Hochsensible erfahren ihre Umwelt auf ganz besondere, andere Art und Weise als die „Normalos“. Da scheint es nur logisch, dass auch Schwangerschaft und Geburt ganz anders erlebt und wahr genommen werden. 8 Gründe, weshalb sich eine hochsensible Frau für den selbstbestimmten Weg einer Geburt entscheiden sollte:

 

  • Hochsensible nehmen sehr detailiert wahr.

Hochsensibel zu sein bedeutet, ganz feine Antennen zu haben. Sinne zu haben, die sehr fein justiert sind. Ich erlebe das oft bei mir. Ich nehme zum Beispiel Düfte sehr schnell als störend wahr. So kann mir ein falscher Parfümduft im wahrsten Sinne des Wortes Kopfzerbrechen bereiten. Bin ich mit jemandem, der den falschen Duft trägt in einem Raum, aus dem ich nicht flüchten kann wie zum Beispiel ein Lift, kann es sein, dass ich mit Kopfschmerzen aus dem Lift aussteige.

Auch meine Augen sind sehr empfindlich. So kommt es, das künstliches Neonröhrenlicht etwas furchtbares für mich ist. Manchmal wird mir sogar übel davon.

Bestimmte Orte bedeuten für mich schon einen erhöhten Stresslevel. Betrete ich ein Krankenhaus, dann ist es sehr schwer für mich, mit den ganzen Eindrücken umzugehen, mich von den Gerüchen, dem künstlichen Licht, dem wilden Durcheinander und der Krankenhausenergie abzugrenzen.

Deshalb ist es für hochsensible wichtig, dass sie an einem Ort gebären können, an dem sie nicht abgelenkt werden. Einen Ort, an dem sie in Ruhe gebären können, bei sich bleiben können,  ihren Wohlfühlgeburtsraum aufrecht erhalten können. Und sich sicher fühlen. 

Viele sensitive Frauen empfinden ein Geburtshaus oder eine Hausgeburt als die sicherere Variante für sich zum Gebären, weil sie an einem ruhigen Ort ohne äussere Ablenkung gebären wollen.

Mein Tip: Ob Klinik oder Geburtshaus oder Hausgeburt, wenn du hochsensibel bist und dir Gedanken darüber machst, wo du gebären willst, dann hör auf dein Gefühl. Schau dir mehrere Varianten an, geh ins Spital und fühl, ob du dich mit dieser Energie arrangieren kannst während der Geburt, ob du los lassen kannst. Fällt dir das sehr schwer, bist du wahrscheinlich an einem anderen Ort besser aufgehoben.

Ich kann dir an dieser Stelle das Buch „Meisterin der Geburt“ von Jobina Schenk empfehlen, sie geht darin auf die Bedeutung des Geburtsortes ein und empfiehlt sogar, sich mit verbundenen Augen den Ort „anzufühlen“.

 

  • Hochsensible haben eine hohe Eigenverantwortung und einen grossen Wunsch nach Unabhängigkeit

Das seh ich schon bei meinen Kindern, haben die sich etwas in den Kopf gesetzt, dann wollen sie das genau so umsetzen. Und zwar alleine. Da darf ich nicht hinein funken. Genau so war es für mich auch bei meinen Geburten. Ich habe mich intensiv vorbereitet, habe Drehbücher geschrieben und hatte meinen Plan. Und der musste eingehalten werden.

Dass bei meiner ersten Geburt auf viele Punkte in meinem Geburtsplan nicht eingegangen wurde, weil die falschen Personen mich begleitet haben beschäftigt mich heute noch. So können Interventionen in einer Geburt für hochsensible sehr problematisch werden. Wenn ich zum Beispiel daran denke, dass der Arzt bei der Geburt meines Sohnes gegen meinen Willen und ohne medizinischen Grund einfach die Durchtrennung der Nabelschnur forderte, werde ich heute noch, vier Jahre später stinkesauer.

Hochsensible lassen sich sehr schlecht in ein Konzept packen. Sie haben mühe mit Vorschriften. Vor allem auch, wenn es sich um Vorschriften handelt, die für sie unlogisch erscheinen. Für mich ist zum Beispiel eine der unlogischsten Theorien, dass sich ein Muttermund in der Stunde einen Zentimeter zu öffnen hat.

 

  • Hochsensible haben eine sehr feine psychosoziale Wahrnehmung

Was bedeutet das? Sensitive Menschen nehmen Stimmungen, Befindlichkeiten und Emotionen anderer Menschen auf wie ein Schwamm und erkennen sie sehr detailiert. Das kann im positiven Sinne dazu führen, dass wir uns von einem fröhlichen, charismatischen Menschen mit getragen und unterstützt fühlen. Oder eben, dass wir uns von Menschen distanzieren, die uns nicht geheuer sind.

Entscheiden wir uns für eine Geburt, in der wir nicht wissen, wer vor uns steht, wenn es soweit ist, kann das ziemlich schwierig werden wenn diese Person uns nicht sympathisch ist, oder wir uns nicht ernst genommen fühlen. Deshalb finde ich es gerade für sensitive Frauen sehr wichtig, dass sie sich Gedanken darüber machen, von wem sie in der Geburt begleitet werden wollen. Reicht es, dass „nur“ der Mann an ihrer Seite ist, oder lass ich mich von einer Hebamme oder Doula durch die Schwangerschaft und Geburt begleiten, zu der ich ein Vertrauensverhältnis aufgebaut und all meine Wünsche und Anliegen kommuniziert habe. 

 

  • Hochsensible sind stärker beeinflussbar durch Stimmungen anderer Menschen

Wer hat das schon erlebt: Du hast einen friedlichen Tag mit deinen Kindern verbracht und dann kommt dein Mann gestresst, abgearbeitet, mit mieser Laune nach Hause. Was passiert? Genau. Die ganze Familie wird von der Kacklaune angesteckt.

Ich musste mich zum Beispiel ganz bewusst von den Ängsten von meinem Mann was Geburt angeht abgrenzen, weil ich seine Angst sehr stark wahr genommen habe. Es hat für mich eine Weile gedauert, bis ich das erkannt habe und seine Angst bei ihm gelassen hab. Ich hab mich dafür entschieden, dass eine Angst seine bleiben darf und nicht meine werden muss.

Oft haben wir das Gefühl, für die Stimmung und die Emotionen der Anderen verantwortlich zu sein. Oder wir spüren Emotionen, die gar nicht zu uns gehören. Dadurch, dass wir mit fremden Stimmungen in Resonanz gehen verstärken sich diese noch und sie werden zu unseren. Deshalb empfehle ich in meinen Coachings immer wieder, sich bewusst von diesen fremden Emotionen abzugrenzen und bei sich zu bleiben.

Ihr könnt euch sicher vorstellen, was mit einer sensitiven Frau passiert, wenn sie mit HorrorGeburtsGeschichten beschossen wird. Auch das ist so eine Sache, von der ich mich in meinen Schwangerschaften bewusst abgegrenzt habe. Ich habe auch oft ganz klar kommuniziert, dass ich mir solche Geschichten nicht anhören will. Stattdessen habe ich schöne Geburtsvideos wie ein Junkie in mich rein gezogen.

 

  • Hochsensible haben ein ausgeprägtes intuitives Denken

Oh ja, auch wenn wir manchmal das Gefühl haben, es sei bei uns nicht so, sensitive Menschen haben eine sehr grosse Intuition. Sie hören oft und viel auf ihr Bauchgefühl. Bewusst oder auch unbewusst. Hochsensiblen schlägt schnell mal was auf den Magen, wenn sie in einem Muster leben, das nicht zu ihnen passt.

Deshalb bin ich der Meinung, dass mentale Geburtsvorbereitung oder Hypnobirthing bei sensitiven Menschen extrem gut funktioniert. Weil sie ihre Intuition damit schulen. Sie Erkennen, was ihre Bedürfnisse sind. Suche auch dir ein Gebärkonzept aus, das dir hilft, selbstverantwortlich zu gebären und in deine Kraft zu kommen.

Ein ganz wundervoller Online Geburtsvorbereitungskurs, den ich euch ans Herz legen möchte ist der JoNi Kurs von Jobina Schenk und Nina Winner. (PartnerLink)

 

  • Bei Hochsensiblen klingt erlebtes emotional lange nach.

Höre ich heute noch die Musik, welche ich bei der Geburt meiner jüngsten Tochter abgespielt hab, finde ich mich innerhalb einem Bruchteil von Sekunden wieder in der Geburtswanne. Oft kullern mir dabei Tränen der Rührung die Wangen hinunter.

Es scheint mir, als könne ich starke Emotionen aus der Vergangenheit auf Knopfdruck abrufen und wieder ins Hier und Jetzt holen. Zum Glück sind es meist positive Emotionen. Sensitive Menschen können sehr schnell alte Traumen wieder in die Gegenwart holen. Deshalb empfehle ich jeder sensiblen Frau, die ein traumatisches Geburtserlebnis hatte, dieses richtig zu verarbeiten und sich bewusst davon zu lösen.

 

  • Hochsensible denken in grösseren Zusammenhängen

Für hochsensible ist Geburt nicht einfach ein Kind auf die Welt zu bringen. Sie spüren und erkennen oft, dass da viel mehr dahinter steckt. Für uns macht es einen Unterschied, ob ein Kind geboren oder entbunden wird. Geburt hat sehr viel auch mit uns zu tun, mit dem, was als Frau in uns passiert. Es ist ein hoch transformativer Prozess im Leben einer Frau.

Deshalb ist für eine sensitive Frau eine Geburt ein einschneidendes, wichtiges Lebensereignis. Es ist uns wichtig, wer uns darin begleitet, wer uns bestärkt, wir wollen getragen und verbunden sein. Wir wollen in dieser GeburtsKraft eintauchen können, sie erfahren, durch uns fliessen lassen.

Geburt ist für uns nicht „ja ich geh mal kurz ins Krankenhaus und die Ärzte dort wissen dann schon was zu tun ist.“ Eine Hochsensible kann an einer solchen Einstellung zerbrechen. Weil ihr die Selbstverantwortung entzogen wird. Weil sie von Stimmungen und Emotionen anderer mitgespült wird. Weil sie von Energien umgeben ist, die sie in sich zusammensacken lässt, die ihr nicht gut tun.

Deshalb bereiten sich sensitive Frauen anders auf eine Geburt vor. Wir brauchen Sicherheit. Einen Ort, an dem wir uns wohl fühlen. Wir müssen uns gehen lassen können. Und genau das funktioniert manchmal schon nicht mehr, weil die Beleuchtung zu grell ist oder der Raum komisch nach Desinfektionsmittel riecht oder uns die unfreundliche Hebamme dumm angeschnauzt hat, dass es nicht vorwärts geht.

Wir müssen nach unseren Spielregeln gebären können, die wir festgelegt haben, weil wir nach unserem Bauchgefühl gehen wollen. Und wir brauchen Begleiter an unserer Seite, die unsere Spielregeln verstehen und wahren können. Damit wir in den Fluss kommen können, uns öffnen können für das Wunder Geburt.

 

  • Hochsensible sind harmoniebedürftig

Wir brauchen Harmonie. Eine geborgenen Umgebung, die uns stärkt. Hektik ist fehl am Platz, wenn wir gebären. Wir brauchen diesen perfekten GeburtsRaum, indem wir uns wohl und getragen fühlen. Wir brauchen Harmonie, damit wir los lassen können, uns gehen lassen können, uns der GeburtsReise hin geben können.

 

  • Hochsensible neigen zu Perfektionismus

Sensitive Menschen haben oft ein Bild im Kopf, das genau erreicht werden muss. Wenn da ein oder zwei Details nicht stimmen, kann das das ganze Bild ziemlich ins Wanken bringen. Wir können uns die perfekte Geburt schon lange vorher vorstellen. Und genau das ist unser grosser Vorteil, den wir nutzen können. Die macht unserer Gedanken und Affirmationen. Deshalb funktioniert eine mentale Geburtsvorbereitung so gut bei uns.

Das Einzige, was wir lernen dürfen ist die Tatsache, dass auch wenn nicht alles ganz perfekt läuft, und wir nicht perfekt sind, doch alles in bester Ordnung und genau so richtig ist, wie es passiert.

 

 

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