnden Kindern, einer gefühlten 1000 Kilometer langen ToDo Liste und zu wenig Stunden, die der Tag nun mal hat ist es ziemlich schwer präsent zu sein. Wie ich es trotzdem versuche, kleine PräsenzInseln einzubauen und wieso Präsenz denn so wichtig ist für mehr Achtsamkeit im MamaChaos, das möchte ich in diesem Teil meiner BlogReihe verraten.

Präsenz bedeutet im Hier und Jetzt zu sein. Nichts anderes. Scheint ja nicht wirklich schwierig zu sein. Hier und Jetzt. Hier und Jetzt gibt es nichts, das vergangen ist und nichts, das noch sein wird. Wir schöpfen im Hier und Jetzt aus dem Augenblick. Uns beeinflusst im Hier und Jetzt weder die Vergangenheit noch die Zukunft, wir lösen uns in diesem Augenblick aus unseren Verstrickungen und Glaubenssätzen und sind in unserer Mitte, bei uns. Wir konzentrieren uns auf den Moment, auf das, was gerade geschieht, auf nichts anderes.Was zählt sind dann nur wir und unser Gegenüber. Wir sind verbunden mit uns, unserem Bauchgefühl, verwurzelt, eben präsent und authentisch. Wir begegnen der Welt ganz wertfrei.

Menschen, die in ihrer Präsenz sind sind sehr authentisch und charismatisch

Es gibt diese besonderen Menschen, die Menschen in deren Augen man schaut und das Gefühl hat, man sieht in die Unendlichkeit. Menschen, die ganz klar und wahr sind, die sich im Hier und Jetzt bewegen, ganz da für dich und für sich sind. Sie strahlen eine Ruhe und Sicherheit aus, sie haben eine starke, charismatische Ausstrahlung. Wenn sie mit dir reden, dann sind sie voll und ganz da für dich, es scheint, als zähle nichts anderes. Nur du und sie. Du fühlst dich bei ihnen aufgehoben, verstanden, vertraut. Sie scheinen mit dem universellen verbunden. Sie bewegen sich in einem Raum, in dem das Vergangene vergessen und das Zukünftige nicht relevant ist.

Präsenz entsteht in einem Moment der Konzentration.

Wenn wir uns konzentrieren, dann ist unser Geist wach. Wir sind bei uns, strecken unsere Fühler aus und schalten auf Empfang. In der Präsenz geht es darum, die Fühler auf das zu justieren, was hinter dem Augenblick entsteht. Wir fühlen das, was jenseits von gestern und morgen, hinter dem Haushaltschaos und den quängelnden Kindern verborgen liegt. Ich gebe es zu, es kann ziemlich schwierig sein, diese ganzen Filter zu umgehen und ins Hier und Jetzt zu kommen, aber sind wir mal da angekommen, können wir die Situation ganz neu bewerten. Wir werden gelassen.

Das Tor zur Konzentration ist unser Inneres.

Durch unseren bewussten Atem können wir in unsere Mitte kommen. Atem ist für uns so etwas essenzielles nur wir atmen zu 99,9% den ganzen Tag sehr unbewusst. Ein bewusster Atem kann Berge versetzen, dass können mir die Mütter bestätigen, die ihren Atem für eine kraftvolle, selbstbestimmte Geburt bewusst eingesetzt haben.

Wenn mir alles zu viel wird, ich von allen Seiten abgelenkt bin und merke, dass ich nervös, gereizt und unausstehlich werde, atme ich bewusst einige Male tief in mich hinein. Ich konzentriere mich darauf, wie der Atem meine Lungen füllt und sie wieder verlässt. Ich versuche dann meine Gedanken los zu lassen und versuche in mich hinein zu spüren.

Ich versuche alles, was noch zu tun und zu erledigen ist beiseite zu schieben. Es ist gerade nicht relevant. Ich versuche die Kinder Kinder sein zu lassen und gehe in mich. Versuche, mich zu spüren. Was fühle ich? Was will mir dieses Gefühl sagen? Will ich es los lassen? Kann ich es ziehen lassen? Oder brauche ich im Moment dieses Drama, um irendwas zu spüren? Halte ich daran fest, um mich zu spüren?

Ich versuche mich aus einer beobachtenden Position wahr zu nehmen, ganz ohne Wertung. Ach, Tanja, jetzt stehst du da, ganz gestresst und wütend. Weshalb? Willst du diesen Stress und diese Wut wirklich den ganzen Tag mit dir rum tragen, wie eine dunkle Wolke, die dich begleitet? Diese Emotionen gehören nicht zu dir, sie sind nicht du. Du darfst sie bewusst ziehen lassen.

Wir sind nicht unsere Emotionen. Bei kleinen Kinder können wir das sehr schön beobachten. Haben sie einen Wutanfall, werden sie von ihren Emotionen überrollt. Manchmal fällt es ihnen enorm schwer, wieder da raus zu kommen, irgendwann mal wissen sie gar nicht mehr, weshalb sie heulen. Diese WutWolke scheint sie total in Anspruch genommen zu haben. So ist es bei uns auch. In abgeschwächter Form, es ist uns nicht bewusst. Der Stress nimmt uns ein. Vielfach werden diese Emotionen durch Glaubenssätze ausgelöst wie zum Beispiel: „wie gestresst musst du sein, mit drei Kindern, schaffst du das? Ich weiss nicht wie du das machst!“ Wenn ich solche Sätze hör, dann atme ich kurz tief, spür in mich hinein und frage mich, ob ich wirklich gestresst sein will. Die Antwort ist meistens nein! 

Präsente Mamas haut so schnell nichts um! 

Und um präsent zu sein müssen wir nicht stundenlang meditieren. Wir müssen nur bei uns sein. Wir müssen unser HerzBauchWerk aktivieren. Herz und Bauch sagen nämlich schon, was im Moment gerade richtig und was falsch ist. Und das was zählt, ist der Moment. Aus ihm entsteht die Zukunft, er hinterlässt die Vergangenheit. Den Moment können wir beeinflussen. Das was war und das was noch kommen wird, das ist geschehen oder steht noch in den Sternen. Deshalb versuch ich immer ganz da zu sein. Für meine Kinder. Für mich. Denn nur wenn ich bei mir bin, kann ich auch voll und ganz für andere da sein. Das hat nichts mit Egoismus zu tun. Wir spüren uns, können uns in unsere Kinder einfühlen und nehmen wahr, was wir brauchen. Wir nehmen wahr, was unsere Kinder brauchen. Und scheinen sie mal am Rad zu drehen, weil eine WutWolke sie vereinnahmt, dann wissen wir, dass diese Wolke nicht unser Kind ist. Es ist die Emotion, die es im Griff hat. Sind wir dann bei uns und können uns von der Wolke abgrenzen, lernt auch unser Kind mit der Zeit, dass es sich von schlechten Emotionen abgrenzen kann. Es weiss, ich bin nicht die Wut. Es lernt die Wolke ziehen zu lassen. Ist mir das nicht bewusst, dann lass ich mich im schlimmsten Fall von der WutWolke der anderen mit reissen. Dann bin ich alles andere als nicht bei mir. (Keine Angst, das passiert auch mir heute immer noch!)

IMG_1426

Ich schweb lieber über der Wolke als dass ich mich von ihr mitreissen lass…

Im Übrigen sind Kinder sehr anfällig auf die Wolken der anderen, es scheint mir, als hätten sie einen WolkenRadarBlick. Sie können sehr schnell auch meine SchlechteLauneWolke übernehmen. Dann kummulieren sich so einige Wolken und es gibt irgendwann mal ein unglaubliches DonnerGewitter, wenn wir sie nicht frühzeitig ziehen lassen.

Präsenz unter der Geburt ist etwas ganz wunderbares. 

Ich möchte ganz kurz noch darauf eingehen, wie wichtig es ist, unter der Geburt präsent zu sein. Ich habe manchmal das Gefühl, dass viele Frauen angst davor haben, die Geburt präsent zu erleben. Viele sagen mir schon in der Schwangerschaft, dass sie froh sind, wenn sie doch nur endlich die Geburt hinter sich haben (Hallo Zukunft). Oder dass frau da durch muss. Und ist dann alles vorbei, hat frau ja den Schmerz vergessen (Hallo Vergangenheit).

Ich habe mir die Erlaubnis gegeben, meine Geburten ganz präsent zu erleben. In einer WehenPause war ich in der Pause. Im Wehenfreien, ruhigen Zustand. Ich dachte weder an die letzte Wehe, noch an die nächste, die kommen wird. Ich hab mir nie Gedanken darüber gemacht, wie viele wohl noch kommen werden oder wie lange die Geburt noch dauern wird. Ich war da. In jeder Pause atmete ich in mich, bewusst. Ich atmete zu meinem Kind, spürte es, spürte mich. Und wenn wieder eine Wehe kam war ich auch bei ihr, ich liess sie durch meinen Körper gehen, ich hielt sie nicht fest. Ich war im Flow. Da war kein Widerstand. Da war keine Angst- Stress- Schmerz- oder GlaubenssatzWolke die die Wehe festhalten konnte. Da war nur ich und mein Kind. Und mein Mann. Es gibt viele Hilfsmittel, die uns unter der Geburt wieder ins Hier und Jetzt holen können. Das kann ein Duftstoff, eine Berührung, ein Lied oder ein Mantra sein. Sie sind alle Anker, die uns wieder zu uns holen. In meinem Fall war es in der letzten Geburt ein Mantra, das ich sang. Es hat mich immer und immer wieder zu mir geholt, in meine Kraft. Es liess mich ganz wahr und klar und authentisch sein. Unter der Geburt. Ich konnte jede Wehe annehmen, mit ihr mit gehen, auf ihr reiten wie auf einer Welle und sie wieder ziehen lassen. Stück für Stück ging ich weiter, bis zu dem Augenblick, in dem meine Tochter geboren wurde.

Selbstbestimmt, bewusst und lustvoll gebären funktioniert. Wenn wir präsent sind. Wenn wir da sind, in unserer Mitte. Uns nicht von irgendwelchen Wolken mitreissen lassen, und diese Präsenz nicht von der Angst vor Schmerzen und dem Unbewussten nehmen lassen.

Genau diesen Flow können wir mitnehmen in unser MamaLeben. Wir dürfen uns erlauben, bei uns zu sein, uns mit unseren Kindern zu verbinden, dürfen uns erlauben, dem Herz und dem Bauch eine Stimme zu geben, ihnen zu vertrauen, denn sie wissen, was gut ist für uns. Was uns in unsere Mitte bringt. Wir brauchen keine Informations- GuteRatschläge- oder StressWolken die uns ins Nirgendwo mitreissen.

 

 

 

Share This
HerzBauchWerk Newsletter

HerzBauchWerk Newsletter

Ja, ich möchte mich von HerzBauchWerk per Mail inspirieren lassen!

Du hast dich erfolgreich angemeldet!