Immer wieder werde ich damit konfrontiert, dass mich jemand fragt, was es denn bringe, wenn man wisse, dass man hochsensibel sei.

Ganz ehrlich, so eine richtig gute Antwort ist mir noch nicht in den Sinn gekommen. Und so hab ich angefangen zu überlegen, wie ich das am besten rüber bring. Diese Geschichte ist dabei raus gekommen:

Stell dir vor, da ist dieses Kind, das unglaublich gerne malt. Es hat ein riesen Talent für sein Alter. Es hat aber leider auch Eltern, die sich nicht die Bohne für Kunst interessieren. Versteh mich nicht falsch, die Eltern von diesem Kind lieben es abgöttisch, mehr als sich selber. Genau deshalb finden sie, dass aus ihrem Kind etwas „richtiges“ werden muss.

Malen gehört da nicht dazu. Denn dieses Kind ist ganz sicher nicht auf die Welt gekommen, um irgend etwas vor sich hin zu träumen oder Bilder zu malen. Aus ihm soll etwas grosses werden.

Das Kind solle ja nicht so verweichlicht aufwachsen. Denn die Welt da draussen, die ist hart. Verdammt hart. Das mussten die Eltern von diesem Kind auch schon fest stellen. Und davor deren Eltern. Sie mussten alle ganz viel aufgeben und stark sein für ihr Glück. Es hat sie viel Schweiss gekostet, den Wohlstand zu erreichen, den sie heute haben.

Für Träumen, ja für träumen und Dinge wie malen gibt es in ihrer Welt keinen Platz.

Unser kleiner Künstler hat gelernt, dass malen etwas für Weicheier ist. Etwas für Menschen, die es zu nichts bringen, die in dieser Gesellschaft nicht gern gesehen werden, oder zumindest einfach nur schräge Vögel sind.

Kinder wollen grundsätzlich einfach eines. Und das ziemlich lange: geliebt und akzeptiert werden von den Menschen, die ihnen am nächsten sind. Unser kleiner Künstler hat also seinen Eltern zuliebe damit aufgehört zu malen und hat stattdessen richtig viel für die Schule gelernt. Denn er wollte gut sein. Er wollte der beste sein. Er wollte es zu etwas bringen.

Und doch, wenn er gemalt hat, konnte er sich auf eine ganz andere Art und Weise spüren. Er konnte das nur sehr schlecht beschreiben. Es war ein Gefühl von Verbundenheit. Ganzheit. Ja genau, er hat sich ganz gefühlt. Beim Malen konnte er alles vergessen und doch war er da. Präsent. Er und der Pinsel, er und die Farben, sie waren eins. Und doch wusste er, würde ihm dieses malen auf die Dauer nichts bringen. Es war brotlos. Also hörte er auf damit.

Das Kind wurde gross. Und aus ihm ist etwas wirklich wirklich Gutes geworden. Er hat Karriere gemacht. Seine Eltern waren stolz. Das Kind hatte einen tollen Job, eine nette Frau, tolle Kinder und ein nettes Haus. Und ganz viel zu tun. Denn er war unglaublich wichtig. So wichtig und wertvoll für diese Welt, dass er jeden Monat ganz viel Geld auf seinem Bankkonto hatte.

Ab und zu, dann wenn es ein bisschen ruhiger wurde um unser Kind, beschlich es dieses ungute Gefühl in der Brust. Es spürte, dass irgend etwas fehlte. Es hatte das Gefühl, da sollte irgendwie mehr sein. Jedes Mal, wenn es diese Sehnsucht spürte suchte es nach etwas im Aussen. Gefunden hat es ganz viel. Ein Auto, einen neuen Rasenmäher, ein Motorrad…

Die Sehnsucht machte sich aber immer breiter. Sie wurde nicht weniger. Im Gegenteil, sie wurde immer mehr. Die Sehnsucht wurde so stark, dass unser Kind krank wurde.

Das Kind, das zum Mann wurde konnte nicht mehr arbeiten gehen. Weil ihm alles zuviel wurde. So blieb es zu Hause. Das viel ihm unglaublich schwer, denn es war doch so wichtig. 10000 Franken pro Monat wichtig. Es fühlte sich schwach, weil es nicht arbeiten konnte, weil alles so viel war. Seine Welt brach zusammen. Aus unergklärlichen Gründen.

So blieb unser Kind eine Weile bei seinen Kindern. Eines Tages kam seine kleine Tochter zu ihm mit dem Farbkasten, Pinsel und Papier und fragte, ob es mit ihr ein bisschen malen würde.

„Mal du mal alleine. Das ist was für Kinder.“ Sagte das Kind, das mittlerweile ein Mann war. „Ich kann nicht malen.“ Seine kleine Tochter lächelte nur und  zog ihren Papa zum Tisch. Und so malten sie. Beide miteinander. In den buntesten Farben! Sie malten Häuser, Blumen, Bäume, Kleckse, einfach das, was ihnen in den Sinn kam, ganz ohne zu überlegen. Sie haben die Zeit vergessen. Es hat einfach so mit ihnen gemalt.

Aus dem Mann wurde wieder ein Kind. Er spürte, wie sein Herz wieder weit wurde, wie er sich zu Hause fühlte, wie viel Spass er hatte.

Und nur, weil seine Tochter ihm den Pinsel in die Hand gedrückt hat und ihn lächelnd zum Tisch zog.

Alle Bewertungen sind in diesem Moment von ihm abgefallen. Er hat sich nicht verglichen, musste nichts, hat einfach nur den Moment genossen. Fühlte sich frei.

In jedem von uns steckt ein solcher kleiner Künstler. Jede von uns hat das Potential feinfühliger zu werden. Vielleicht muss einfach wer kommen und uns den Pinsel in die Hand drücken, uns weg ziehen aus dem grauen Alltag, aus den fest gefahrenen Mustern.

Vielleicht brauchen wir einfach ein paar ruhige Minuten und den Mut, anzufangen mit malen. Egal, was dabei heraus kommt. Egal, was die da draussen dazu sagen werden.

Also was bringt es nun, zu wissen, dass man ein Künstler ist, wenn man nie mehr einen Pinsel in die Hand nimmt? Ziemlich wenig. Genau so wenig, wie wenn man weiss, dass man hochsensibel ist, aber das ganze Potential, welches dahinter steckt nicht lebt.

Ich bin dazu da, um den Menschen den Pinsel in die Hand zu drücken. Und mit ihnen zu malen. Den Künstler raus zu locken, Potentiale zu entfalten, zu beobachten, was dann passiert. Und meistens passiert ganz viel wunderbares!

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