Ich kann mich noch gut an ein Erlebnis erinnern, als wir frisch umgezogen sind, ich mit unserer Kleinsten schwanger war und zum ersten Mal die neue Frauenärztin aufsuchte. Sie empfing mich mit den Worten: „Soooo Frau Suppiger, sie sind also zum fünften Mal schwanger!“ Das war einer dieser OhrfeigenMomente, die grausam weh tun, einer dieser Momente, die mich daran erinnern, dass ich fünf Mal schwanger war aber „nur“ drei gesunde Kinder ins Leben begleiten darf.

Ich möchte jetzt nicht die Ärztin in die Pfanne hauen und über sie ablästern, sie hatte ja recht. Ja, ich war zum fünften Mal schwanger, hatte aber bis zu diesem Zeitpunkt erst zwei Kinder geboren. Doch die Unsicherheit, ob ich jemals drei Kinder in den Arm nehmen darf hat mich fast wahnsinnig gemacht. Ich schwor mir damals, dass es bei diesen fünf Schwangerschaften bleiben würde, weil ich nicht noch mehr Kinder verlieren wollte. Also entweder würde es dieses Baby schaffen und unsere Familie würde wachsen, oder wir lassen es sein und bleiben zu viert glücklich und zufrieden.

Zu diesem BlogPost hat mich Mama on the Rocks inspiriert, als ich ende November ihren Beitrag zum Thema #andersschwanger las war mir klar, dass auch ich etwas darüber zu berichten hab.

Grundsätzlich bin ich ein froher Mensch.

Wer mich kennt, der weiss das. Ich glaube an das Gute im Menschen und gehe auch so durchs Leben. Ich glaube an das Gesetz der Resonanz und daran, dass da ganz ganz viel mehr ist, als wir uns vorstellen können. Und ich bin ein „gspüriger“ Mensch. Ich nehme viel wahr im Aussen und ja, vielleicht habt ihr jetzt das Gefühl, dass ich eine an der Klatsche habe (was mir ziemlich am Popo vorbei geht), ich spüre Energien.

Das machte die KinderWunschZeit für mich nicht leicht. Ich spürte da dieses Kind, dass bald zu uns kommen wollte und wurde nicht schwanger. Das machte mich wahnsinnig. Frustrierte mich. Und zum ersten Mal war ich damit konfrontiert, dass etwas nicht so läuft, wie ich mir das vorstelle, wie ich mir das visualisiere. Ich musste den Ball an jemand anderen abgeben. Nenn es das Universum, das Schicksal, Gott oder Karma. Ich weiss es nicht ganz genau, an wen wir diesen Ball nun abgeben müssen, einfach ich wurde dabei ausgeklammert, so schien es mir, ich durfte bei diesem Spiel nur auf der Ersatzbank hocken und zuschaun. Und das liegt mir leider nicht so.

Heute weiss ich, dass ich mich ein Stück weit damals aufgegeben hab. Ich habe diese Abwärtsspirale miterlebt und weiss, dass es nicht einfach ist da raus zu steigen. Hier findest du meine persönlichen Tips, wie ich die KinderWunschZeit überlebt hab.

Ich wurde schwanger. Und war es ganze 14 Wochen lang.

Und dann, ja dann war es endlich soweit, ich war schwanger! Ich konnte es nicht fassen, woooow, ein Glücksgefühl überströmte mich und katapultierte mich in einem grossen Bogen raus aus diesem schwarzen Loch, in dem ich versuchte geduldig zu warten, bis ein Baby den Weg zu uns findet. Ich war wieder die glückliche, frohe Tanja wie man mich kennt und noch mehr. Wenn ich heute an diese Zeit zurück denke, war dies meine glücklichste Schwangerschaft von allen! In der 7.SSW waren wir zum ersten Mal bei der Gynäkologin und wir sahen unser Baby, sein Herzchen schlug. Wooow, was für ein bombastisches Gefühl!

Ich wollte nicht zu den Müttern gehören, die die ersten drei Schwangerschaftsmonate mit Ängsten um ihr Kind quälten, weil ja noch so viel passieren könnte. Nein. Ich glaubte an das Gute, mich und mein Baby und war mir sicher, dass alles prima laufen würde. Mein Bauch wuchs, meine Brüste wurden grösser und ich konnte meine Schwangerschaft nicht mehr verheimlichen. Jeder merkte, dass ich schwanger war. Und auch ich fühlte mich schwanger. Ich hatte keinen einzigen Tag daran gezweifelt.

Bis ich am Morgen vom 1. September 2011 aufwachte, zum Fenster hinaus in einen wunderschönen Tag blickte und ich mir dachte, wie schön auch dieser Tag ist, geniesse es noch, es kann sich schnell ändern. Ich erschrak über meinen unschönen Gedanken und machte mich fertig für den Ultraschalltermin. Ich war in der 14. SSW.

Die Bombe schlug ein und zerfetzte mich.

Auf dem Ultraschallmonitor meiner Frauenärztin sah ich mein Baby zum zweiten Mal. Tot. Da war kein kleines, hübsches froh im Fruchtwasser herum turnendes Baby sondern ein toter Fötus. Gestorben etwa am Ende der 8.SSW. Meine Welt brach zusammen. Von diesem Augenblick an war auch in mir etwas gestorben. Ich war nicht mehr dieselbe Tanja wie vorher. Trauer  überströmte mich, nahm mich gefangen.

Wie sagt man so schön? Das Leben geht weiter.

Meine erste Schwangerschaft und ihr frühzeitiges Ende waren ein grosser WendePunkt in meinem Leben. Dafür bin ich dankbar. Ich wäre heute nicht die, die ich bin, hätte ich diese Erfahrung nicht gemacht. Ich hab sie genutzt, um aufzuräumen. Aber wie gesagt, etwas in mir ist gestorben und das kam auch nie wieder. Es war diese Gelassenheit, diese Leichtigkeit die ich damals gefühlt hab, die in keiner weiteren Schwangerschaft mehr so stark da war wie damals. Deshalb denke ich unglaublich gerne an diese unbeschwerten 14 Wochen zurück, als ich ganz frei und mit grossem Vertrauen schwanger war. Ich musste mir diese Gelassenheit und das Vertrauen in mich und mein Baby in jeder weiteren Schwangerschaft wieder hart erkämpfen. Am meisten, als ich mit meinem Sohn im April 2012 schwanger wurde.

Heulkrämpfe bis zum Abwinken

Die ersten Wochen in der Schwangerschaft mit Nael waren gespickt mit Heulkrämpfen. Ich sass vor dem positiven Schwangerschaftstest und heulte. Gefühlte 1000 Stunden lang. Die Freude, endlich wieder schwanger zu sein wechselte sich stets mit der Angst ab, dass ich dieses Kind wieder verlieren könnte. Die Angst löste dann wieder das Vertrauen ab, dass alles so kommt wie es kommen soll. Das Vertrauen löste die Sehnsucht ab, dass ich doch so gerne wieder so glücklich und unbeschwert durch diese Schwangerschaft gehen mag wie zum ersten Mal. Und so drehte sich das GefühlsKarussell. Manchmal etwas langsamer, manchmal so schnell dass es mir schlecht wurde dabei.  Das Heulen hat mir gut getan. Es hat vieles in Fluss gebracht, ich durfte vieles los lassen, nochmals das Geschehene verarbeiten und trauern.

img_4846

Mein persönliches MutMachBild. Aus dem magischen Orakel der Feen von DoreenVirtue.

PsychoTerror Ultraschall

Das schlimmste, ja das allerschlimmste für mich waren die Ultraschalluntersuchungen am Anfang der Schwangerschaften. Schlagende kleine EmbryoHerzchen liessen jedes Mal meine Tränen fliessen, lösten den tonnen schweren Stein in meinem Herzen und liessen es höher schlagen. Ich hasste den Augenblick, wenn der Arzt mit seinem Ultraschall das Baby in der Gebärmutter suchte, bis er es dann endlich fand und mir sagen konnte, das alles in Ordnung ist. Ich hasste den Ultraschall. Bei jedem weiteren Kind. Bis zu dem Augenblick, in dem meine Babys genug gross waren, damit ich sie in meinem Bauch spüren konnte.

Auf mein Gefühl hab ich nicht mehr vertraut.

Ich konnte nicht mehr auf mein Gefühl vertrauen, weil ich beim ersten Mal nie den Verdacht hatte, dass etwas nicht stimmen könnte. Ich spürte mein Kind bei mir. Heute weiss ich, dass es auch da war, der Körper, in den es inkarnieren sollte spielte einfach nicht mit. Vielleicht war das der Grund, weshalb ich nichts gemerkt habe. Und auch meinem Körper durfte ich nichts vorwerfen, er hat die Schwangerschaft ganze 14 Wochen lang aufrecht erhalten, die Gebärmutter und Plazenta sind gewachsen, nur das Baby, ja das Baby hat nicht mitgemacht.

Von Vertrauen, Geduld, dem Loslassen und Ängsten

Nach und nach hab ich dann wieder angefangen Vertrauen in mich und meinen Körper aufzubauen. Ich genoss die Verbindung zu meinem Sohn in meinem Bauch und jeden kleinen Tritt, den ich spürte. Ich fing langsam wieder an, mich der alten Tanja zu nähern, die mit Gelassenheit und Freude die Schwangerschaft erleben konnte. Ich fing wieder an meinem Körper zu vertrauen, versuchte meine Ängste in Zuversicht umzuwandeln.

Das war auch bei meiner zweiten Schwangerschaft mit Nova so. Ich schloss mit mir Frieden und versuchte mich selber auch nicht unter Druck zu setzen, ich nahm meine Verletzung an und sagte mir, dass es ok ist, wenn ich die ersten, schwierigen drei Monate nicht so locker flockig erleben kann wie andere Mamas.

img_0151

Dann wurde ich zum vierten Mal schwanger. Und zum fünften Mal.

Auch dieses Kind musste ich wieder ziehen lassen. In der Frühschwangerschaft. Der Embryo hat sich in der 6.SSW nicht weiter entwickelt. Ich habe ihn zu Hause still geboren. Auch das schmerzte. Zugegeben nicht mehr so fest wie beim ersten Mal. Weil ich schon zwei Kinder hatte. Weil mir bewusst war, dass sowas leider passieren kann.

Mein Mann und ich schworen uns einen Pakt. Wir wollten es noch einmal versuchen. Noch  ein einziges Mal wollte ich schwanger werden. Fünf mal ist genug. Wenn dieses Baby dann bei uns bleiben möchte ist es ein grosses Geschenk. Wenn es wieder geht, dann wäre es ein Zeichen für uns, dass unsere Familie komplett ist. Enie ist geblieben. Dafür bin ich ihr heute noch unglaublich dankbar.

Mein grosser Respekt

Gilt all den Mamas, die ihre ersten drei Monate der Schwangerschaft so leicht und flockig erleben können wie ich es zum ersten Mal konnte. Sie gilt all den Mamas, die ihre Kinder viel zu früh ziehen lassen mussten und den Mut dennoch nicht verloren haben, wieder ein Kind in ihr Leben einzuladen. Sie gilt den Männern, die mit ihren Frauen trauern. Sie gilt den Menschen, die an das Leben glauben und sich immer wieder darauf einlassen, ihm Raum geben.

HerzBauchWerk Newsletter

HerzBauchWerk Newsletter

Ja, ich möchte mich von HerzBauchWerk per Mail inspirieren lassen!

Du hast dich erfolgreich angemeldet!

Share This