Ei ei ei, sie scheinen ja schon niemals zu enden, diese Diskussionen darüber, was eine gute Mutter ausmacht. Ich finde es ja immer wieder unglaublich spannend, das alles zu beobachten. Ab und zu nehme ich die Tatsache, dass wir Mütter wohl den einsamsten Job auf der Welt haben und uns oft unnötig gegenseitig fertig machen, als Anlass, einen Artikel darüber raus zu hauen. Wie diesen hier.

Mutter sein verbindet. Sollte man meinen. Ist es nicht so, dass wir Mütter sehr verbindende Aspekte in uns tragen? Wir haben die grosse Gabe, uns in unsere Kinder einzufühlen, meistens besser als jeder andere Mensch, der sie in ihrem Leben begleitet. Wir merken oft schon im Voraus, wenn irgend etwas mit unserem Kind nicht stimmt. Nicht selten kommt es in meinem Alltag vor, dass ich etwas denke, was meine Kinder ein paar Momentchen später dann aussprechen. Wir wollen für unsere Kinder da sein, das beste für sie, sie beschützen, ins Leben begleiten, eine gute Mama sein halt.

Wie wir das machen sollte doch eigentlich total egal sein. Oder nicht? Mutter zu werden und zu sein war und ist bis jetzt das grösste Abenteuer in meinem Leben. Nichts, so finde ich, hat mich so sehr verändert. Und doch bin ich immer noch dieselbe geblieben. Bin ich immer noch Tanja. Die Frau, die Partnerin, das verrückte Mädchen das gerne malt, schreibt und vieles sieht, das oft verborgen bleibt.

Das MutterWerden hat mich in ungeahnte Höhen katapultiert. Ich habe meine Weiblichkeit ganz neu erfahren dürfen. Es hat mich aber auch in grosse Krisen manövriert.

Sinnkrisen.

Wer bin ich? Wozu bin ich da? Hab ich meine ganze Aus- und Weiterbildung für nix gemacht? Gebe ich mich auf? Bin ich eine Glucke? Kann ich das so oder so machen? Was ist nun richtig und was falsch? Wird mein Körper irgendwann wieder mal „normal“ aussehen? Und scheiiiisseeee, werde ich irgendwann mal wieder Sex in meinem Leben haben?

Mutter sein ist was ganz tolles. Kann aber echt auch beschissen sein. Sorry, wenn ich das jetzt so sage. Denn Mutter werden und Mutter sein verändert unglaublich viel im Leben, obwohl man eigentlich ja immer noch dieselbe bleibt. Mutter sein zwingt dich oft dazu, dich zu positionieren. Genau dieses Position beziehen fängt schon ganz früh an:

In der Schwangerschaft: Zu welcher Art Schwangeren willst du gehören? Den ganz taffen, die bis zum GeburtsTermin den Kopf runter halten, weiter machen wie bisher, alles geben, krampfen, weil schliesslich ist man ja nicht krank und will es der Welt zeigen, dass man alles im Griff hat. Oder gehörst du zu der Sorte, die die Schwangerschaft als Anlass nehmen, mal wirklich, wirklich hin zu hören, dem Baby zu lauschen, in Verbindung zu gehen, die Veränderungen des Körpers annehmen und das Ganze entspannt angehen?

Ich war schon mal beides davon.

Das Thema Geburt: Gehörst du zu den Frauen, die auf Nummer sicher gehen, im Krankenhaus gebären wollen, weil dort alle schon ganz genau wissen, was zu tun ist? Bist du jemand, der locker flockig alles auf sich zu kommen lässt, weil man vieles ja eh nicht beeinflussen kann oder willst du dich bestmöglich auf deine WunschGeburt vorbereiten? Fühlst du dich in einem Geburtshaus, in Begleitung von einer Hebamme sicherer? Oder entscheidest du dich gar für eine Hausgeburt?

Ich durfte verschiedene Geburtserfahrungen machen. Krankenhausgeburt, Hausgeburt, Geburt mit Interventionen, selbstbestimmtes, kraftvolles Gebären, lange Geburt, kurze Geburt, eingeleitete Geburt, PDA, keine PDA. Hypnobirthing.

Das Thema stillen: Folgende Situation: ich stehe am Postschalter an, vor mir eine Mutter, mit etwa sechs Monate altem Baby. Sie trifft auf eine Bekannte, die mit dem üblichen: „jöööö so härzig!“ und „gehts euch gut?“ und bla bla bla hallo sagt und da kommt sie. Die Frage aller Fragen: „stillst du noch?“ Und in mir tut sich ein riesiges, mächtiges ? auf. Wieso um alles in der Welt fragt man so etwas? Was bringt das? Für was soll diese Frage gut sein? Wie oft musste ich mir diese Frage anhören. Stillst du? Drei verschiedene Antworten hatte ich parat, für jedes Kind eine:

Kind 1: „Nein ich stille nicht mehr, da mein Sohn sich mit 14 Wochen selber abgestillt hat. Er wollte meine abgepumpte Milch aus der Flasche nicht trinken, und heiii, da ich ja so supercool bin und nach meinem Mutterschaftsurlaub gleich wieder arbeiten gehe, müsste er das ja wohl tun!“ Standartantwort: Mittleidige Blicke, ein „aaaaach waaaaaas? Gibts das?“ und ein: „ja wir haben ja gute Alternativen, ist eh viel praktischer mit der Flasche, dann kann der Papi auch füttern und was tun.“

Kind 2: „Nach acht Monaten hatte sie keinen Bock mehr auf meine Brust, da der grosse Bruder immer eine Flasche in der Hand hatte und sie auch wollte.“ Standartantwort: „Ja suuuuper, du hast ja 6 Monate gestillt, jetzt hast du deinen Körper endlich wieder für dich!“ Ah danke. Gar nicht gewusst, dass der nicht mehr mir gehört, wenn ich still. Jetzt bin ich wieder ein bisschen schlauer.

Kind 3: zur Info: Kind 3 ist zur Zeit 22 Monate alt und stillt immer noch. Aus der Frage, ob ich immer noch stille, sind komische Bemerkungen geworden, wenn jemand entsetzt feststellen muss, dass ein Kleinkind an meinem Nippel hängt: „Waaaaaas, du stillst immer noch????“ und „Kommt denn da überhaupt noch was????“ „Wie lange willst du das noch tun?“ „Beisst sie dir nicht die Nippel wund?“ „Werden deine Brüste dadurch nicht schlaff wie ein Biberschwanz?“

Liebe Besorgte da draussen. Meine Kinder, meine Brüste, meine Milch. Mein Leben. Es ist alles voll ok so wie es war und wie es ist. Drei Kinder, drei Varianten. Sucht euch die aus, die euch am besten gefällt.

Und ja, ich bin wohl immer noch der gleiche Stillfreak wie vor knapp 2 Jahren.

Thema Vereinbarkeit: Ganz ganz schwierig. Was willst du sein? Jemand, mit dem grossen Privileg zu Hause bleiben zu dürfen um voll und ganz Mama zu sein? Oder willst du den Anschluss nicht verpassen und gehst noch arbeiten? Oder musst du arbeiten, weil das Geld sonst nicht reicht? Oder willst du gar dich selbständig machen, neben den Kindern? Kinder in die Kita bringen, geht gar nicht? Bei den Grosseltern haben sies aber schön, und Grossmami und Grosspapi macht man damit ja auch eine Freude. Und ein bisschen Luxus ist ja auch wichtig im Leben. So Ferien und so. Man muss den Kindern schliesslich was bieten, sonst werden sie irgendwann mal ausgelacht oder ausgeschlossen.

Ich habe alles durch. Arbeiten, nicht arbeiten, Fremdbetreuung, keine Fremdbetreuung und zu guter letzt, ein HerzBauchWerk neben den Kindern, den Haushalts- und den Mutterpflichten.

Ich versteh euch alle!

Thema Impfen: Kind impfen ja, weil man dann was gutes für die Gesellschaft tut und impfen wichtig ist, und es um die Gesundheit des Kindes geht und sowieso, die die nicht impfen sind alle asozial. Impfen nein, weil das alles nur Geldmacherei und Gift ist, das wir in unsere Körper lassen, Impfschäden nicht ausgeschlossen sind, wir dadurch alle zu Autisten mutieren.

Viel Spass beim Positionieren und endlosen, hitzigen Diskussionen. Und NEIN, ich verrate nicht, zu was wir uns entschieden haben, zu heiss ist mir das Eisen. Nur so viel: ich verstehe beide Seiten, stehe mittendrin und musste irgendwann irgendeine Entscheidung fällen, die für alle meine drei Kinder gilt.

Genau. Es gibt immer zwei Seiten. oder drei oder vier oder sogar tausend. In jedem Thema. Genau das macht das Mutter sein so schwierig, nicht? Weil man sich für eine Seite, eine Position entscheiden muss. Sich vielleicht dadurch selber ins Abseits manövriert, sich keine Freunde macht oder gerade deshalb ganz viele Gleichgesinnte findet.

Ich könnte noch tausende Entscheidungen hier hinzu fügen, vom Tragen, bis zu den Windeln über zum Kinderwagen oder der grossen Erziehungs- oder Familienbettfrage.

Ich könnte mit jeder einzelnen von euch, die diesen Artikel lesen wird stundenlang darüber philosophieren, was nun das beste für mich, für dich, für deine und für meine Kinder ist. Ich könnte in meiner Arbeit mit Müttern jeder einzelnen ganz genau sagen, was sie tun oder lassen soll, wo sie am besten gebären soll, wie sie ihre Kinder erziehen soll. Ich tue es trotzdem nicht.

Weil mein Weg ist mein Weg und nur schon der hat sich mit jedem Kind verändert. Was für dich richtig ist, liebe Mama, muss für mich nicht auch richtig sein. Wenn du dir nicht vorstellen kannst, ein Kleinkind an deiner Brust hängen zu haben, dann ist das vollkommen ok so. Aber schliesse damit nicht auf andere.

Ich bitte dich einfach um eines: Lass mir bitte meins. Und finde für dich heraus, was es ist, deins. Und dann lebe es. So, dass es dir gut geht, du dich wohl fühlst. Und wenns für dich nicht mehr stimmt, dann gib dir die Freiheit, dich weiter zu entwickeln, anders auszurichten.

Hört doch bitte endlich auf mit dem Verurteilen, bewerten und sich besser oder schlechter stellen, sondern erkennt endlich, dass wir alle so einzigartig und wunderbar sind wie unsere Kinder. Vielleicht fühlen wir uns dann auch nicht mehr so unglaublich einsam, können uns für andere Ansichten öffnen und müssen nicht mehr diese unglaublich dämlichen, energieraubenden Diskussionen führen.

 

 

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