Sie hat mich wieder mal heim gesucht, meine treue Freundinn, die immer wieder kehrende Migräne. Wie ich sie hasse. Doch die fast unerträglichen Kopfschmerzen, die ich die letzten Tage hatte haben auch ihre positibe Seite: sie haben mich zum philosophieren gebracht…

Die Auslöser

Sind meistens eine Kombination aus Verspannten Muskeln und zu vielen MistGedanken im Kopf. Mitten in der Nacht wach ich auf und denk daran, was ich alles am Morgen noch erledigen möchte, welche Termine ich ja nicht vergessen darf. Die Gedanken kreisen im Kopf, lassen mich nicht mehr einschlafen, lassen meinen Schmerz wachsen. Der Schmerz wird so gross, dass er meine Augen tränen lässt.  Und irgendwann, ja irgendwann wird er fast unerträglich. Dann kommt noch diese Übelkeit dazu, lässt mich den ganzen überflüssigen Mist raus kotzen.

Ich gib mich geschlagen

Der Schmerz hat mich übermannt, hat mich eingenommen, ich kann nicht mehr. Dann hilft nur noch eins: Ruhe. Dunkelheit. Schlaf. Jetzt kommt die Crux: Ruhe und Schlaf ist Mangelware in einem Leben mit drei Kindern. Sie brauchen mich, verstehen nicht, weshalb ich nicht mehr ansprechbar bin. Zum Glück gibt es da Menschen, die für mich da sind, schnell einspringen können und die Kinder betreuen, damit ich mich gesund schlafen kann. Meistens ist der Spuk nach dem Mittag dann vorbei. Aber bis dann hat mich dieser Schmerz im Griff. Und wie. Ich scheine dann fremd bestimmt zu sein. Nicht mehr ich zu sein. Ich mutiere zum MigräneZombie.

Gestern, als meine Gedanken angefangen haben zu kreisen ist mir folgendes bewusst geworden:

Lieber würde ich noch zehn Mal gebären, als dass ich mich dieser ScheissMigräne herumschlagen müsste.

Und so hatte ich wohl einen von diesen wertvollen Augenblicken der Erkenntnis.

Schmerz ist nicht gleich Schmerz

Mir wird immer wieder gesagt, dass es anscheinend nichts schlimmeres an Schmerzen gibt als eine Geburt. Heute muss ich über diesen Satz lachen. Nur: bevor ich mein erstes Kind geboren hab und für mich in meinem Leben der schlimmste Schmerz der MigräneSchmerz war, hab ich mich oft gefragt, ob es denn wirklich noch schlimmer gehe, und so war Geburt lange Zeit etwas ganz ganz schlimmes für mich.

Schmerz kann unsere Wahrnehmung trüben

Zu meinen besten MigräneZeiten kam es vor, dass ich 36 Stunden am Stück geschlaften(!) hab. Wenn mich eine Migräne so richtig attackiert hat, bin ich nicht mehr richtig ansprechbar, im Dilirium, komme mir vor wie ein Drogensüchtiger im DrogenHorrorRausch. Dass mein Nervenkostüm dann auf das Minimum reduziert oder gar nicht vorhanden ist brauche ich wohl nicht zu erwähnen.

Schmerzen werden in unserer Gesellschaft grundsätzlich bekämpft

Was machen wir, wenn wir unter Schmerzen leiden? Wir suchen nach einem Mittel, um sie wieder los zu werden. Und was ist das beste Mittel gegen den Schmerz? Genau, die Tablette! Von klein auf wird uns vorgelebt, dass es gegen jedes Wehwechen und Bobochen ein Medikament gibt, dass uns vor unserem Leid erlöst.Für jedes Problem gibts die richtige Lösung. Und dann sollte man ausgerechnet bei einer Geburt keine Medikamente in Anspruch nehmen? Bei dem Ereignis, dass zu den schmerzhaftesten gehört? (Geburt tut sogar so fest weh, dass es eine PDA braucht um sie schmerzfrei zu erleben)

Die Angst vor dem Schmerz ist Gift für unser Selbstbewusstsein

Bevor ich jemals geboren hatte war da diese Angst vor dem Geburtsschmerz. Wie um Himmels willen soll frau das Ganze nur ertragen? Wie soll ich das bloss jemals ertragen, wenn ich schon wegen dem bisschen Kopfweh flach liege? Ist mein Körper überhaupt in der Lage, ein Kind zu gebären oder werde ich kläglich scheitern?

Und so kam ich irgendwann mal auf Hypnobirthing. Hörte zum ersten Mal von Frauen, die schmerzfrei, extatisch geboren haben. Und ich wollte auch. Aber konnte ich? Ich, die nicht mal Herrin über ihre eigene Migräne wird?

Verspannung und Anspannung scheint den Schmerz regelrecht fest zu halten

Wer sich mit Hypnobirthing beschäftigt weiss, dass es dabei grundsätzlich darum geht, den Körper unter der Geburt in einen entspannten Zustand zu bringen und diesen zu halten, damit der Körper störungsfrei arbeiten kann. Angespannte Muskeln schmerzen. Auch unter der Geburt. Eine angespannte, verspannte Gebärmutter kann nicht störungsfrei arbeiten.

Es ist wie bei meinem Kopf. Ist der verspannt, angespannt, zugemüllt mit zu vielen Gedanken, dann tut er weh. Furchtbar weh. Die Anspannung kann nirgends hin fliessen, blockiert, schmerzt. Bis ich irgendwann zur Ruhe komme, entspannen und schlafen kann. Bis dahin nützt (bei mir) die beste Pille nichts.

Eine schmerzarme oder schmerzfreie Geburt ist kein Mythos

Ich habe vor meinen Geburten gelernt mich zu entspannen, habe gelernt, wie ich den Schmerz widerstandsfrei durch mich hindurch fliessen lassen kann. Meine Theorie: je weniger wir in den Widerstand gehen, desto weniger hat der Schmerz das Bedürfnis oder den Grund dazu, sich zu zeigen. Sind wir also offen für das, was kommen darf. Können wir uns ganz in den Prozess des Gebärens hin geben, angstfrei, entspannt, gibt es wohl auch keinen Grund dazu, überflüssige Schmerzen beim Gebären zu empfinden.

Meine Migräne tut immer dann am meisten weh, wenn ich sie am wenigsten will. Dann bin ich voll und ganz im Widerstand. Wer weiss, vielleicht schaff ich es irgendwann mal, sie genau so zu managen wie meine Geburten. Ich wünsch es mir.

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