Wer kennt sie nicht, die WachstumsSchübe unserer Kleinen. Sie sind ein ganz spezielles Phänomen und beginnen etwa im zarten Alter von fünf Wochen. Aus einem ruhigen, ausgeglichenen Baby wird für ein paar Tage oder gar Wochen ein kleines Monster. Vor allem in der Nacht. So ist es jedenfalls bei uns. So schnell wie sie kommen, so plötzlich sind sie dann auch wieder vorbei.

Das Spanende an den Wachstumsschüben ist die Tatsache, dass sie nie aufhören! Die ganze Kindheit, das ganze Leben lang, nie hören sie auf!

Und genau das sagt einem keiner!

Denn wenn man den ganzen Ratgebern so glauben und folgen will, hat man immer das Gefühl, nach dem ersten Lebensjahr ist alles durch. Denkste. Klar, mit zwei kommt dann noch mal die Autonomie- und die Trotzphase etc., aber von Wachstum spricht dann keiner mehr.

Schade eigentlich, denn so ein Wachstumsschub ist doch genau betrachtet etwas sehr faszinierendes, etwas, das ich ganz spannend finde. Und glaube ja nicht, dass du keine mehr hast! Denn ich bin zu 100% der Überzeugung, dass wir auch im Erwachsenenalter WachstumsSchuben. Aber dazu später. Bleiben wir mal noch kurz bei den Kleinen.

Mein Ältester wird im Dezember fünf Jahre, meine mittlere Tochter im Februar vier und die Jüngste ist bald 16 Monate alt. Und alle drei haben immer noch ihre Schübe.

Da wächst man in drei Wochen kurz mal drei Zentimeter in die Höhe, so schnell, dass einem die Beine weh tun.

Oder man hängt die ganze Nacht an Mamas Brust, weil man einfach so unruhig ist und mit dem ganzen Verarbeiten nicht alleine sein will.

Oder man ist schlichtweg einfach unausstehlich, wütend und weint wegen jedem kleinen Pipifatz.

Und dann? Irgendwann wacht man am Morgen auf, schaut sein Kind an und hat das Gefühl, dass es über Nacht ausgetauscht worden ist.

Plötzlich sieht es so viel älter aus. Plötzlich fängt es an zu reden. Plötzlich steht vor einem ein Dreikäsehoch.

WachstumsSchübe sind ein Phänomen. Und ich sehe es als eine grosse Aufgabe für Eltern, die Kinder sanft und achtsam durch diese Zeit zu begleiten, egal, ob dein Baby erst fünf Wochen oder dein Sohn schon sieben Jahre alt ist.

Denn es passiert immer dasselbe:

Der Körper und der Geist machen einen Bewusstseinssprung. Es geht wieder einen Schritt weiter.

Das Feld der Wahrnehmung weitet sich, das Denken ändert sich.

Komfortzonen müssen verlassen werden, um wachsen zu können.

Solange wir Menschen noch nicht reden können, ist unser einziges Kommunikationsmittel das Weinen. Und so ist es, dass Babies in ihren Wachstumsphasen oft und viel weinen. Weil sie spüren, dass da etwas geht. Weil sie erst mal verarbeiten müssen, dass sie plötzlich klarer sehen, weil der Körper sich von dem schnellen Wachsen erholen muss.

Wir Erwachsenen vergessen das viel zu oft und geben dem Weinen viel zu wenig Raum. Meist deuten wir es auch falsch. Wir wollen keine weinenden Babies. Weil sie uns leid tun, weil wir gute Eltern sein wollen. Weil es unserem Kind bei uns doch gut gehen soll.

Weinen, so scheint mir, ist in unerer Gesellschaft ein Tabu geworden. Weinen, das wollen wir selber nicht und schon gar nicht, dass es andere tun.

Ich frag dich hier ganz ehrlich: Wann hast du das letzte Mal geweint? Und wie hast du dich hinterher gefühlt?

Weinen bringt Erleichterung. Mir jedenfalls. Es ist eine Möglichkeit, um Emotionen in Fluss zu bringen, das, was sich manchmal über Jahre anstaut los zu lassen. Mir tut weinen gut.

Wenn du jetzt eine Mama oder ein Papa bist und diesen Text hier liest, dann weisst du wahrscheinlich ziemlich genau, von was ich schreibe. Du weisst auch, dass es extrem anstrengend sein kann, ein Kind in seinem WachstumsSchub zu begleiten.

Aber überleg dir mal: Haben nicht auch wir Erwachsenen andauernd diese WachstumsSchübe?

Sind wir nicht auch unausstehlich, wenn wir merken, dass wir unser Leben so, wie es ist nicht weiter führen können?

Haben wir nicht auch die Hose kackevoll, wenn wir unsere heiss geliebte Komfortzone verlassen müssen?

Haben wir nicht oft auch schlaflose Nächte, tragen Schicksalsschläge, wachen am Morgen auf und haben das Gefühl, dass die Welt da draussen (oder wir) jetzt plötzlich eine ganz andere ist?

Verändert sich unser Bewusstsein nicht ständig?

Ich spüre es jedenfalls so. Im Moment geht für mich in der Gesellschaft recht die Post ab. Viele merken, dass es so nicht weiter gehen kann. Viele Menschen wissen eigentlich in ihrem Innern ganz genau, dass das, was sie tun, ihnen und ihrem Wachstum nicht gut tut.

Das alles ist ganz normal, wenn wir uns bewusst sind, dass wir hier sind um zu wachsen. Und zwar das ganze Leben lang. Das hört nicht auf, wenn wir in unserer Karriereleiter genug weit hoch gekommen sind oder unsere Familie gegründet haben.

Jeden Tag haben wir die Möglichkeit, Komfortzonen zu verlassen, raus aus dem Trott zu gehen und zu wachsen. Wir müssen einfach den Mut dazu haben. Und eine kleine Idee davon, wohin wir wachsen möchten.

Für ein Kind ist das einfach. Es weiss instinktiv, was der nächste Schritt ist, der ansteht. Das erste Lächeln, das erste Wort, sich drehen können.

Wir, ja wir haben das Körperliche Wachstum abgeschlossen und dürfen noch geistig wachsen. Nur scheint es mir, dass genau das oft nicht gefragt ist. Wir dürfen uns erkennen, uns näher kommen, in unsere Mitte wachsen.

Ganz ehrlich, ich war sehr erstaunt, als mein letztes Zettelvideo so sehr seine Runden in Facebook gedreht hat. Ich hätte das nie erwartet. Meine Seite ist gewachsen, viele Liker sind dazu gekommen. Das freut mich sehr. Viele Kommentare habe ich erhalten. Von Menschen, die mir sagen, dass sie endlich wissen, was mit ihnen „nicht gestimmt hat“.

Wer weiss, vielleicht sieht der eine oder der andere das als Anstoss für den nächsten WachstumsSchub.

Raus aus einer Komfortzone. „Die Erkenntnis ist die Kraft, mit der du dich befreist“, singt Thomas D so schön im Lied Krieger. 

Wir dürfen uns gestatten zu wachsen, weiter zu gehen, das Kollektiv hinter uns zu lassen. Wir dürfen anfangen, neu zu denken, etwas zu tun, was man vielleicht heute noch nicht so recht traut zu tun.

Wir dürfen weinen, in den Fluss kommen, altes los lassen, frei sein.

So ein WachstumsSchub ist nicht angenehm. Niemals. Das war er noch nie. Schau dir die Babies an. Aber wir haben immer wieder Freude daran, wenn wir einen Schritt weiter kommen. Wir Eltern sind stolz auf unsere Kinder, wenn sie wieder etwas gelernt und integriert haben, wenn sie wieder entspannte Tage durchleben.

Gib auch dir die Freiheit, weiter zu wachsen. Entscheide selber, wohin, und dann fang damit an, an dir zu arbeiten. Gib dem Wachstum den Raum, den es braucht.

Vertraue.

Und irgendwann wachst du auf, und diese Welt (oder du?) scheint eine ganz andere zu sein.

 

Viel Spass wünsch ich dir dabei!

 

 

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