So, heute oute ich mich. Das fällt mir so ziemlich schwer, denn für mich war lange lange Zeit alles was mit dem Weiblichen zu tun hatte spirituelle Esokacke. Ganz böse gesagt. Ich hab heute noch ab und zu eine gewisse Abneigung darin, in mir die Göttin zu erwecken (ich denk dann meistens ans Beine rasieren). Bis ich geboren und erfahren hab, welch ein Wunderwerk mein Körper ist.

Die schwachen Frauen

Diese mütterliche, beschützende, heilende Energie war für mich irgendwie nicht erstrebenswert. Mein Glaubenssatz, dass Frauen immer zum schwachen der beiden Geschlechter gehören werden war sehr sehr tief verankert. Und so kämpfte ich lange einen Kampf um Aufmerksamkeit, Macht, wollte mich in der männlichen Welt behaupten. Ich war der Meinung, dass MutterSein nicht erstrebenswert für mich wäre, denn ich würde alles aufgeben ALLES, nur um für nervende, kleine Kinder da zu sein, die mich selber vergessen und aufgeben lassen.

So versuchte ich mich in irgend eine Form zu zwängen, im Job erfolgreich zu sein, BusinessWoman zu werden, weil ich vordergründig dachte, ich wollte zu den starken gehören. Mir gefiel die Männerwelt viel besser. Die war einfach, strukturiert, klar, kämpferisch, mit einfachen Regeln.

Die Wahrheit war bitter: ich hatte Angst vor Kindern

Ja Kinder machten mir damals angst. Extrem viel angst. Ich fand sie lustig, spielte gerne mit ihnen, wenn mal eins sich zu mir verirrt hatte, aber sie machten mir angst. Denn sie erinnerten mich an meine Kindheit. Und daran wollte ich lange nicht erinnert werden. Weil ich sie nicht toll fand. Weil ich nicht in die Kiste gepasst hab, in die mich meine Erzieher stecken wollten. Weil ich nicht nach dem Plan von meinem Umfeld funktioniert hab. Das ist jetzt kein Vorwurf. Ich hab dich lieb Mama, ich weiss, dass du dein bestes getan hast und einfach neu anfangen wolltest, dein Glück leben wolltest. Aber in mir hat das Wunden hinterlassen, die ich zuerst heilen musste. Und auch dir, mein Vater, der du einfach eines Tages verschwunden bist mit Sack und Pack, auch dir hab ich verziehen. Weil du nicht anders konntest. Aber auch das musste ich zuerst verdauen. Durfte es lange Zeit nicht verdauen, weil es ein Tabuthema war.

Kinder sind einfach nur pur. Sie sind so wertfrei wie ein Mensch nur wertfrei sein kann. Das war mir schon sehr lange bewusst. Sie können in ganz widrigen Umständen überleben. Erst wenn sie älter werden und merken, was richtig und was falsch ist, spüren sie, dass da irgend etwas falsch gelaufen ist. So war das bei mir auch. Ich hasste lange lange Zeit dieses kleine Mädchen, dass ich mal war. Ich mochte als Erwachsene nicht die Kinderfotos anschauen, weil es mich an das verletzte, kleine Mädchen erinnerte, das irgendwie eine Schraube locker hatte. Ein Mädchen, das nirgends ins System passte, das keine Freunde hatte, das zu hause nach den Regeln spielen musste, so damit alles ins Einfamilienhäuschen Quartier passt.

Das Mädchen wurde gross. Und fing an zu rebellieren.

Ich hatte irgendwann mal keinen Bock mehr zu den Schwachen zu gehören und fing an, Gas zu geben. Im Job. Das war eine tolle Ablenkung. Endlich hab ich etwas erreicht. Ich konnte mit den starken Männern mithalten. Das kleine, schwache Mädchen war vergessen. Ich war streng zu mir, streng zu meinem Körper. Er durfte auf der Waage lange Zeit die 50 Kilogramm Marke nicht übersteigen. (OMG)

Bis sich dieses Gefühl von Leere breit machte.

Doch je mehr ich mich in die Arbeit stürzte, desto lauter wurde dieses kleine Mädchen in mir, das mir sagen wollte, dass es noch da ist, und endlich geheilt werden wollte. Dass es in den Arm genommen werden will. So angenommen werden will wie es ist. Es forderte mir viel Kraft und viel Energie. Und so traute ich mich, diesem Kind in die Augen zu schauen und es zu fragen, was falsch gelaufen ist. Ich hörte zu. Und so durfte vieles heilen. Wir verziehen einander. Verziehen denen, die uns weh getan haben, die nicht für uns da waren, die uns nicht gesehen haben, die uns verlassen haben.

Wir merkten, dass es an der Zeit war, Frieden zu schliessen mit dem was war. Wir erkannten ein Glaubensmuster nach dem anderen und uns wurde bewusst, dass das nicht zu uns gehört, dass wir es ganz einfach ablegen durften. Und so war ich irgendwann mal bereit, eigene Kinder in mein Leben einzuladen.

Einen Schritt weiter.

Das kleine Mädchen in mir drin wurde gross, wurde Mama. Und ich erfuhr zum ersten Mal, was MutterLiebe ist. Ein unbeschreibliches Gefühl, dass mich umgehauen hat. Ein Gefühl, dass mir gezeigt hat, dass FrauSein kraftvoll, wundervoll ist. Es hat mir gezeigt, dass wir wohl wirklich alle eine Göttin in uns haben, auch wenn wir unsere Beine nicht rasieren.

Und so fing ich an, das männliche, das mich lange Zeit dominiert hat los zu lassen. Ich hab vor vier Jahren neu gestartet. Mich neu erfunden. Ich durfte so vieles neues, schönes entstehen lassen. Wie zum Beispiel dieser Blog. Ich fing an, mich zu zeigen, meinen Träumen zu vertrauen. So wurde ich nicht nur Mama, sondern Künstlerin, Bloggerin, Autorin, spiritueller Coach. Wow. Da ist so viel in uns, wenn wir dem nur Raum geben. Das kleine Kind in uns anschauen, und es einfach mal zu Wort kommen lassen, hin hören, es trösten und annehmen, so wie es ist.

Morgen gehe ich noch einen Schritt weiter

Eine liebe Freundin hat mir von Miranda Gray und ihrem Wombblessing  erzählt. Und so werde ich morgen früh, bei Vollmond hinsetzen und meditieren. Ich werde zum ersten Mal meine Gebärmutter segnen. Ich staunte nicht schlecht, als ich die Meditation gestern las und sie erklärte, dass wir in unserem Schoss uns einen Baum vorstellen sollen, der seine Blätter in uns wachsen lässt, der seine Wurzeln schlägt. Ich erinnerte mich an meine Lebensbäume, die ich male. So wurde mir bewusst, wie passend diese Bäume doch sind, ja, wir machen unsere ersten Lebenserfahrungen in einer Gebärmutter, dort wird der Samen für unseren Lebensbaum gepflanzt. Ich freu mich auf morgen früh. Weil es an der Zeit ist, mal Danke zu sagen. Meinem Körper, dass er mir drei so wundervolle Kinder geschenkt hat. Meiner weiblichem Sein, dass ich erfahren darf, Mama und Frau zu sein.

BaumSarah

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