In unserer Familie überwiegt der Frauenanteil. Drei Mädchen „gegen“ zwei Jungs. Manchmal, wenn ich meine Kinder beim Spielen beobachte frage ich mich, wer denn da die Hosen an hat. Bei uns sind es oft die Mädchen.

 

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Ich bin ganz ehrlich mit euch: Als ich zum ersten Mal schwanger war und mir der Gynäkologe während dem Ultraschalluntersuch sagte, dass ich einen Jungen bekommen werde war mein erster Gedanke: „Juhuuuu, kein Hello Kitty!“. Mittlerweile weiss ich, dass Spiderman, Hulk und co auch nicht wirklich toll sind…

Dabei hatte ich nie eine Vorliebe für ein Geschlecht, ich hätte mich genau so über ein Mädchen gefreut wie über einen Jungen. Es hätte mir auch nichts ausgemacht, wenn das zweite Kind auch wieder ein Junge geworden wär.

Tatsache ist: ich hatte vor einem Mädchen einfach riesengrossen Respekt! Weil ich selber eins war und weiss, wie es sich in dieser Welt als kleines, weibliches Wesen so anfühlt.

Ich selber war nämlich nicht besonders gern Mädchen. Ich kletterte auf Bäume, konnte mich stundenlang im Wald aufhalten, hab mit Jungs gekämpft und ärgerte mich immer wieder, wenn sie stärker waren als ich. Ich hatte keinen Bock auf Puppen, Barbies und Lackschuhe. Die Tatsache, nicht im Stehen pinkeln zu können wie Jungs fand ich absolut unglaublich doof.

Auch heute noch gehöre ich wahrscheinlich zu der, wie soll ich sagen, etwas unkomplizierteren Sorte Frau… Ich mach mir nix aus Gesichtsmasken, lackierten Nägeln und supertoll gestylten Frisuren (Im Moment bevorzuge ich die Variante Rasierapparat)

Nun hab ich mittlerweile zwei von diesen Mädchen. Zwei ganz lustige. Wie sie mal raus kommen werden, ich hab keine Ahnung. Wie sie bis jetzt mit ihrer Weiblichkeit umgehen? Ziemlich unkompliziert wie ich finde. Wahrscheinlich sind sie auch noch zu klein dafür, um sich riesengrosse Gedanken darüber zu machen.

Ich ertappe mich ab und zu aber bei dem Gedanken, dass meinen Mädchen hoffentlich nie etwas schlimmes passieren wird. Dass sie auf Jungs treffen werden, die ihre Körper und ihre Weiblichkeit mit Respekt behandeln werden. Es stimmt mich immer noch sehr nachdenklich, wenn ich lese, dass heute noch jedes 3. Mädchen und jeder 5. Junge misshandelt werden. Hier. In Europa.

 

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Mit dieser Frage beschäftige ich mich schon sehr lange. Was macht ein Mädchen stark? Wie lernt es, für sich ein zu stehen, sich gegen die Jungs zu behaupten, nicht unter zu gehen? Wie erkennt ein Mädchen, dass es genau gleich viel Wert hat wie ein Junge? Oder besser gesagt, dass es genau gleich viel Wert hat wie jeder andere? So sein darf, wie es ist? Dass es keine faulen Kompromisse eingehen muss, um geliebt zu werden? Dass es sich auch mal in der Matschepfütze dreckig machen darf wie der grosse Bruder?

Wie so vieles, oder besser gesagt alles im Leben beobachten auch uns unsere Kinder. So hab ich sehr oft das Gefühl, dass ich als Frau mit Argusaugen von meinen kleinen Frauen beobachtet und registriert werde. Seither versuch ich den Satz „ich kann das nicht“ aus meinem Wortschatz zu streichen. Seither fluche ich nicht mehr über meinen Körper und sehe mich nur noch inkognito kritisch vor dem Spiegel an (was übrigens sehr befreiend ist). Ich hab damit angefangen, zu erklären, wie toll es ist, eine Frau zu sein. (oh ja, ich find es mittlerweile toll, Frau zu sein. Das war nicht immer so.) Ich erzähle ihnen, wie toll es ist, ein Kind in sich wachsen zu lassen, es gebären zu dürfen. Wie schön es ist, Mama zu sein.

Wir sind schon lange nicht mehr das schwache Geschlecht, es scheint mir manchmal aber, dass wir uns gerne noch in diese Position rücken.

Weil es halt ein bisschen einfacher ist. Weil wir gerne von Männern umworben werden, weil Männer halt doch mehr Kraft haben. Weil wir vielleicht in Familien gross geworden sind, in denen der Vater das Sagen und das letzte Wort hatte.

Die Mutter bleibt zu Haus, muss den langweiligen Haushalt machen, auf die Kinder schauen, ihre Karriere für die Familie aufgeben. Ganz ehrlich: auf dieses Mutterbild hab ich keinen Bock. Ich versuche meinen Kindern bei zu bringen und zu zeigen, dass ich gerne bei ihnen bleibe. Das Haushalt was ist, das halt gemacht werden muss, damit sich alle zu Haus wohl fühlen. Und sie sehen, dass ich auch mein eigenes Ding noch hab. Ja meine Kinder bekommen es mit, wenn ich male, schreibe oder arbeite. Manche Coachings gebe ich in der Anwesenheit meiner Kinder. Das klappt ganz gut.

 

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Wenn ich so durch den Spielwarenladen gehe muss ich gestehen, wird es mir manchmal fast übel. Zu viel rosa. Zu viel pink. Zu viel Schnickschnack. Ich frag mich, welche Vollpfosten diese Spielzeuge erfunden haben und wie viel Spielzeug überhaupt ein Kind braucht. Ja, auch wir haben ein Zimmer voll davon. Das meiste haben unsere Kids geschenkt bekommen. Sie spielen aber fast nie damit.

Lego und Brio Bahn, das sind die Dinge, mit denen sie sich beschäftigen. Oder sie verkleiden sich, kochen noch ab und zu an der Ikea Küche, spielen mit dem Bauernhof, der ihnen der Grossvater zu Weihnachten gebaut hat. Im Kinderzimmer gibt es kein dominierendes rosa. Ein paar Puppen und einen Puppenwagen, die wir geschenkt bekommen haben sind wohl das einzige, dass darauf schliessen lassen könnte, dass hier Mädchen wohnen. Ich bin ein ziemlicher Spielzeughasser. Am meisten verabscheu ich diese Barbie Puppen Geschichten, übrigens genau so sehr wie Kampfgeräte für Jungs. Ich geh lieber mit meinen Kids in den Wald, grabe mit ihnen unseren Garten um, bastle was oder male, fahre mit ihnen Rad.

Bei uns gibts also nicht sehr viel rosa.

 

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Irgendwann werden aus meinen Mädchen Frauen. Und ich hoffe, dass sie bis dann erfahren durften, dass es toll ist, Frau zu sein. Dass es nicht notwendig ist, tausend Barbies im Zimmer stehen zu haben um ein richtiges Mädchen zu sein. Dass nicht alles rosa sein muss, um sich als Frau zu fühlen. Frau sein ist viel mehr als rosa und pink.

Frau sein bedeutet, empfangen zu können, Raum zu schaffen. Wir sind das Form gebende, das Kreative, das Intuitive. Wir dürfen stark und rebellisch und wild sein. Auf unsere Art und Weise. Wir müssen den Männern nicht gefallen, wir müssen auch nicht gleich taf sein wie sie. Wir dürfen die Dinge anders machen. Auf unsere Art und Weise. Und wir dürfen unsere Körper lieben, so wie sie sind. Ob nun die Brüste klein, die Schenkel breit und der Bauch gewölbt sind, scheissegal. Das ist es, was ich meinen Mädchen mitgeben möchte.

Lasst uns unsere Individualität leben, hört auf, brav zu sein! Lasst euer kleines Mädchen in eurem Herzen spielen. Selbstbestimmt. Frei. Mutig.

Ich bin immer wieder davon beeindruckt, wenn ich meine Mädels beobachte und sehe, mit wie viel Vertrauen sie in dieser Welt stehen. Sich so annehmen, wie sie sind. Und das soll auch so bleiben. Dafür kämpfe ich. Denn Mädchen sind die neuen Jungs. Stark, authentisch, gleichberechtigt. Ihres Körpers und ihrer Weiblichkeit bewusst. Da gibt es nichts, dass man verstecken müsste, nichts schwaches.

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