Die Zeit kurz nach Babys Geburt hat mich schon immer sehr fasziniert, und mit jedem Kind mehr, welches in unsere Familie gekommen ist, wurde die Bedeutung vom Wochenbett noch wichtiger für mich. Ich hab mich immer mehr nach Ruhe und Schmusen und es ganz langsam angehen gesehnt. Denn:

Wochenbett ist eine magische Zeit. 

Es ist die Zeit, in der man sich beschnuppert. 

Die Zeit, in der man sich langsam an die neue Rolle als Mama und Papa gewöhnt.

Die Zeit, in der das Baby auf dieser Welt so richtig ankommen darf.

Die Zeit, in der sich der Mama Körper regenerieren darf.

Die Zeit, in der sich eine Familie (neu) formiert.

Die Zeit, in der manchmal alles ein bisschen Kopf steht. 

Die Zeit, die oft vergessen geht.

Dass wir in einer leistungsorientierten Gesellschaft leben muss ich euch ja nicht erzählen. Vor allem hier in der Schweiz, wo es keinen Mutterschutz ab der 34. SSW und nur 14 Wochen Mutterschaftsurlaub gibt, ist es oft so, dass die Frauen bis knapp vor den Entbindungstermin arbeiten und nach der Geburt möglichst schnell alles wieder im Griff haben möchten.

Auch wenn sich eine Frau dafür entscheidet, nach der Geburt nicht mehr zu arbeiten, sind diese 14 Wochen bei uns tief ins Hirn eingebrannt. Bis dahin hat alles zu funtionieren. So dachte ich nach der Geburt von unserem ersten Kind auch. Und genau so bin ich mit einer ziemlich grossen Erwartungshaltung und einem enormen Zeitdruck in unser Wochenbett gestartet. Weil ich vorgängig beschlossen hatte, nach 14 Wochen wieder 60% zu arbeiten.

Alles war organisiert. Der Kita Platz, der Eingewöhnungsplan fürs Baby, der Tag, an dem mein Mann zu Hause blieb um zu unserem Sohn aufzupassen. Ich fühlte mich sicher. Das, was organisiert und definiert werden konnte, hab ich organisiert und definiert.

Ich hab mich körperlich sehr schnell von der Geburt erholt und mich mit dem MamaLeben angefreundet. Ich fands einfach nur toll. Und trotzdem hab ich es total sein gelassen, wirklich, wirklich das alles ruhig anzugehen und auch auf der Seelenebene anzukommen. 

Mein Sohn musste relativ schnell funktionieren. Das war wohl auch der Grund, weshalb ich mein erstes Wochenbett nicht wirklich genossen oder geplant hab.

Der Fokus lag darin, möglichst schnell in einem gut funktionierenden Tagesablauf anzukommen.

Das war nach der Geburt von meiner ersten Tochter nicht viel anders. Erst als Enie, unser drittes Kind auf die Welt kam, wurde mir so richtig bewusst, wie wichtig es für das Baby und auch für die Mama und die Familie ist, in Ruhe anzukommen. Deshalb kommt hier meine ganz persönliche MustDoListe für das Wochenbett. Ich find es mittlerweile echt wichtig, sich vorgängig über jeden einzelnen Punkt Gedanken zu machen, damit man nachher nicht in Stress kommt oder irgendwie in einen Sog, aus dem man nicht mehr raus kommt.

1. Sich auf das Wochenbett einlassen.

Ja, ich gebe es zu, ich hab mich nach jeder Geburt gefühlt wie eine Superheldin. Ich hab gestrotzt vor Energie und hätte am liebsten Bäume ausgerissen, so gross waren meine GeburtsFlashs.

Nur leider ist das nicht bei jeder Frau so. Und viel zu oft legt frau den Fokus einfach nur auf die Geburt. Vor allem dann, wenn sie zum allerersten Mal schwanger ist.

Das eigentliche Abenteuer beginnt aber erst im Nachhinein. Das wurde mir erst bewusst, als ich mitten im Wochenbett steckte. Wenn du also einen gemütlichen, ruhigen Start in das Leben als Mama wählen möchtest, dann ist es wichtig, dass du für dich die wichtigsten Bedürfnisse die du hast erkennst und bewusst machst.

Viele Fragen müssen geklärt werden. Zum Beispiel, ob und wann du wieder arbeiten möchtest, wer und wie das Kind betreut wird, ob dein Partner auch noch ein Weilchen Urlaub nimmt um dich zu unterstützen.

2. Plane deinen Krankenhaus oder Geburtshausaufenthalt

Falls du im Kranken- oder Geburtshaus gebären wirst, sei dir bewusst, dass dein Wochenbett an diesem Ort starten wird. Haben dir grosse Ferienlager mit 10er Schlag schon damals nichts ausgemacht? Dann ist es für dich sicher kein Problem in einem allgemeinen Zimmer mit einer, zwei oder drei anderen Frauen und ihren Babies zu liegen.

Oder bist du eher der Typ Frau, die gerne ihre Rückzugsmöglichkeit hat? Die ihren Partner auch schon am Geburtsort in den Altag mit Baby einbinden möchte? Dann würde es sicherlich Sinn machen, ein Privatzimmer zu belegen. Hier in der Schweiz bieten viele Kliniken ein upgrade oder Familienzimmer für einen Aufpreis an.

Was ganz spezielles ist der Wochenbettstart im Geburtshaus. Mein eigener, letzter Aufenthalt im Geburtshaus fühlte sich für mich wie ein WellnessUrlaub an.

Falls du dich zu den hochsensiblen Frauen zählst und jetzt schon weisst, dass du deinen eigenen Raum brauchst, um dich wohl zu fühlen und bei dir anzukommen, möchte ich dir ein Einzelzimmer an dieser Stelle ans Herz legen.

3. Lege fest, wer euch wann besuchen kommen soll.

Mir persönlich war es sehr wichtig, die ersten Tage mit unserem neuen Familienmitglied alleine zu verbringen. Ich wollte Ruhe. Keinen Rummel. Ich wollte für mich sein, mit meinem Partner sein und mit unserem Baby. Ich wollte die Möglichkeit haben, in Ruhe nochmals die Geburt durchzugehen, zu verarbeiten, meinem Körper Ruhe gönnen um sich zu regenerieren.

Denn der Altag kommt noch schnell genug. Und der sieht so ziemlich anders aus, als das, was man vorher Altag nannte. 

Ausser den ganz engen Familienmitgliedern hat uns die ersten beiden Wochen niemand besucht. Ein gutes Argument, das ich immer hervor brachte war folgender Satz: „dieses Kind wird hoffentlich noch mindestens 90 Jahre auf dieser Welt sein, ihr habt also noch genug Zeit, um es kennen zu lernen!“

Vielleicht bist du ja eine Partymaus und es macht dir nichts aus, kurz nach der Geburt im Netzhöschen jeden Abend mit Freunden und Bekannten die Ankunft von eurem Kind zu feiern. Für mich war das nichts. Deshalb hab ich mit meinem Mann ganz klar eine Priotitätenliste geführt, wer ab wann uns besuchen kommen durfte.

3. Geh alles ganz ruhig an

Das Wochenbett ist die Zeit, die uns in den neuen, ungewohnten Mamaaltag begleitet. Es bietet uns die Möglichkeit,  langsam anzukommen in der Mutterrolle. Sei dir bewusst, dass du nicht schon eine Woche nach der Entbindung die perfekte Mutter sein musst, die alles im Griff hat. Nutze die Zeit, um in deiner Rolle anzukommen. Finde heraus, was dich stresst, was dir Sicherheit und Vertrauen gibt.

Und vergiss nicht: Dein Baby braucht auch seine Zeit, um in dieser Welt anzukommen. 280 Tage oder neun Monate lang ist es in dir gewachsen, schwebte es ruhig und entspannt in deinem Fruchtwasser. Hörte es deinen Herzschlag permanent. Und jetzt? Jetzt muss es sich mit der Schwerkraft, mit Hungergefühl und anderen Menschen, Energien beschäftigen. Das ist für dein Kind das genau so komplett neue Leben wie für dich. 

Also gönn auch deinem Baby genug Zeit und Ruhe, um in der Welt anzukommen, wenn du es schon nicht für dich machst, dann machs bitte für dein Kind.

4. Hol dir Hilfe

Waschen, Putzen, Aufräumen, den Garten pflegen… All das verliert an Bedeutung. Da wären so viele Dinge zu machen, aber du konntest nichts anderes, als zu diesem kleinen Wesen zu schauen, das immer wieder Hunger oder eine volle Windel hat, das dich einfach nur spüren möchte.

Und ganz ehrlich: du musst nicht mehr! Sich um dein Baby zu kümmern ist die grösste Aufgabe, die du in diesem Moment gerade hast. Mach einfach das, was gerade möglich ist, und werte es nicht. Auch wenn es fünf Stunden dauert, bin du die Abwaschmaschine eingeräumt hast. Sei dir bewusst, dass andere Zeiten kommen. Es wird die Zeit kommen, in der du den Altag im Griff haben wirst.

Bis dahin hol dir Hilfe, damit du das Chaos in Grenzen halten kannst. Ich kann mich noch daran erinnern, wie froh ich darüber war, dass mein Mann nach der Geburt von unserem ersten Kind ganze sieben Wochen Urlaub hatte. Das gab mir unglaublich viel Sicherheit. Ich wusste, dass ich nicht alleine bin, dass ich Hilfe habe und mich einfach auf das Baby und meine Erholung konzentrieren darf.

5. finde heraus, was deine Bedürfnisse sind.

Ganz ehrlich: ich hab das Wochenbett zum Anfang total unterschätzt. Es war mir nicht bewusst, wie wichtig es ist, bei sich als Mutter und beim Baby anzukommen. Als Familie anzukommen. Ich hatte wohl das Gefühl, dass das alles von alleine läuft. Und hab mich einfach mal so hinein geschickt in diese Sache.

Ich habe aber ziemlich schnell, als ich mitten im Wochenbett steckte heraus gefunden, was meine Bedürfnisse waren. Und diese habe ich dann auch kommuniziert.

Wenn du grundsätzlich ein Mensch bist, der den Rummel liebt, wird es dich sicherlich nicht gross stören, wenn dein Wochenbett auch nicht ruhig verläuft. Bist du aber eine hochsensible Person, die sich immer wieder zurück ziehen muss, um zu regenerieren, dann sei dir bewusst, dass du höchstwahrscheinlich das Wochenbett auch in Ruhe und ohne grosses Tam Tam angehen möchtest.

Sich schon im Voraus über diese Bedürfnisse Gedanken zu machen und die Eckpfeiler von deinem Wochenbett festzulegen können dir Sicherheit und ein entspanntes Eintauchen in das Leben mit Baby geben.

6. Kommuniziere ganz klar und deutlich.

Kommuniziere deine Wünsche und Bedürfnisse, damit nachher niemand in ein Fettnäpfchen treten kann. Und ja, es mag sein, dass bestimmte Personen beleidigt oder enttäuscht sind, weil sie euch im Kranken- oder Geburtshaus nicht besuchen kommen dürfen. Sei dir aber bewusst, dass das nicht dein Problem ist, sondern das der Andern. Das Wohl von dir, deiner Familie und deinem Baby stehen an oberster Stelle.

Dieser Artikel ist entstanden, weil die liebe Andrea vom Motherbirthblog zur #Blogparade zum Thema Wochenbett aufgerufen hat! Vielen lieben Dank für die inspiration!!!

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