Sie sind ganz tief in unseren Hirnen verwurzelt, können sich breit machen wie unliebsames Unkraut und manche von ihnen können uns über Jahre, ja sogar das Leben lang beeinflussen und limitieren:

unsere Glaubenssätze.

Zu diesem Artikel wurde ich inspiriert als ich gerade dabei war, in unserem Garten zu jäten. Ehrlich gesagt mag ich diese Arbeit gar nicht. Unkraut ist etwas, das mich unglaublich fest aufregt. Es ist etwas so super Unnötiges, es scheint bei uns manchmal über Nacht im ExpressTempo zu wachsen. Plötzlich ist es da. Lange Zeit sieht der Garten ok aus, aber dann, plötzlich, wacht man auf und erkennt überall diese ungebetenen Pflanzen, die, so wie es scheint, die Überhand in unserem Garten nehmen wollen.

Hab ich mich dann zur Gartenarbeit motivieren können, dauert es jeweils eine gefühlte Ewigkeit bis ich ihn wieder vom Unkraut befreit hab. Ich muss noch dazu sagen, dass wir einen NaturGarten haben. Was für viele Aussenstehende als Unkraut erscheint, ist für uns eine wichtige Pflanze im System. Deshalb ist es für mich auch immer schwieriger zu unterscheiden, welche Pflanze jetzt wichtig für unseren Garten ist, und von welcher wir uns verabschieden können.

Eines ist aber Gartenarbeit immer: sie ist sehr erdend, lässt mich Wurzeln spüren und oft komme ich dabei schon fast in einen meditativen Zustand. Letztens, als ich so beim Unkraut zupfen war, hatte ich einige wichtige Erkenntnisse über Glaubenssätze dabei gewonnen. Darüber möchte ich in diesem Text berichten.

1. Erkenntnis: Wir brauchen negative Glaubenssätze im Leben so wenig wie wir Unkraut in unserem Garten brauchen.

An und für sich sind Glaubenssätze eigentlich nichts schlimmes, sie gehören zu unserem Leben dazu. Sie beeinflussen uns. Von klein auf. Wir werden von Eltern erzogen, die auch schon von vielen Glaubensmustern beeinflusst sind, die auch schon von Eltern in Glaubensmustern erzogen wurden. So geben wir unsere Kultur, unsere Werte und unsere Überzeugungen von Generation zu Generation weiter.

Ständig werden wir beeinflusst vom Aussen, ob wir das wollen oder nicht. Vom ersten Atemzug an werden wir von Glaubenssätzen voll gespickt. Sie machen ein Stück weit unsere Persönlichkeit aus. Es gibt einfach einen kleinen Haken: es gibt positive und negative Glaubenssätze. Wenn ich von Glaubenssätzen in diesem Artikel schreib dann mein ich die negativen, die, die uns limitieren und nicht zu uns gehören.

Es gibt Glaubenssätze die zu uns gehören, solche, die uns weiter bringen, die wir brauchen zum Überleben  und es gibt solche, die wir einfach so übernommen haben, weil wir nur diese kennen, uns noch nie Gedanken darüber gemacht haben, ob wir sie brauchen, oder ob sie sogar zu uns passen. Wir haben es nie gewagt, den jeweiligen Glaubenssatz in Frage zu stellen oder neu zu formulieren, weil wir ihn blind als Wahrheit übernommen haben.

Vielleicht sollten wir uns öfter mal fragen, ob eine Überzeugung, die wir in uns tragen, einfach so übernommen haben, ob sie für uns wirklich wahr ist, ob sie uns etwas bringt oder ob wir sie einfach, ohne uns selber zu fragen übernommen haben und als wahr gelten lassen.

2. Erkenntnis: Erst wenn wir die Glaubenssätze als solche erkennen, können wir sie auch ausmerzen. 

Manche negativen Konditionen können wir sehr lange Zeit nicht erkennen. Wenn zum Beispiel unser Umfeld denselben kollektiven Glaubenssatz in sich trägt wie wir, dann kann sich dieser in ganz vielen Menschen verstecken und sich ungehindert ausbreiten. Wenn mir zum Beispiel meine Kinder im Garten helfen, dann zupfen sie auch die nützlichen Pflanzen aus, weil ihnen der Unterschied zwischen Unkraut und „guter“ Pflanze noch nicht bewusst ist.

Wenn wir also einen Glaubenssatz nicht erkennen können, können wir ihn auch nicht aus unserem System ausreissen.

Viele Glaubenssätze haben das erkannt und sind Meister der Tarnung geworden. Sie sind schon wie Parasiten und haben ihren Hirt (also uns) total im Griff. So fest sogar, dass manche von uns sie voll und ganz verteidigen. Das wiederum lässt die anderen, die eigentlich den Parasiten erkennen und los werden möchten, oft daran zweifeln, ob es nicht doch ok ist mit diesem Blutsauger durch die Gegend zu laufen. Sie bekommen Angst davor, sich von ihm zu befreien.

Ein kleines Beispiel dafür ist der Glaubenssatz: „im Krankenhaus zu gebären ist viel sicherer als eine Geburt im Geburtshaus oder eine Hausgeburt“ Dieser Satz hat sich wirklich in sehr vielen Köpfen eingebrannt. Wenn er sehr viel Macht über einen hat, dann kann an ihm nicht gewackelt werden, dann ist er für die jeweilige Person Wahrheit, wird zur Realität. Dann ist das auch ok so. Denn wenn jemand, der davon absolut überzogen ist und dann im Krankenhaus gebärt, ist das für diese Person die beste Entscheidung, unabhängig davon, ob die Geburt toll oder nicht so toll war, im Geburtshaus oder zu Hause wäre es dann ja nur noch viel schlimmer gewesen, wären noch grössere Komplikationen aufgetreten, hätte man nicht so schnell eingreifen können.

Wenn ich jetzt aber ein bisschen an diesem Satz zweifle, dann steht er schon auf wackeligeren Beinen, oder wenn ich es jetzt mit dem Unkraut vergleichen würde, ragen seine Wurzeln nicht mehr so tief in den Boden, und ich erkenne die Pflanze als einen ungebetenen Gast. Kurz: ich kann sie ausreissen. Ich zupf jetzt also ein wenig an einer Pflanze, die vielleicht für jemand anderes als absolut erhaltenswürdig gilt. Da steht zum Beispiel eine gute Freundin neben mir während ich an der Pflanze zupfe und sie schreit plötzlich: „Neiiiin, nicht die Krankenhauspflanze, die ist wichtig, die brauchst du doch noch! Was soll denn Anderes in deinem Garten wachsen? Die andern Pflanzen sind viel zu unberechenbar!“

Es geht nicht lange, und wir kommen in einen Konflikt. Entweder denke ich mir jetzt, dass ich falsch lag und die Pflanze doch kein Unkraut ist und ich lass sie in meinem Garten weiter wachsen mit der Gefahr, dass sie Überhand und das Kommando übernimmt, oder ich mach meinem Gegenüber klar, dass ICH entscheide, was ich in meinem Garten wachsen lasse und was nicht.

Ich zupf die Pflanze also aus und mach Platz für eine neue.

Das wiederum könnte in meinem Gartenbesucher Panik auslösen, weil ich seine heiss geliebte Pflanze nicht mehr giesse, in meinem Garten existiert sie nicht mehr. So lange, bis an der Zupfstelle ein Loch besteht und noch keine neue Pflanze darin gewachsen ist, solange versucht meine Freundin vielleicht mich wieder davon zu überzeugen, die Lücke mit seiner Pflanze zu füllen. Oder vielleicht nimmt es sie auch wunder, was wohl an der neuen Stelle wachsen wird. Und schwupps landen wir schon bei der

3. Erkenntnis: Mein Glaubenssatz ist nicht dein Glaubenssatz, und ICH entscheide, wie meine Wahrheit aussehen soll. 

Genau. ICH entscheide, welche Pflanze ich jetzt in dem Loch wachsen lasse, das entstanden ist.

Ich entscheide, wie sehr ich diese Pflanze hege und pflege.

Ich entscheide, ob dies eine wunderschöne Blume sein wird oder sogar ein riesengrosser Baum mit vielen saftigen Früchten dran und unglaublich tiefen Wurzeln.

Mein Garten ist nicht dein Garten. Und das ist auch gut so. Ich zum Beispiel liebe es biodivers. Wenn du auf englischen Rasen stehst, ok, dann will ich dir nicht rein reden. Dann haben wir beide einfach ziemlich verschiedene Vorstellungen von einem schönen Garten.

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4. Erkenntnis: Ich kann mich vor dem Unkraut schützen. 

Dafür muss ich wissen, was ich in meinem Garten wachsen lassen möchte und was nicht. So verhält es sich auch mit den Glaubenssätzen. Ich entscheide, an welche Konditionen ich mich halten möchte und an welche nicht, ich entscheide, wie meine Wahrheit aussehen soll. Dafür braucht es aber Klarheit, und die Absicht, in sich hinein zu fühlen und sein Herz zu fragen, was für einen selber richtig und was falsch ist.

Ich habe erkannt, dass ich auch mit meinen Glaubenssätzen ganz achtsam umgehen darf. Sie versetzen mich nicht mehr so sehr in Panik wie auch schon. Sie bestimmen mich nicht mehr. Wenn einer auftaucht, und ich nicht weiss, ob er mir gut tut oder nicht, versuche ich heraus zu finden, ob er in mein Gärtchen passt. Ich verbinde mich mit seiner Wahrheit, versuche in mich hinein zu fühlen und heraus zu finden, ob sie mit gut tut oder nicht, ob es wirklich auch meine Wahrheit ist, oder irgend eine Überzeugung vom Aussen.

5. Erkenntnis: Jäten kann sogar Spass machen! 

Oh ja, und wie! Viele Glaubenssätze durfte ich schon entlarven und aus meinem Gärtchen verbannen. Das macht unglaublich viel Spass, denn jeder negative Satz, welcher mir bewusst wird und den ich verschwinden lasse macht Platz für ein neues, wunderschönes Pflänzchen das in voller Pracht wächst und gedeiht.

6. Erkenntnis: Nur ich bestimme, was in meinem Garten wachsen soll, ich kreiere mir meine Wirklichkeit selbst, egal, was andere dazu meinen. 

Mein Garten muss dir nicht gefallen. Er soll mich tragen und sonst niemanden anders. Er soll so aussehen, dass ich mich wohl und frei fühle darin. Das ist die Meisterschaft. Und immer wieder, wenn eine neue kleine Pflanze in meinem Garten auftaucht beobachte ich, ob sie zu den guten Pflanzen gehört, die meinen Garten bereichert oder zum Unkraut, dass irgendwann mal überhand nimmt und mutiert. Dann ist für mich der Zeitpunkt wieder gekommen um die Spitzhacke aus dem Schuppen zu nehmen und zu jäten.

Ich gebe zu, jäten kann sehr anstrengend sein und Kräfte zehrend, aber die Lücke, die dadurch entsteht macht so viel Platz für neues, lässt mich unglaublich kreativ und stark werden. Glaubenssätze und limitierende Gedanken zu erkennen und aufzulösen ist für mich ein sehr wichtiger Teil im achtsamen MamaLeben.

Ich danke dem Unkraut in meinem Garten, das mich zu diesem Artikel inspiriert hat (anscheinend hat es doch seine Berechtigung).

 

 

 

 

 

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