Es gibt ganz viele Bezeichnungen für ihn: Muttermund, Zervix, Gebärmutterhals oder die verniedlichende Variante Mumu. Ganz ehrlich gesagt, bis kurz vor meiner ersten Geburt hat mich dieser Muttermund sehr sehr wenig interessiert, war er bloss existent, wenn ich beim Frauenarzt diesen doofen, alljährlichen Abstrich davon machen liess. Heute sieht das etwas anders aus.

Zuerst etwas Theorie, aus Wikipedia:

Die Cervix uteri, auch einfach als Cervix oder Zervix bezeichnet (lat. cervīx „Hals“, „Nacken“ und uterus „Gebärmutter“), ist der Gebärmutterhals, also der untere Teil der Gebärmutter, der die Öffnung zur Scheide, den Muttermund, enthält.

Die Zervix stellt die Verbindung der Gebärmutter in die Scheide dar. Die Öffnung ist von dicker Schleimhaut umgeben, die ca. 3 cm weit in das Scheidendach vorragt. Im Normalfall ist die Öffnung eng, um ein Aufsteigen von Keimen in die Gebärmutter zu verhindern. Während der Geburt wird die Zervix unter dem Einfluss des Hormons Prostaglandin F weicher, sie öffnet sich während der Wehen und hat beim Durchtritt des Babykopfes einen Durchmesser von über 10 cm.

10cm Durchmesser muss dieser Zervix also irgendwann mal erreichen, damit ein Baby durch den Geburtskanal passt. Wie lange ist etwa ein Geburtskanal? Die Distanz ist ja theoretisch nicht wirklich weit, vielleicht auch nur 10cm? Der Gebärmuttermund stellt also diese Schranke dar, die durchbrochen werden muss, ist also das Türchen, das sich öffnen sollte. Und das Türchen muss sich ziemlich weit öffnen, so macht es mir jedenfalls den Eindruck.

Der Mumu ist so zu sagen das Stimmungsbarometer der Geburt. Ist das Türchen noch fest verschlossen, ist die Party noch nicht wirklich im Gange. Geht es langsam auf, sagen wir mal 2-3cm, dann wird schon langsam warm getanzt. Bei 10cm legen wir dann los mit der Bolognese. Diesen Umstand haben auch viele Geburtshelfer erkannt und manchmal werd ich den bösen Gedanken einfach nicht los, dass gewisse Ärzte nahezu süchtig danach sind, zu schauen, ob die Party nun abgeht oder nicht.

Bei meiner ersten Geburt hat mich das Stimmungsbarometer in meinem Innern zu schieren Verzweiflung gebracht. Ich muss voraus schicken, dass die Geburt eingeleitet wurde, da ich einen Blasenriss hatte. Mein Körper und mein Baby waren eigentlich gar noch nicht wirklich auf die Party vorbereitet, das Türchen war fest verschlossen. Und so kam es, dass ich über 36 Stunden immer wieder darüber informiert wurde, wie weit die Sause denn schon im Gange war.

Die ersten 24 Stunden lang war tote Hose. Meine Gebärmutter hat alleine für sich ein bisschen Salsa oder Rumba getanzt aber an Partystimmung war für alle anderen Beteiligten nicht zu denken. Genau DAS war total frustrierend. So hab ich mir meinen Gebärmuttermund immer und immer wieder visualisiert wie er sich öffnet wie eine Blüte, und Halleluja, als mir die Hebamme nach dem gefühlten 1000sten mal Türchen tasten erklärt hat, dass wir jetzt bei 4cm sind und in den Kreissaal gehen könnten, kam auch ich langsam in Partystimmung.

Dieses Türchentasten hat mich fast wahnsinnig gemacht, und ich bin mir sicher, dass ich damit nicht die einzige bin. Ich höre oft von Frauen, dass ihr Muttermund bloss x cm weit offen war als sie ins Spital kamen und deshalb die Geburt langsam voran ging, oder das ihnen sogar mit Kaiserschnitt gedroht wurde, würde sich das Türchen nicht in einer bestimmten Zeit eine bestimmte Distanz öffnen. Wenn ihr mich fragt, wäre genau diese Kaiserschnittdrohung für mich Partykiller Nummer 1!

Naja. Manche Türen gehen eben schneller auf als andere. Oder nicht? Manche werden mit Schwung aufgerissen, andere eher zaghaft. Dann gibt es Türen, die brauchen einen Sicherheitscode oder speziellen Schlüssel, andere einen Zauberspruch a la Sesam öffne dich… Ist daran irgend etwas falsch? Ich denke nicht.

Als ich mit meinem zweiten Kind schwanger war hab ich mir geschworen, ich mach das Türchentheater nicht mehr mit! Ich hab angefangen, immer wieder dem Türchen gut zuzureden (ja ich hab ihm zugeredet!!! Und ich machs jetzt auch wieder!), dass es genau weiss, wann und wie schnell es aufgehen möchte, um die Fete steigen zu lassen. Als ich im Krankenhaus, knapp 3 Stunden bevor meine Tochter zur Welt kam untersucht wurde, war mein Mumu 2cm offen. Das war die erste und einzige Türchenuntersuchung die ich hatte. Aus reiner Neugier. Und so hab ich mir gedacht: „Naja, das kann ja noch ein Weilchen dauern“, hab die 2cm Wertung schnell wieder verdrängt und darauf vertraut, dass sich Sesam so öffnen wird, wie es denn sein muss. So schnell und schwungvoll wie sie es will.

Und die Party war toll! So toll, dass am Schluss sogar die Belegshebamme und mein Frauenarzt mit uns getanzt haben, hihi.

Und die Moral von der Geschichte? Nur ich kennt das Passwort für mein Türchen. Und niemand weiss im Voaus, wie schnell es auf gehen wird, oder ob es sich sogar wieder schliessen möchte, wenn da ein ungebetener Partygast davor steht. Darum lassen wir dieses Mal das Türchentasten ganz aus. Ist mir zu relativ diese Sache.

Lieber machen wir es uns gemütlich mein Türchen und ich, stellen schon mal die Playlist zusammen für ein schwungvolles Tänzchen, verteilen ein paar Flyer und sind gespannt darauf, wenn es sich dann öffnen wird. In seinem ganz eigenen Tempo. Gebärmutter und Baby üben unterdessen schon mal die ersten Moves.

Share This
HerzBauchWerk Newsletter

HerzBauchWerk Newsletter

Ja, ich möchte mich von HerzBauchWerk per Mail inspirieren lassen!

Du hast dich erfolgreich angemeldet!