Ich mag keine dunklen Themen. Ich bin nicht der Typ, der gerne im Drama hängen bleibt, ich bin jemand, der gerne einen SchlussStrich zieht und nach vorne blickt. Anstatt den Fokus auf das Problem zu richten, such ich oft immer nach Lösungen.

Nur, was soll man tun, wenn man keine Lösung findet? Wenn eine Situation so unberechenbar erscheint, dass man das Gefühl hat sie einfach nicht beeinflussen zu können?

Ich war immer der Meinung, dass man sich schon immer alles ins Leben zieht, wenn man sich richtig darauf ausrichtet. Ich bin ein Freund von Vision Boards, Affirmationen, positivem Denken und so weiter. Und ganz ehrlich. Auch als ich zum allerersten Mal schwanger war, mittlerweile ist das jetzt sechs Jahre her, war ich fest davon überzeugt, dass ich ganz sicher nicht zu der Sorte von Schwangeren gehöre, die sich die ersten drei Monate nur Sorgen machen. Ich hab diese Frauen nie verstanden und sie liessen in mir immer die Frage aufploppen, ob sie sich mit ihren Ängsten nicht schon fast einen Verlust hinauf beschwörten.

Es kam alles anders. Die ganze positive Einstellung hat mir nichts genützt und so musste ich ein Kind ziehen lassen. Darüber habe ich schon geschrieben. Du kannst die Texte hier und hier nachlesen. Das alles hat mich in ein tiefes Loch gerissen. Nicht nur, weil ich ein Kind verloren habe. Viel mehr liess es mich in ein Loch sinken, weil ich sechs Wochen lang nicht gemerkt hatte, dass etwas nicht stimmt. Ich, wo doch so feinfühlig bin. Ich hab nichts gemerkt.

Ich bin sechs verdammte Wochen lang glücklich und singend durch die Gegend gelaufen, mit der Überzeugung, dass alles gut kommt und es meinem Kind gut geht.

Oh war ich sauer auf mich. Das kannst du mir glauben. Manchmal, ja manchmal bin ich es heute noch.

Was das mit mir machte? Es liess mich die nächsten Male, als ich schwanger wurde, nicht mehr so locker flockig an das Ganze heran gehen. Und ich bin ganz ganz ehrlich, ich hab immer ein komisch flaues Gefühl, wenn Frauen in meinem Umfeld ihre Schwangerschaft schon sehr früh bekannt geben. Ich weiss, dass das etwas ist, dass mich triggert. Und ich weiss auch, dass, falls was schief läuft es keinen Sinn macht alles in sich hinein zu fressen.

Ich weiss auch, dass es viele Frauen gibt, die einen Abort hatten und oft nicht davon sprechen. Weil es ein Tabuthema ist. Weil es immer weh tut.

Und ganz ehrlich: auch ich habe schon mehrere Male ein Kind ziehen lassen. Und auch ich spreche nicht jedes Mal darüber. Aus reinem Selbstschutz. Weil ich jemand bin, der gerne einen SchlussStrich zieht und nach vorne schaut. Oft wusste ich aber nicht, in welche Richtung ich den Schlussstrich ziehen sollte. Einen Schlussstrich unter den Kinderwunsch, oder einen unter die Trauer.

Ich weiss, dass die KinderwunschZeit so noch mehr zur Geduldsprobe wird. Dass es immer schwieriger wird, auf sich, den Körper und die kleine Seele, die man einlädt zu vertrauen.

Ich weiss, dass viele Frauen nach einer Fehlgeburt vor der Frage stehen, ob sie sich das wirklich nochmals antun wollen. Sie fragen sich, ob sie irgendwann nochmals den Mut haben, sich auf ein Baby einzulassen. Oder ob sie es lieber sein lassen.

Sich selbst zuliebe.

Ich hab am eigenen Leib erlebt, dass eine Ausschabung sehr schmerzhaft sein kann. Nicht körperlich. Sondern Seelisch. Und trotzdem war sie wichtig für mich. Denn ich brauchte einen SchlussStrich.

Ich weiss, dass viele gut gemeinte Kommentare sehr schmerzhaft sein können. Man sie nie vergisst.

Ich weiss, dass es einfacher ist zu sagen, dass man die Tage später bekommen hat. Anstatt „ich war schwanger, und jetzt bin ichs nicht mehr.“

Ich weiss, dass immer ein Funken Trauer bleibt. Egal, wie abgebrüht man zu sein scheint, wie viele Kinder man schon hat und wie gewollt oder eben nicht gewollt diese eine Seele war, die sich gezeit und wieder verabschiedet hat.

Und ich weiss, dass das alles immer eine Reise Zwischen den Welten ist. Dass wir, vielleicht auch nur ganz kurz, ein kleines Türchen öffnen für jemand, der „hallo“ sagen möchte. Für jemand, der vielleicht irgendwann wieder kommt. Dann, wenn es besser passt. Dann, wenn der Bauplan der richtige ist.

Ich weiss, dass wir es sind, die daraus ein Drama machen. Und doch dürfen wir darin eintauchen. Den Schmerz spüren, los lassen, uns die Zeit lassen, die wir brauchen um wieder nach vorne schauen zu können, um SchlussStriche zu ziehen, egal wo.

Ich weiss, dass auch Sternenkinder Lichtkinder sein können. Denn sie bringen immer sehr viel Veränderung. Oft ist es erst einmal Trauer, die sie hinterlassen. Aber auch ganz oft darf daraus etwas neues, kraftvolles entstehen.

Manchmal sogar ein Lichtkind.

Manchmal ein SchlussStrich, der Erlösung bringt.

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