Heute wage ich mich an ein Thema ran, dass ich lange vor mich hin geschoben hab, mich aber im Moment extrem beschäftigt. Die Erziehung. Seit ich Kinder hab sind mir Begrifflichkeiten wie Attachement Parenting, unerzogen, Bedürfnisorientiert, artgerecht etc. Geläufig geworden. In dem ganzen Erziehungsdschungel scheint man sich ziemlich schnell verirren zu können, so kommt es mir vor, weshalb ich für mich einen ganz neuen Ratgeber ins Leben gerufen hab: Mein Bauchgefühl.

Ich bin mir ganz sicher, dass langsam ein grosses Umdenken statt findet in Bezug auf Erziehung von unseren Kindern. Nicht zuletzt, weil wir eine ganz neue Generation von Eltern sind. Meiner Meinung nach sind wir es, die zu erkennen scheinen, dass das mit dieser konsequenten, strengen Erziehung bei uns schon nicht gefruchtet hat, wie soll es dann bei unseren Kindern funktionieren? Wie soll ein kleiner Mensch lernen, anderen Menschen auf Augenhöhe, respektvoll zu begegnen, wenn ihm selbst niemals so begegnet wird?

Ich finde diese Veränderung wunderschön. In diesem Artikel möcht ich nicht darüber berichten, welche Erziehungsmethode ich die tollste und beste für meine Kinder find, denn wie ihr wisst, bin ich überhaupt kein Freund von Schubladen. Ich möcht einfach nur aus der Sicht einer hochsensiblen Mutter berichten, was Erziehung für mich ist.

Wer sind unsere Kinder?

Ich hab das noch nie so direkt beschrieben und benennt, aber ich spüre, dass die Kinder, die im Moment hier auf die Erde kommen ganz speziell sind. Nein, ich will jetzt nicht wieder schubladisieren und von Indigo- Kristall- oder Regenbogenkindern sprechen, denn das sind für mich alles wieder nur Definitionen, die wir Erwachsenen brauchen, um mit der Art und Weise unserer Kids umzugehen. Wer sich trotzdem für dieses Thema interessiert, dem empfehle ich diesen Film.

Die Kinder, die hier auf die Welt kommen, sind, sagen wir mal, sehr hochschwingende Seelen. Uralte Seelen, Seelen von einer ganz anderen Welt. Als mein Sohn frisch geboren war und ich ihm tief in seine Augen schaute, hatte ich das Gefühl, das ganze Universum zeigt sich mir. Ich war voller Demut und Dankbarkeit, dass diese alte, weise Seele den Weg zu mir fand. (Sein Name bedeutet: der, der seinen Weg geht). Und ja, mein ältester ist eine weise Seele und hatte viele Leben. Er berichtet mir immer wieder davon. Das hat schon ganz früh angefangen, als er kaum noch sprechen konnte. Heute wird er detailierter. Und ich höre voller Staunen und gespannt zu, was mir diese Seele so zu berichten hat. Ich finde es wundervoll, wenn er kommt und findet, dass ich heute golden schimmer. Oder rot. Oder blau.

Meine mittlere Tochter scheint von einem anderen Stern zu kommen. (Kein Wunder, ihr Name bedeutet hell leuchtender Stern). Sie scheint mit dem irdischen nicht wirklich vertraut zu sein. Oft ist sie ziemlich ungeschickt, schlägt überall ihren Kopf an und manchmal hab ich das Gefühl, dass sie gar nicht so recht weiss, was man mit einem Körper so anfängt. Sie hat ein unglaubliches Urvertrauen ins Leben. Steht auf beiden Beinen. Hat das Gefühl, wenn sie sich Ikea Elfenflügel umschnallt, dass sie aus dem Fenster fliegen könnte. Meiner grossen Tochter etwas zu erklären, oder sie in irgend eine Richtung, die mir passt zu drängen, funktioniert nicht. Sie gleicht weder mir noch meinem Mann und wir fragen uns wortwörtlich oft, von wo sie kommt. Von welchem Stern. Sie ist ein ganz eigenartiger Mensch.

Die kleinste, unser Baby, ist unser Nesthäkchen. Ihre Seele schwingt ganz fein. Und ich sags ganz ehrlich, und das mag etwas komisch klingen. Als ich mit ihr schwanger war, spürte ich immer und immer wieder, wie ihre Seele auf Reisen ging. Manchmal tagelang. Ich war mir bis zum Schluss nicht wirklich sicher, ob sie hier zu uns auf die Erde kommen will oder wieder geht. Weil sie so fein schwingt. Auch als sie noch ein ganz kleines Wesen war hatte ich oft das Gefühl, dass sie noch in dieser Anderswelt ihre Runden zog, dort herum schwirrte, von wo sie scheint her zu kommen. Sie ist unsere kraftvoll geborene (das bedeutet ihr Name). Und ja, diese Geburt war kraftvoll. Transformierend. Für alle Beteiligten.

Weshalb ich das so schreib?

Nun, ich weiss, das alles scheint jetzt vielleicht für manche ziemlich abgespacet klingen. Aber es ist die Art und Weise, wie ich mit meinen feinen, hochsensiblen Antennen meine Kinder wahr nehme.

Und nun? Nun soll ich diese wunderbaren Wesen in irgendeine komische Wertvorstellung hinein pressen, die ihnen so gar nicht entspricht? Nein, darauf hab ich keinen Bock. Denn das, was ich wahr nehme bei diesen drei kleinen Menschen ist meine Wahrheit. Und ich bin überzeugt davon, wenn ich ihren Seelen den Raum gebe, den sie brauchen, um hier in diesem Leben gross zu werden, dann kann nichts schief gehen. 

Das hat nichts mit unerzogen zu tun. Bei uns gibt es Grenzen. Regeln. Weil hier in dieser Familie auch noch zwei Erwachsene leben. Zwei sehr sensitive Erwachsene. Solche, die auch ganz hoch schwingende Seelen haben und die gern zum Ausdruck bringen. Wir Eltern brauchen beide unsere Rückzugsmöglichkeiten. Ich, ich brauch diesen Blog. Meine Kunst. Meine Coachings die ich geb. Mein Mann, der braucht Ruhe. Ein Buch, das er lesen kann. Gedanken, die er sich ungestört machen kann.

Manchmal ist das nicht ganz einfach. Alles unter einem Hut zu bringen. Bei uns geht es oft wild zu und her. Wutausbrüche, Streitereien, müde Kinder, das volle Programm. Wie in jeder Familie. 

Ich kenne kein Patentrezept

Wie aus Kindern die besten Erwachsenen werden. Ich kenne Kinder, die trotz schlechter Kindheit ganz tolle Erwachsene wurden. Und ich kenne welche, die alles hatten und irgendwie mit ihrem Leben nicht klar kommen. Ich kann nicht sagen, was ich richtig und was ich falsch mach bei meinen Kindern. Ich kann nur auf mein Bauchgefühl vertrauen. Oft zeigt es mir in bestimmten Situationen, was meine Kinder gerade brauchen. Und dann geb ich ihnen das, was ich ihnen geben kann. Wenn das Baby von mir getragen werden möchte, dann trag ich es. Wenn es nur mit mir einschlafen kann, dann leg ich mich zu ihm hin. Seit 10 Monaten geht das so. Sowieso. Hier schläft keiner allein. Weil wir einfach unsere Nähe brauchen. Wenn mein Sohn wieder mal seiner Wut freien Ausdruck geben möchte, dann gewähr ich ihm das. Ohne, dass auch ich in Wut verfalle. (Was manchmal ziemlich herausfordernd sein kann). Wenn meine grosse Tochter ihren Körper mit Buntstiften verzieren mag, dann lass ich sie. Weil ich spüre, dass es für sie eine Möglichkeit ist, sich mit diesem Körper anzufreunden.

Was das für ein Erziehungsstil ist?

Keine Ahnung. Vielleicht bedürfnisorientiert. Vielleicht unerzogen. Vielleicht attachement Parenting. Ich hab keine Ahnung. Weil ich nicht viel aus Definitionen mache. Ich weiss nur eins: Ich spür sehr viel und merke, was für mich und meine Kinder stimmig ist und was nicht. Und danach handle ich. So, dass für möglichst alle Familienmitglieder eine befriedigende Lösung entsteht. Denn hier sollen sich alle wohl fühlen. Hier sollen sich alle ausleben dürfen. Hier schwingen alle hoch. Hier dürfen alle so sein wie sie sind. Und wenn ich mal genervt bin, weil mir alles zu viel wird, weil auch ich ein zartes Pflänzchen bin, dann mach ich meinem Unmut Platz. Und sag, es wird mir alles zuviel. Vor meinen Kindern. Meine Worte tragen immer mein Gefühl nach aussen.

Denn Kinder verstehen keine Worte.

Kinder fühlen. Und wenn sie zum Beispiel Trauer oder Wut fühlen, aber irgend eine gespielte Fröhlichkeit sehen und hören, dann stimmt in ihrer feinen Welt etwas gehörig nicht. Wenn dann noch die Tatsache hinzu kommt, dass Kinder alles auf sich beziehen, die Fehler bei sich suchen, dann ist der Kessel geflickt. Dann hat es das Gefühl, nicht richtig wahr zu nehmen, nicht richtig zu sein. Denn das was es sieht entspricht nicht dem, was es spürt. Gefühle machen uns menschlich. Deshalb verdräng ich sie nicht. Und nehme im Gegenzug die meiner Kinder ernst und an. Auch wenn das mal ein halbstündiger Wutausbruch ist. Der hat seine berechtigung, der ist wichtig, der muss durch dieses fein schwingende Wesen gehen, um zu verstehen, was es bedeutet, Mensch zu sein. Ärger in sich zu tragen, und ihm freien Lauf zu lassen, ohne danach dafür bestraft zu werden. Jeder von uns weiss, was mit Ärger passiert, der in unseren Körpern hängen bleibt, der nicht in Fluss kommen und abfliessen kann.

Wie erwähnt. Ich hab keine Ahnung, was ich richtig und was ich falsch mach. Ich mach. Und lass mich dabei aber auch gerne inspirieren. Weil ich glaube, dass es immer mehr Eltern gibt wie wir es sind. Die merken, dass diese Kinder was ganz spezielles sind. Das diese Kinder keine faulen Kompromisse mehr eingehen werden. Diese Eltern wissen und spüren, dass es tatsächlich diese Kinder sind, die die Welt verändern werden, sie zu einem besseren Ort machen. Also lasst uns doch auch ein Teil dieser Veränderung sein und lasst uns hin hören, was diese Seelen zu sagen haben. Lasst uns alte Muster aufbrechen, neu denken, verändern. Für ein empathisches Miteinander.

Unsere Kinder brauchen keine Erziehung. Wir müssen sie nirgens hin ziehen. Sie wissen schon, wohin es sie zieht. Darauf dürfen wir als Eltern vertrauen. Was unsere Kinder brauchen, sind Eltern, die sie spüren, auf sie eingehen können, sie sehen, verstehen und ihre Bedürfnisse erkennen und verteidigen. In dieser Welt. Die sich im Moment gewaltig verändert. Dank unseren Kindern. Und dank dieser wundervollen Eltern, die ihre Essenz erkennen.

Hier noch ein paar inspirierende Menschen, die in meinen Augen sehr dazu beitragen, dass wir sensitiven Eltern erkennen dürfen, dass wir anders sein dürfen mit unseren speziellen Kindern:

Aida S. de Rodriguez

Gerald Hüther

André Stern

Jesper Juul

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