So ein Körper ist schon was ganz spezielles. Ein ganzes Leben lang begleitet er uns, gibt uns die Möglichkeit, uns in dieser Welt zurecht zu finden. Er ermöglicht uns das Denken, Wachsen, Schmecken, Riechen, Hören, Sehen, Tasten, Liebe machen. Er ist der Träger unserer Gefühle. Freude, Glück, Liebe, Neid, Hass etc.

Unser Körper ist das Medium, dass uns trägt. Irgendwie irgendwo ist da noch sowas wie eine Seele versteckt, die diesem Wunderwerk Leben einhaucht. (So seh ich das jedenfalls.) 

Kommt ein Baby auf die Welt, dann feiern wir das. Wir feiern diesen neuen Körper, der geschaffen wurde. In uns. Durch unseren Körper. Wir feiern den neuen Menschen und sind dankbar dafür, dass alles gesund, richtig und normal ist. Wir sind dankbar, dass wir neun wundervolle, schöne Schwangerschaftsmonate erleben durften. Es ist unglaublich, neues Leben in sich zu spüren. Dieses beseelt sein ist etwas, das Frau gar nicht so richtig in Worte fassen kann. Ein Wunder.

Und nachher? Was passiert nachher mit unseren Körpern? Sie sind leer. Das Baby ist draussen, der Bauch meistens noch da, die überschüssigen Schwangerschaftspfunde zieren uns. Die Brüste sind gross, irgendwie anders als sonst, tropfen manchmal vor lauter Milch. Irgendwann, früher oder später scheint es mir, fängt jede Frau wieder damit an, an ihren „alten“ Körper zu denken. 

Werde ich wieder genau gleich schlank sein wie vorher? Bleibt dieser Schlabberbauch jetzt? Wird mein Po wieder knackig?

Mein Körper hat sich drei Mal ausgedehnt innerhalb von vier Jahren. Drei Mal hat er meist 20 Kilo zu- und wieder ab genommen. Und ja, auch ich mach mir Gedanken über meine Hülle, mein Haus in dem meine Seele wohnt. 


Gestartet hab ich mal ganz schlank. Mit meinen 168cm und 54, 55 Kilo. Und ich bin ganz ehrlich: ich war immer saustreng zu meinem Körper. Es gab auch Zeiten, da war er noch leichter. Es gab Zeiten, da überkam mich ein riesen Stressgefühl, wenn der Zeiger der Waage über die 50 Kilo Marke schoss. Heute weiss ich, das war nicht gesund. Das war nah an einer Magersucht, wenn es nicht schon eine war. Heute haben mein Körper und ich Frieden geschlossen. Die 55 Kilo von vor meinen Schwangerschaften werden wir beide wohl nicht mehr erreichen. Und das ist auch ok so.

Auch wenn es Stellen gibt, die ich nicht besonders mag. Da bin ich ganz ehrlich. Der Bauch ist immer noch da. Und manchmal, ja manchmal fragen mich meine grossen heute noch: „du Mami, ist da ein Baby drin?“ Neeeeeeein um Himmels Willen, das ist es NICHT! Da waren drei drin. Und jetzt ist der Bauch so, wie er ist.

Meine Proportionen könnten besser verteilt sein. Überall ein wenig mehr. Mein Bäuchlein würde gar nicht so auffallen, wenn die Brüste ein wenig praller und der Popo nicht so flach wären. Nur das sind sie nicht. Ich bin wie ich bin. Punkt. Und ja, wenn ich manchmal ein Selfie von mir mach, dann Lösch ich es schnell wieder, weil da schon so ein paar Falten mir entgegen lachen. Wieso auch nicht? Ich gehe ziemlich rasant gegen die Vierzig zu.

Wow. Vierzig Jahre hab ich nun dieses Haus. Ein Auto hätte man schon lange auf den Schrotthaufen geworfen. Oder eben es ist einem ans Herz gewachsen und man hegt und pflegt den Youngtimer. 

Wenn ich wieder mal so motzend vor dem Spiegel steh und find, das Röllchen da und der Bauch dort soll doch bitte fort, dann ja dann merk ich manchmal, was für einen Stuss ich da von mir denke. Atme tief in mich hinein, und fang an zu spüren. Wie sich mein Körper anfühlt. Und er fühlt sich gut an. Ich habe das Glück, einen sehr gesunden, robusten Körper zu haben. Ich habe sehr selten Rückenschmerzen oder sonst dergleichen. Migräne, ja Migräne plagt mich manchmal, aber auch die ist Hausgemacht, sie weist mich liebevoll darauf hin, wieder mal einen Gang zurück zu schalten. 

Wenn ich in mich hinein atme, mich spüre, mich mit diesem Haus verbinde, dann spür ich keine Speckröllchen, die mich stören, kein Bäuchlein, dass mich plagt, nein ich spüre einfach mich. Die Tanja. Dann scheine ich ganz nah an dem zu sein, was wir Seele nennen. Und die, ja die fühlt sich echt gut an. Geborgen. Speziell. Die hat keine Form, kein Gefühl. Die schmeckt oder riecht nicht, die ist einfach.

Ich habe mit meinem Körper Frieden geschlossen. Weil es für mich wichtig war. Ich hatte keinen Bock mehr auf den Stress. Wenn andere zwei Monate nach der Geburt wieder superschlanken durch die Gegend laufen, dann freu ich mich für sie, gut gemacht! Mein Körper braucht dazu etwas länger. Vielleicht passiert es auch, dass er die alte Form nie mehr findet. Ja dann ist es so.

Ich bin nicht meine Hülle. Und doch bin ich sie. Weil wir Menschen Augen, Ohren, Hände und eine Nase zwei Beine, einen Po und einen Bauch haben und jetzt halt mal mit dieser Muskel- und SinnesAnsammlung diese Welt erfahren. Ja. So ist es. Aber ich bin noch mehr. Ich bin noch diese Seele, die diesem Körper Leben einhaucht, ihn erst sogar bewohnbar macht. 

Oder nicht?

Ich wünsche mir auch für meine Kinder, dass sie sich in ihren Körpern, die sie sich ausgesucht haben wohl fühlen. Und das können sie nur, wenn sie Menschen um sich haben, die auch auf ihre Körper achten, sie respektieren, wie sie sind und nicht irgend einem Wahn verfallen. Oft sag ich den grossen beiden beim Baden, dass ihre Körper heilig sind. Dass niemand diese Körper schlagen darf, ihnen weh machen darf oder mit ihnen etwas machen darf, dass sie nicht wollen. Ja, das sag ich meinen Kindern jetzt schon. Auch sie selber sollen irgendwann mal lernen, auf ihre Körper acht zu geben, sie als das zu erkennen, was sie sind: ein Wunderwerk der Natur. Unser Medium für unsere Gefühle, Sinne, Gedanken. Unser Werkzeug, um uns in dieser Welt zurecht zu finden. Er ist viel mehr, als diese Form, dieses Erscheinungsbild. Dieses ideale 90-60-90 Ding. Ohne unseren Körper wären wir „nur“ dieses Geistwesen, irgendwo in einer anderen Sphäre herum schwirrend. Es ist dieses Haus hier, das uns dieses Leben ermöglicht. Und wenn bei mir die Fassade ein paar Risschen hat ist das nicht so sonderlich schlimm, denn viel wichtiger ist es, dass es innen schön gemütlich, kuschlig und warm ist.

Es hat ein Weilchen gedauert, bis ich so denken konnte. Genau gesagt fast vierzig Jahre. Letztes Jahr, als ich ziemlich frisch geboren mit Baby und im Bikini im Schwimmbad und ziemlich unförmigen TanjaHaus herum lief wurde mir das bewusst. Mein Körper war für mich ok so wie er war. Und plötzlich, ja plötzlich musste ich über mich schmunzeln. Wie viele Jahre, bevor ich Mutter wurde war der Strandbad Besuch im Bikini für mich eine ständiges Vergleichen, unsicher sein, verstecken, schämen. Pfffff. Das hätt ich alles lassen können. Denn mein Haus fühlt sich gut an. In mir drin. Wie kann denn etwas, dass sich so gut anfühlt schlecht sein? Nicht gut oder schön oder proportional genug sein?

Ihr Mamas da draussen. Lasst es mich euch nochmals ganz deutlich sagen: Ihr seit perfekt so, wie ihr seit. Ihr habt Leben geboren. Egal wie oft und auf welche Art und Weise. In euch ist ein neuer Körper entstanden. Ein neues, wunderbares, perfektes Haus für eine noch perfektere Seele. Wie kann denn euer eigener Körper schlecht sein? Geht nicht. Also schliesst Frieden. Mit euch, euren Körpern, euren Speckrollen, Lovehandels, Schlabberbäuchen und flachen Brüsten. Atmet tief, spürt in euch hinein, in das, was dieses Haus bewohnt. Nimmt es wahr, sagt dem „Hallo“ und spürt, dass ihr ganz ok seit, wie ihr seit! Ich bin nicht meine 50, 54, oder 58 Kilo. Ich bin Tanja, dieses komische, lustige, liebenswerte Wesen, dass diesen Körper mit sich durch diese Welt trägt.

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