Da sass ich plötzlich um neun Uhr morgens in diesem Arbeiter Restaurant. Mit all meinen drei Kindern. Mutig (oder naiv), wie ich fand, aber mir blieb nichts anderes übrig, denn wir mussten 1,5 Stunden um die Ohren schlagen, da wir die Winterräder auf unserem Auto montieren liessen und die Warteschlange schon am Morgen früh beträchtlich lange war.

Einen Tisch weiter, neben uns sass eine hübsche BusinessLady mit ihrem Chef, das teure DeuxPiece sass wie angegossen, das Makeup war genau so perfekt wie ihre Haltung und die kühle Körpersprache. Es schien, als hätte die taffe Lady mit ihrem Chef eine wichtige Besprechung. Die beiden unterhielten sich ruhig, in einem ganz professionellem Umgang miteinander, so wie man das halt so eben tut, wenn man in einer derart hohen beruflichen Position ist wie die beiden.

Die junge Dame hat ihrem Chef von verschiedenen Bewerbern berichtet, die sich wahrscheinlich für einen Job in der Firma vorgestellt haben. (Ich fand den Ort, für diese Besprechung ziemlich fehl am Platz, aber hei, wären sie in einem Büro gewesen, würde ich jetzt nicht diesen Text hier schreiben, insofern bin ich dafür dankbar, dass sich die beiden das Restaurant dafür ausgesucht haben.)

Als ich so da sass mit meinen drei Chaoten, umgeben von Bauarbeitern, die ihr Znüni genossen und den beiden BusinessLeuten in ihrer Besprechung, fühlte ich mich plötzlich irgendwie ganz komisch. Ich fragte mich, während ich das GipfeliMassaker auf unserem Tisch auf ein Minimum zu begrenzen versuchte, WAS genau ich eigentlich hier mache. Und plötzlich, ja plötzlich wurden mir einige meiner Glaubensmuster bewusst.

Die KarriereLeute neben mir gingen mir ziemlich auf den Sack. Anders kann ich es nicht formulieren. Ich weiss, das kann sehr wohl ein altes Glaubensmuster von mir sein. Ich hab auch schon ein bisschen KarriereLuft geschnuppert und ganz ehrlich, mir gefällt es nicht wie es in den grossen Firmen zu und her geht. Ich mag nicht mal Menschen in Anzügen. Sie wirken für mich uniformiert, jeder Funke Kreativität scheint in diesen Anzügen erloschen. (ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es nicht so ist, aber ich empfinde nun mal so). Diese BusinessWelt ist für mich etwas zu Oberflächliches, oft scheint es mir, als würde aus Scheisse Geld gemacht, spielen die in den hohen Positionen eine Rolle (meistens sehr gut), aber menschlich find ich das Ganze nicht.

Ich find die BusinessWelt verlogen, oberflächlich, nicht gesund für uns. Da werden mir zu oft die Ellbogen eingesetzt, an Karriereleitern gesägt, da findet man Menschen an Positionen wo man sich fragt, wie die denn da so hin gekommen sind. Da gefallen mir die schmutzigen, urchigen „Büezer“ die links von uns gesessen sind viel besser.

Als die junge Lady den gefühlten 300 sten Englischen Business Fachbegriff treffsicher hervor zückte und ganz offensichtlich damit bei ihrem Vorgesetzten punktete, fragte ich mich, ob sich diese Frau vielleicht auch mal dafür entscheiden wird, Mama zu sein. Ich fragte mich, ob sie dieses perfekt strukturierte Leben für so viel Chaos aufgeben würde.

Und so fragte ich mich weiter, während ich versuchte meine drei Kinder am Tisch ruhig sitzen zu lassen, wieso wir immer das Gefühl haben, dass wir Frauen ach so viel aufgeben müssen, wenn wir uns dafür entscheiden, Mama zu werden. Wir sind es, so sagt es die Gesellschaft, die unsere Karrieren an den Nagel hängen. Oder sie beträchtlich verlangsamen wenn wir uns für eine Familie entscheiden. Wir sind es, die in der KarriereLeiter irgendwo stehen bleiben, weil wir nicht mehr zu hundert Prozent arbeiten können. Wir identifizieren uns mit unserer Arbeit, dem, was wir gelernt haben. Wir schmücken uns mit Abschlüssen, Weiterbildungen, Fachausdrücken. Wir sind stolz auf uns, wenn wir in diesem System ankommen, jemand sind. Es scheint toll zu sein, wenn wir unsere Rolle gefunden haben, unseren teuren Armani Anzug am Morgen anziehen und raus in die Welt gehen, um BusinessLady spielen zu dürfen.

Und dann kommen die Kinder. Dann sind wir zu Hause. Wir kümmern uns um das, was wir, als wir noch gearbeitet haben so nebenher gemacht haben. Den Haushalt. Und natürlich die Kinder. DAS ist nun unser Job. Von morgens bis abends, 24 Stunden am Tag. Wir haben keine Aufstiegsmöglichkeiten, weder Qualifikationsgespräche noch tolle Englische Businessfachausdrücke für das was wir tun, ein Bonus ende Jahr bleibt leider auch aus.

Da wird es ziemlich schwierig sich nicht minderwertig zu fühlen neben der Businesslady. 

Ich sass da mit meinem mit BabySpucke verziertem Oberteil, dass ich mir voller Stolz mit meinem Sackgeld letzte Woche im Internet aus zweiter Hand erworben hatte und fragte mich, wie mein Leben wohl ohne Kinder aussehen würde. Ziemlich sicher sehr ähnlich wie das dieser KarriereFrau.

Plötzlich war froh, dass es nicht so aussieht. Und da wurde es mir bewusst, wie Schuppen viel es mir von den Augen: Das, was ich heute bin, was ich jetzt tu, das tu ich nur, gerade WEIL meine Kinder da sind! Sie sind meine KarriereLeiter. Es würde weder HerzBauchWerk© noch HerzKunstWerk© geben. Ich würde nicht hier sitzen und schreiben, ich würde nicht malen.

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Langsam wird es Zeit den Schatz zu heben…

Ich würde ein Leben führen, in dem ich versuchte meinem Chef zu gefallen, meine Ziele zu erreichen, erfolgreich sein zu wollen. Und schwupps, fiel mir die nächste Erkenntnis entgegen:

Ich kann auch was von dieser BusinessLady lernen. Weil genau das ist es, was ich gerne hätte: Mein Business, dass mir Geld einbringt, das mir erlaubt, Mama zu sein UND Geschäftsfrau. Taff, strukturiert, mit ganz eigenen Vorstellungen.

Es gibt so viele Mütter, die so tolles leisten, ihr Wert, ihre Arbeitsleistung bleibt aber leider meistens verborgen in den Familien. Ich bin immer wieder total begeistert von den kreativen Frauen die ich in Koffermärkten treffe, oder im Facebook kennen lerne. Es gibt viele talentierte Mamas, die etwas tolles herstellen, extrem kreativ und begabt sind. Oft fehlt ihnen aber genau dieser taffe BusinessLady Auftritt.

Ich sass noch ein Weilchen da, schlürfte meinen Kaffee zu Ende und genoss die Darstellung, die mir in diesem Restaurant geboten wurde. Ich fühlte mich wohl in diesem Schmelztiegel von Menschen. Bis zu dem Moment, als meine beiden grossen das Sitzleder verliess und ich schnell zum Wohle der Gäste und mir die Flucht ergriff.

Beim Radhändler mussten wir noch eine kleine Weile warten und so sassen wir an einen Tisch, auf dem ein Heft lag, ein kleiner Sonderdruck einer Zeitung mit dem Titel ROI. Ah ja, den Begriff kenne ich. Hab ich auch mal gelernt in meiner Meisterausbildung. Vor einigen Jahren. Ich musste schmunzeln, als ich das Heft so durchblätterte, wie viele BusinessLadies mir neben den Anzugtypen entgegen lachten. Alle ganz schön taff. Gestylt, kühl, elegant und kompetent kamen sie mir rüber. Und ich fragte mich, ob diese Frauen, wenn sie Heim kommen auch verkackte Windeln wechseln, ob sie, bevor sie zur Arbeit gehen ihren Anzug nochmals wechseln weil das Baby noch kurz darüber gekotzt hat. Oder ob sie genau auf diese Erfahrung verzichtet haben. Der KarriereLeiter zu liebe.

ROI bedeutet Return on Investment und ist eine finanzielle Kennzahl, die die Rentabilität einer Investition angibt und somit zeigt, welcher Wert aus einer Investition zurückfließt. Hierzu wird der Gewinn mit dem investierten Kapital in ein Verhältnis gesetzt.

Kinder sind wahrscheinlich ziemlich viel Gift für den ROI. Und so schwebte ich über diesem Titel im Gedanken und mir wurde klar, dass meine Investition meine Kinder sind. Sie sind meine Karriere. Da gibt es nichts, was ich aufzugegeben hätte, nein. Es gibt einige Sachen, die ich bewusst los gelassen hab, ja das stimmt. Aber ich habe mich auch neu erfunden. Ich bin in die Selbständigkeit gegangen, was ich schon immer wollte. Ich teile meine Zeit selber ein, ich strukturiere mein Business selbst.

Jetzt ist es einfach an der Zeit, darin wirklich ein Business und nicht nur ein Hobby zu sehen. Mir einen Wert zu geben. Es ist an der Zeit, mir zu erlauben Geld zu verdienen, einen ROI zu erlangen. 

Wie das klappen soll? So ganz genau weiss ich es noch nicht. Aber ich bin mich am sortieren, am strukturieren. Lege Ziele fest, schreibe auf, was meine Wünsche und Träume sind. Übrigens: ein ganz toller Helfer dabei ist das Life & Workbook „mein bestes Jahr 2017″, das ich für euch lesen, ausprobieren und bald rezensieren darf. Ihr werdet davon noch hören.

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Bis mein Business steht lass ich mich inspirieren. Von den BusinessLadies da draussen, den Mamas, die Arbeiten, von den tollen Mompreneurs. Von OnlineKursen, Coachingfrauen und meinen Kindern. Irgendwo da zwischen Drin werde ich mein Ding finden. Meinen Schatz heben, ich bin mir ganz sicher. Wie er aussieht weiss ich noch nicht ganz genau. Aber an Ideen mangelt es mir nicht.

 

 

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