Ich hab mir geschworen auf diesem Blog niemals übers Impfen zu schreiben. Nieeeemals. Weil das Thema zu delikat ist. Weil ich sehr wahrscheinlich auch die falscheste Person bin um darüber zu diskutieren. Warum?

Darum:

  1. Ich verstehe jeden und jede, die ihr Kind nicht impfen wollen, meist zu 150%
  2. Ich verstehe jeden und jede, die ihr Kind impfen wollen, meist zu 150%

Nun. Ich bin Mama von drei Kindern und wurde natürlich mit dem Thema impfen konfrontiert. Und ganz ehrlich, ich hab mich immer und immer wieder genau in der Mitte dieser beiden Fronten gefunden. Gut, manchmal stand ich den Impfgegnern etwas näher, manchmal den Impffreunden.

Ich glaube, damit bin ich nicht die Einzige. Ich hab nicht schlecht gestaunt, als eine liebe Freundin von mir von genau demselben Dilemma berichtete in dem sie sich wieder fand. Nur vor zwanzig Jahren. Ich hab sie erstaunt gefragt, ob damals die Diskussion übers Impfen auch schon so rege geführt wurde und sie hat mir das mit einem breiten Lachen bestätigt. Sie hat mir erzählt, dass sie unzählige Vorträge übers Impfen oder eben Nichtimpfen damals besucht hatte.

Nun gut. Ob meine Kinder geimpft sind oder nicht ist meine private Sache und das werde ich nicht nach aussen tragen. Es spielt auch keine Rolle, denn auch wenn ihr da draussen das vielleicht nicht wirklich nachvollziehen könnt, ich kann euch Impfgegner genau so gut verstehen wie ihr Impfbefürwortet. Also, wenn du jetzt ein Gegner vom Impfen bist dann stell dir doch einfach vor, dass meine Kinder nicht geimpft sind, und wenn du ein Befürworter bist, dann stell dir vor sie sind es. So können wir schon mal unangenehme Diskussionen, die nur Emotionen auf beiden Seiten hoch kochen, vermeiden. Ich mag dich jedenfalls so oder so, ob du nun deine Kinder impfst oder nicht, und ganz abgesehen davon, ob es meine sind oder eben nicht sind… Voll fies ich weiss.

Und falls es hier später Kommentare auf diesen BlogPost hageln wird bitte ich euch liebe Mamas und Papas einander respektvoll zu begegnen. Beide Seiten wollen nur das beste für ihre Kinder. Nur das beste, ok?

Was die ganze Impfdiskussion für mich zum Dilemma macht ist die Tatsache, dass beide Seiten ein und genau dasselbe wollen: gesund Kinder. Beide Seiten haben so scheint es mir, angst um ihre Kinder, angst vor Krankheit, angst vor dem Tod. Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb die Diskussionen immer ganz heiss geführt werden, wer weiss.

Eigentlich geht es mir um ein ganz anderes Thema, welches aber genau das ImpfDilemma gespiegelt hat.

Bei uns gehen die Windpocken rum. Hier in der Schweiz nennt man die „Spitziblatere“ oder „Wildiblatere“. Es handelt sich um das Varizellen Virus. Die Varizellen stehen bei uns auf dem offiziellen Impfplan erst mit 11- 15 Jahren an. Das heisst, dass praktisch jedes Kind hier in der Schweiz die Windpocken durch macht. Dass das in Deutschland ganz anders ist hab ich erfahren, als ich einmal mit einer deutschen Mutter, die ihr Kind in dieselbe Kita wie wir unsere gebracht hat, darüber gesprochen habe. Sie hat sich ziemlich darüber geärgert dass man in der Schweiz die Windpocken nicht impfen tut. Tut mir echt leid, wir hinken manchmal etwas der Welt hinten nach. Aber das macht unsere Schweizer Eigenart auch aus. Finde ich.

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Schweizer Impfplan

Für mich persönlich gehören die Windpocken so sicher zum KinderLeben wie die Milchzähne, die man mal verliert und ganz ehrlich, ich sehe darin auch nichts Schlimmes. Und ich glaube, hier in der Schweiz haben die meisten Mütter dieselbe Einstellung wie ich. Kinder können sich mit den Windpocken schon drei Tage bevor sie die ersten Bläschen bekommen anstecken. Das Virus ist sehr hartnäckig und so gibt es oft kleine Epidemien in den Dörfern, wie bei uns. Vor etwa einem Monat hat es angefangen. Mir war ziemlich klar, dass wahrscheinlich auch meine Kinder vor dieser Krankheit nicht verschont bleiben werden, da sie mit infizierten Kindern in die Waldspielgruppe und ins Mukiturnen gehen. Ja, wir sehen das vielleicht aus anderen Augen hier ziemlich locker. Man schickt hier die Kinder trotz Bläschen in die Spielgruppe, den Kindergarten oder die Schule, solange sie fit und munter und noch nicht halb tot sind.

Nun gut, gestern hat mein Sohn seine ersten Blasen bekommen und ich habe auf Facebook mit einem kleinen ironischen Unterton (den man halt leider beim Lesen nicht hören kann) zur WindPockenParty aufgerufen. Eine liebe Freundin von mir hat mich nett darauf hin gewiesen, dass diese in Deutschland sogar verboten seien. Puuuuuh, hab ich mir gedacht, das ist ja dicke Post, ob das denn wirklich so ist? (Hiermit möchte ich Facebook noch offiziell dafür danken, dass sie mein Profil nicht gesperrt haben, da ich allem Anschein nach zu einer illegalen Party aufgerufen hab) Meine meisten Twitter Follower leben in Deutschland und so hab ich mal ganz salopp folgende Frage in die TwitterRunde geworfen:

Echt jetzt? In Deutschland macht man sich strafbar wenn man eine WindpockenParty feiert? Verkehrte Welt…

Die Antworten liessen nicht lange auf sich warten und mir wurde sehr schnell bewusst, dass viele diese Krankheit nicht auf die leichte Schulter nehmen. Mir wurde geraten, meine Kinder zu impfen. Für diesen Tip möchte ich mich herzlich bedanken. Nur auch die geimpften Kinder sind hier nicht gegen Windpocken geimpft, falls man sich an den Schweizer Impfplan hält.

Es scheint so, als würden die Schweizer diese Krankheit in ihrem Land nicht aussterben lassen wollen. Ich möchte mich bedanken für die Screenshots die mich erreicht haben, die beweisen, dass eine vorsätzliche Ansteckung mit einer KinderKrankheit tatsächlich eine Körperverletzung darstellt und gesetzeswidrig ist (hier kannst du mehr darüber lesen). Ich hätte das bei Windpocken nie in Betracht gezogen. Bei einem HIV oder Hepatitis Virus ja, aber bei Windpocken?

Eine weitere Frage hat sich mir aufgedrängt, als ich mir Gedanken über Körperverletzung gemacht habe: Wie sieht es dann mit einem Impfschaden aus? Wäre das nicht auch eine Körperverletzung? Ich habe jedenfalls nicht schlecht gestaunt, als ich im schweizerischen Impfplan gelesen habe, dass es seit diesem Jahr eine neue Regelung für die Folgen von Impfschäden gibt. Also gibt es die Impfschäden ja anscheinend wirklich ganz offiziell und sind nicht nur ein Hirngespinst der Impfgegner. Oder?

Nun ja, ich finde es jedenfalls total spannend, und merke gerade am eigenen Leib, wie mich das ImpfDilemma einholt, obwohl, in diesem Dilemma wird sich wohl so manche schweizer Mutter wieder finden, weil hier ein Kind grundsätzlich nicht gegen die Varizellen geimpft wird, wenn es noch klein ist. So machen hier die meisten Kinder diese Krankheit durch. Und ganze Dörfer, Schulen, Väter und Mütter machen sich dabei unwissentlich anscheinend strafbar. Nur juckts bis jetzt niemand. Ausser die Kinder. Zum Glück sehen es hier die meisten wohl so locker wie ich mit den Windpocken und machen nicht so viel Wind um dieses Thema.

PS: Wir haben keine Impfparty veranstaltet. Und jede Mutter darüber informiert, dass unsere Kinder evt. die Spitzenblateren bekommen könnten und sie evt. ihr Kind anstecken könnten, falls sie mit ihnen spielen. So sind wir halt.

 

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