Gibt es bei dir auch diese Tage, wo nichts läuft? Wo scheinbar alles einfach nur nervig ist und sich der ganze Tag wie ein zäher Kaugummi in die Länge zieht und sich deine Nerven anfühlen wie kleine Blitze die jeden Moment in deinem Körper ausbrechen?

Sitzt du manchmal auch da und denkst dir, „eigentlich würde ich am liebsten jetzt ganz anders reagieren. Ich wär gerne viel gelassener mit den Kindern, weniger gestresst, würde lieber achtsamer durch dieses Leben gehen. Dieses nerven nervt mich.“

Pua ja, es gibt sie, diese Tage in meinem Leben. Gerade im Moment läuft so viel, gibt es so viel zu erledigen, muss ich mich extrem konzentrieren, dass ich nichts verpasse oder vergesse. Das ist für mich sehr anstrengend und nervenaufreibend. Die Tatsache, dass bald Weihnachten vor der Türe steht macht das Ganze nicht einfacher. Aber das ist ein anderes Thema. Ich bin nämlich ein absoluter WeihnachtsGrinch.

Was können wir tun, wenn wir wieder in Muster verfallen, die uns selber eigentlich nicht gefallen? Ich würde oft gerne ganz anders reagieren was meine Kinder angeht. Es sind oft immer die selben Situationen, die mich zur Weißglut bringen, die ich eigentlich als Mama am liebsten anders handeln würde. Es sind Situationen, in denen ich mich selber anfange zu hassen für das, was ich dann bin. Und ich frage mich dann oft: Muss ich denn das sein?

Zum Beispiel am Morgen. Mein Sohn ist ein absoluter Tämpeli. Er braucht manchmal eine halbe Stunde, um sich den Schlafanzug aus- und die Kleider an zu ziehen. Das treibt mich schon in den frühen Morgenstunden dazu, völlig gestresst neben ihm zu stehen und tausend Mal zu fragen: „Hast du dich schon angezogen? Nein? Dann mach endlich vorwärts!“ Bua. wie ich mich hasse dann in diesem Augenblick. Das kannst du dir nicht glauben.

Was kann ich dagegen tun? Ich hasse es, meine Kinder herum zu kommandieren und vor allem meinen Sohn in den Tag zu zwingen. Er hat sein eigenes Tempo. Das war schon immer so und wird sich durch sein Leben ziehen. Er brauchte schon für seine eigene Geburt 36 Stunden. Er ist einfach unser Tämpeli.

Halt. Oh. Ich verstehe. Da drück ich jetzt gerade schon ein Glaubensmuster auf. Seit er auf der Welt ist, hört er nämlich diesen Satz: Du bist der Herr Tämpeli. Eigentlich gar nicht böse gemeint. Und doch, vielleicht, irgendwann mal wird diese Definition verletzend für ihn. Dann nämlich, wenn er merkt, dass er langsamer ist als alle anderen und das Gefühl hat, dass es besser ist, schnell zu sein.

Doch wer sagt schon, was richtig und was falsch ist? Wer gibt das Tempo vor?

Ganz böse gesagt, kann ich mich, als eine, die ziemlich rassig durchs Leben geht mich nicht oder nur sehr schlecht an sein Tempo anpassen. Und er hat Mühe damit, sich an mich anzupassen.

Aber er versucht es. Plötzlich fängt er dann auch an in den Stress zu kommen, vorwärts zu machen. Auf dem Schulweg rennt er oft hinter mir her. Er passt sich an ein Tempo an, das ich ihm vorgebe und ihm nicht entspricht. Und ich akzeptiere sein Tempo nicht, weil es mir zu langsam ist.

Wow, ja das ist ein grosses Thema von uns beiden. Es hat schon vor der Schwangerschaft angefangen. Denn mein Sohn liess sich auch damit Zeit, zu uns zu kommen. Für meine Verhältnisse viel zu lange habe ich darauf gewartet, um mit ihm schwanger zu sein. Das war damals schon sehr schwer für mich.

Ist er hier her gekommen, zu mir, um mir mein Leben schwer zu machen? Nein sicher nicht. Er ist hier her gekommen, um sein Leben, seine Erfahrungen in seinem Tempo durch zu machen. Es ist sein Rhythmus, den er schon bevor er inkarniert wurde mit genommen hat.

So wie ich meinen hab. So takten wir einfach etwas unterschiedlich. Spannend, wie mir das Schreiben von diesem Text eine ganz spannende Erkenntnis schenkt. (Vielleicht mach ich in deinen Augen einfach auch aus einer kleinen Sache ein grosses Ding, wer weiss)

Ist nicht das der grosse Schlüssel im Leben? Zu erkennen, wie man selber diese Welt, dieses Leben erfahren möchte, welche Werte einem wichtig sind, um die eigene Würde zu erkennen und fest zu stellen, dass genau diese Würde eines jeden Menschen etwas ganz anderes sein kann? Wir sie unantastbar sein lassen sollten?

Ist es nicht gegen die Würde meines Sohnes, jeden Morgen aufstehen zu müssen mit einer Mutter neben sich, die, kaum hat man die Augen geöffnet her gestampft kommt mit der Milchtasse in der Hand und einem aus dem Bett treibt mit den Worten: „Du musst jetzt vorwärts machen. Trink deine Milch. Zieh dich an. Putz deine Zähne hopp hopp hopp!“

Ich weiss es nicht. Ich weiss nur eins. Für mich fühlt es sich absolut doof an. Ich glaube, wenn man mich filmen würde und mir diesen Film abspielen würde, ich würde mich in den Boden schämen.

Und doch mach ich es jeden Morgen gleich.

Und jetzt? Was mach ich jetzt damit? Weiter so? Weil ich einfach muss? Weil mein Kind ja in den Kindergarten muss und es andere Kinder gibt, die auf ihn warten auf dem Schulweg und ich die Verantwortung für ihn hab und er das lernen muss und Mama sein nicht immer nur ein Schoggijob sein kann und sowieso…

Hm. Nein. Ich hab keinen Bock mehr darauf. Ich glaube, ich versuchs mal mit Kuscheln. Mach die Tasse Milch, lieg mich zu ihm für fünf Minuten und versuche sein Tempo zu spüren. Seinen Rhythmus. Mich ihm anzupassen. Und ich lass das mit dem Herr Tämpeli sein. Wer sagt schon, wie schnell man durch diese Welt gehen muss? Es ist sein Leben, sein Bewusstsein, seine Welt, nicht meine. Ich darf ihm nicht meins überstülpen. Vielleicht passt das zu ihm ganz und gar nicht.

Und ich? Ja ich sollte vielleicht auch etwas gelassener den Tag starten. Heraus finden, was mir als Mutter wichtig ist. Will ich ein böser Drache sein, der sich den Respekt mit Gewalt erkämpfen muss? Kinder brechen muss? Damit sie schön brav und gut und erfolgreich raus kommen? Gesellschaftsfähig werden? Soll ich sie für eine Gesellschaft fähig machen, die mir selber auch völlig widerspricht?

Echt jetzt?

Tanja, das kannst du aber besser!!!! Oder einfach anders. 😉

Also geh ich mal auf die Reise zu mir, um mir meiner Werte wieder bewusst zu werden. Fest zu stellen, was für eine Mama ich sein will. Nimm mich dann an der Nase und gehe in die Veränderung. Step by Step.

Das braucht manchmal auch Geduld.

Mit mir.

Und meinen Lehrern, die mir zeigen, was ich anders machen kann.

 

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