Es gibt sie, diese Momente, wo ich mir Gedanken darüber mache, von wo wir kommen und wohin wir gehen. Was es ist, das uns als Mensch so ausmacht?

Ist es tatsächlich so, dass wir nur eine Ansammlung von verschiedenen Zellen und Organen sind, mit einem Hirn das alles leitet, organisiert und uns rational denken lässt? Sind wir wirklich nur das? Entstehen Nahtodeserfahrungen bloss deshalb, weil unsere Hirne an einem grossen Sauerstoffmangel leiden?

Ist da wirklich, wirklich nichts, gar nichts vor und nach diesem Leben hier?

Ich weiss es nicht. Schliesslich bin ich ja auch keine Wissenschaftlerin. Und tatsächlich ist es so, dass ich die ganze Sache gar nicht mit dem Kopf verstehen will. Denn der Kopf steht manchmal dem Gefühl so ziemlich im Weg. Das, was ich fühl, das kann ich dir hier in diesem Text weiter geben, beschreiben und wer weiss, vielleicht liest du diesen Artikel nicht nur mit deinem unglaublich tollen Hirn und den scharfen Augen, die du in diesem Leben mit auf den Weg bekommen hast, sondern öffnest dein Herz für das, was ich Zwischenwelt nenne und versuchst zu fühlen, wie sich das, was ich gerade schreib, für dich so anfühlt. Zum Schluss darfst du  dann für dich entscheiden, ob es sie gibt, diese Zwischenwelt, oder ob wir tatsächlich bloss ein System aus Zellen, Organen und Hirnen sind.

Zum aller ersten Mal hab ich mich zwischen den Welten gefühlt, als ich mitten im Kinderwunsch steckte. Es fühlte sich an, wie ein anderer Raum, in dem sich jemand befand. Ein kleines, feines Etwas. Ich spürte es, am Anfang nur zaghaft, später ganz präsent, manchmal auch ziemlich stark und fordernd.

Diese Energie.

Was es wohl war? Ich fragte nach und fand heraus, dass es die Seele von meinem ersten Kind war, die mich ab und zu besuchen kam. Das war nicht immer ganz einfach für mich. Nämlich dann nicht, wenn ich merkte, dass ich wieder nicht schwanger wurde, trotzdem aber spürte, dass da jemand ist.

In solchen traurigen Momenten sagte mein Verstand oft zu mir: „du spinnst, da ist niemand. Das hättest du wohl gerne so.“

Zum Glück war mein Kopf nicht der Einzige, der zu mir sprach. Da gab es noch was anderes, ein Gefühl, das ganz stark war. Und ich weiss heute, dass es mein Herz war, dass dem Ratio entgegen hielt:  „nimm wahr, verbinde dich, vertraue, es ist alles in bester Ordnung so, wie es ist“, meinte mein Herz.

Wenn es diese Zwischenwelt tatsächlich gab und mein Kind ein Reisender ist, der von dieser Welt kommt, langsam sich mit der Erde anfreundet, hier ist, um mir hallo zu sagen und ich die Seele wahr nehmen kann, dann, ja dann sollte es doch möglich sein, mit dieser Seele in Verbindung zu treten, zu kommunizieren, oder?

„Was für ein Schwachsinn“, sagte der Verstand,

„nur zu“ meinte mein Herz.

Und so verband ich mich. Meditierte, stellte mir die Seele vor. Oft war sie nur ein kleines, farbiges Licht. Ich genoss ihre Präsenz. Und plötzlich, ja plötzlich lagen da auf meinem Weg immer wieder kleine, weisse Federn. Jede einzelne von ihnen hob ich hoch mit einem Lächeln, weil ich wusste, dies ist ein kleiner Seelengruss.

Aus der Zwischenwelt.

„Alles nur Zufall und Einbildung“ meinte der Kopf.

„Alles richtig und wahr, so wie du fühlst“ sagte das Herz.

Die Zeit verstrich, ich wurde schwanger. Freute mich, endlich, endlich kommt sie zu mir, diese kleine, feine Seele. Doch leider hat sie den Sprung in den Körper, in unsere Welt nicht geschafft. Sie blieb in der Zwischenwelt stecken.

„Dein Baby ist tot und du hast es nicht mal gemerkt, nicht mal gefühlt, dass etwas nicht stimmt! Wenn sie mit dir kommuniziert, diese Seele, wieso hat sie jetzt nichts gesagt?“ Meinte der zweifelnde Verstand.

„Dein Körper hat richtig funktioniert, weisst du, wenn man sehr hoch schwingt, dann ist es manchmal ein bisschen schwer, in einen so erdigen Körper zu inkarnieren. Dein Kind, seine Seele war und ist immer bei dir.“ Meinte mein nicht wertendes Herz.

Ein Teil von mir war total wütend. Die Wut überrollte mich förmlich. Das, genau das, wollte ich nicht. Niemals wollte ich das erleben. Und doch ist es passiert. Hat es mich mit gerissen, hat es mein Leben verändert, bin ich dadurch später eine andere Mutter geworden.

Irgendwann wich langsam die Wut und der Schmerz und ich bekam wieder neuen Mut. Ich begann wieder damit, die Zeichen, die ich von der Zwischenwelt erhielt zu geniessen. Ja ich gebe es zu. Ein Weilchen lang hatte ich genug von dieser Seele, mochte ich nicht mehr sie zu mir einladen, wollte ich für mich sein. Mit mir Frieden schliessen. Bis ich wieder bereit war, sie willkommen zu heissen, mit ihr in Verbindung zu treten und zu kommunizieren. Wir wurden immer besser darin, unsere Leitung zu einander wurde immer stärker. So stark sogar, dass Spatzen zu mir geflogen kamen, mit kleinen weissen, flauschigen Federn im Schnabel, die sie mir fast schon in den Schoss legten.

„DAS ist ganz sicher kein Zufall mehr“, sagte das Herz. Und auch der Kopf musste manchmal zugeben, dass da wirklich etwas ganz Spezielles zu sein schien.

Und so gewann das Herz über den Verstand.

Ganz langsam. Schritt für Schritt. Immer öfter.

Ich wurde nochmals schwanger mit derselben Seele und ich hab sie geboren. Zwei weitere, wunderbare Seelen sind dazu gekommen. Drei Mal durfte ich gebären, diese Kinder in diese Welt begleiten, mit ihnen zusammen arbeiten, bis sie wirklich da waren, im Hier und Jetzt. Drei Mal hab ich mich selber zwischen den Welten gespürt. Drei Mal hab ich mich ganz nah dort gefühlt, von wo wir her kommen. Ein Tor macht sich auf in  eine andere Dimension. Unter der Geburt existiert kein Raum und keine Zeit. Es gibt nur das Hier und Jetzt, die Zwischenwelt und das, was wir Erde nennen. Und so kommen sie auf die Erde, diese Kinder. Diese Babys. Sie werden geboren, manchmal mit Mühe, manchmal ganz leicht.

Und wir Mütter? Wir sind der Kanal, die Verbindung zwischen den beiden Welten, zwischen Himmel und Erde. Es scheint, als fliesse durch uns diese unglaubliche Gebärkraft, als dürfen wir Kanal sein. Wir sind es, die diese Seele auf die Welt bringen, ihnen helfen, in einen Körper geboren zu werden. Wir dürfen diese Kraft sein, uns mit ihr verbinden, sie ungehindert, frei fliessen lassen. Wir dürfen diese Kraft erden, auf die Erde bringen, unsere Kinder auf die Welt bringen. Eine ganz grosse Ehre, wie ich finde, oder nicht?

„Da ist noch mehr. Da reisen Seelen, sie kommen aus einer anderen Welt, der Zwischenwelt, einem Seelenraum und geben während der Geburt nochmals ganz klar ein JA zu diesem Leben, dieser irdischen Existenz, die sie gewählt haben. Alle sind wir Seelen auf Reisen.  Alle haben wir, bevor wir hier her kamen einige Erfahrungen ausgesucht, die wir hier machen möchten. Erinnere dich daran.“ Sagt mein Herz.

Und der Verstand bleibt still.

Und so erinnere ich mich. Es sind meine Kinder, diese drei unglaublichen Seelen, die mich immer und immer wieder daran glauben und wissen lassen, dass da noch mehr ist, dass es nicht nur darum geht, möglichst gescheit und erfolgreich durch diese Welt zu gehen, sondern zu spüren, was das Herz einem sagen will.

Ich hab sie noch einige Male gespürt, diese Zwischenwelt. So fest manchmal, dass ich das Gefühl hatte, dass mich Hände berührten, dort, wo keine zu sehen waren. Und ich spür sie heute noch oft, verbinde mich sehr gern mit ihr. Ich spür sie, wenn Kinderseelen bei ihren Eltern anklopfen, wenn Kinder auf die Welt kommen, wenn ich den Babies zum ersten mal in ihre tiefdunklen, weisen Augen schau.

Ich spür sie aber auch dann, wenn ich merke, dass bald jemand wieder zurück dort hin reist, von wo er gekommen ist.  Auch das fühlt sich schön an, voller Liebe und Vertrauen. Es fühlt sich schon fast so an, als würden wir dort hin getragen, so wie wir in dieses Leben getragen werden.

„Erzähl keinen Mist!“ Meint der Kopf dazu.

„Ja wir sind da. Immer,“ sagt mir das Herz.

 

Dieser Text wurde in der neuesten Ausgabe von The MotheringJourney veröffentlicht. Ein wunderschönes Heft rund um die Themen Schwangerschaft, Geburt und Mutter sein.

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