Hochsensibilität, Familie und Beruf, passt das alles zusammen? Das ist eine Frage, die mich im Moment beschäftigt. Nicht nur, weil mich momentan immer wieder Frauen fragen, wie ich das alles, was ich tu unter einen Hut bringe, das Arbeiten und die Kinder. Weil ich so viel tu. Und von wo ich die Energie her hol.

Ob da nicht irgendwer irgendwann mal darunter leidet?

Wenn ich ehrlich bin, antworte ich oft auf solche Fragen mit „ich weiss es nicht.“ Ich mach mir wirklich nicht so einen grossen Kopf darum, wie ich das alles mach, ich mach einfach. Das klingt jetzt wahrscheinlich nach einer ziemlich abgehobenen Antwort. Auch für mich. Zu oberflächlich. Also hab ich mich mal gefragt, wie ich denn das alles so mach. Und eigentlich, ja eigentlich hat sich mein Muster, wie ich arbeite schon viel früher gebildet, bevor ich die Kinder bekommen hab und lang bevor es HerzBauchWerk gab.

In meiner Schulzeit habe ich gemerkt, dass mir das Lernen in den frühen Morgenstunden viel leichter fällt als am Abend. Abends konnte ich stundenlang an meinen Aufgaben sitzen, oder versuchen französisch Verben zu pauken, da ging einfach nix mehr rein. Irgendwann mal hab ich dann begonnen, am Morgen zu lernen. Wow, und ich fands mega toll. Schon damals gab es Tage, wenn eine grosse Prüfung bevor stand, an denen ich morgens um fünf Uhr schon wach und am lernen war.

Danach kam meine Ausbildung zur Zahntechnikerin und so habe ich lange Zeit in Zahntechnischen Laboratorien gearbeitet. Viele Stunden. Oft habe ich 12 Stunden Tage hin gelegt. In Spitzenzeiten kam es auch schon mal vor, dass ich 60 Stunden Wochen gearbeitet habe. Viel ausgemacht hat mir das nicht. Es war halt einfach so, dass die Arbeit schwallartig rein kam und man die Aufträge zum Termin abarbeiten musste. Auch da kam ich viel lieber am Morgen früh um 6 Uhr oder 6.30 Uhr ins Labor und genoss die ruhigen Morgenstunden, als dass ich bis spät in die Nacht arbeitete.

Den Stress mochte ich. Es war ganz spannend. Wenn eine unsichtbare Grenze überschritten war, da gab es Momente, in denen sich der Stress in Flow umwandelte. Ich war den ganzen Tag total fokussiert auf meine Arbeit und wusste, das einfach nix schief laufen darf. Oh ich liebte dieses Gefühl, es arbeitete dann einfach so mit mir.

Mit 24 Jahren hab ich mich dann dazu entschieden, mich zur Zahntechniker Meisterin ausbilden zu lassen. Berufsbegleitend natürlich. Mein Portemonnaie liess es nicht zu, mein Pensum zu reduzieren. Zu den langen Arbeitswochen kamen noch Samstage dazu, in denen ich die Schulbank drückte und Sonntage, an denen ich oft lernen musste. Oft wachte ich auch am Morgen wieder früh auf, um vor der Arbeit noch die Sachen für die Meisterschule zu erledigen. Das Ganze dauerte 7 Jahre. 2010 hatte ich meinen Abschluss.

Wie ich das gemacht hab? Ganz ehrlich, ich wusste es nicht. Ich wollte das alles aber unbedingt. Es war extrem anstrengend und hat mich oft an meine Grenzen gebracht. Es hat mich aber auch sehr stark gemacht und ich hab gemerkt, wie belastbar ich bin. Vielleicht bin ich für eine Hochsensible schon einen Tick zu belastbar, ich weiss es nicht. Ich hab mir damals einfach wirklich schon jeden Tag meine RuheOasen eingebaut. Ein ruhiges Bad am Abend. Vor dem Einschlafen hab ich immer eine Meditation gehört. Einfach um runter zu kommen.

Erst als ich mein erstes Kind verloren habe, hab ich mir ernsthaft Gedanken darüber gemacht, ob ich so weiter machen wollte. Mittlerweile hatte ich einen tollen Job in einer international tätigen Firma, jetete in Europa und der Schweiz herum, traf viele Leute, gab Kurse, fand meinen Job mega. Ich war schwanger und der Meinung, dass sich dann schon alles einrenken würde wenn das Baby da wäre. Aufhören zu arbeiten? Kommt nicht in die Tüte! Ich hab nicht 50000.- Franken für meine Karriere ausgegeben, um dann nachher als olle gestresste Mutter zu enden. So waren damals etwa meine Gedanken. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem mich unser Kind verliess. Es war ein Wendepunkt. Ich kann mich noch so genau an die Worte von meinem Mann erinnern, als er mir sagte, dass wir das als Zeichen nehmen sollten, unser Leben zu ändern. So, damit ein Kind darin Platz finden kann.

Das taten wir auch. Zu dieser Zeit begann ich auch wieder zu malen und zu schreiben. Kurzerhand habe ich mein Arbeitspensum auf 90% reduziert und mir jeden zweiten Freitag frei genommen für meine kreativen Projekte. Ich hab einen Gang runter geschaltet. Den Job in der Grossfirma gekündigt und ging wieder in ein kleines Labor arbeiten. Ich wollte sesshaft sein, wieder Struktur in mein Leben bringen. Damals schon habe ich gemerkt, wie ich viel lieber male als arbeite. Wie ich viel lieber mein Ding durchziehe. Schritt für Schritt hab ich damit angefangen, immer mehr einfach das zu leben. Jeden Morgen früh um fünf wachte ich auf, genoss meine Stunde für mich in der ich malte und schrieb. Der Morgen ist einfach meine KreativeZeit. Die Zeit, die ich für mich brauche, ganz in Ruhe. Das war damals schon so und heute ist es immer noch so. Mit oder ohne Kinder.

Und die Kinder kamen. Die ZahntechnikerWelt ging. Mein HerzBauchWerk blieb. Und wurde immer grösser. Es sind die Mörgen, die ich zum Arbeiten brauche. Meist steh ich um vier Uhr auf und arbeite bis 6.30 Uhr. Dann müssen alle Kinder angezogen werden weil unser grösster Kindergarten hat. Jaaaaa ich gebe es zu, vorher gab es Tage, an denen manchmal meine Kinder noch bis 9 oder 10 im Schlafanzug waren. Vor allem wenn ich male, oder sonst ein Projekt habe, dass ich einfach sehr gerne beenden möchte, dann komm ich oft wieder in diesen Flow. Und dieser Flow lässt mich auch oft anderes ausblenden. Ich seh dann den Haushalt nicht mehr, den ich machen sollte. Ich parkiere dann meine Kinder vor dem TV oder dem iPad. Ja das tu ich. Vielleicht ist das der Punkt in dem du jetzt denkst: ah siehst du, und doch leidet etwas darunter! Ich würde lügen, wenn ich hier jetzt schreiben würde, dass alles einfach so easy peasy läuft. Das tut es nicht. Und eigentlich, ja eigentlich müsste ich das alles ja auch nicht tun! Ich gebe es zu, mein Leben wäre einiges einfacher ohne HerzBauchWerk. Das findet mein Mann übrigens auch. Und auch das macht es nicht leichter.

Ich habe aber auch Wege gefunden, in denen ich für meine Kinder da sein kann und trotzdem noch etwas arbeiten kann. Wenn ich mit ihnen einschlafe, dann bleib ich oft auch im Bett und mal dann meine Projekte auf dem iPad.

Es ist einfach dieses Gefühl in meiner Brust, dass mir sagt, dass ich etwas tun muss. Ich hab in den letzten bald zwei Jahren so so unglaublich viel lernen dürfen. Ich durfte so viele, spannende Menschen kennen lernen, die alle ihr HerzensDing machen. Und ich, ich mach einfach das, was in meiner Möglichkeit steht im Moment. Um meine Kinder herum. Oder mit ihnen. So gibt es Tage, da malen wir zusammen. Oder sie dürfen kurz einen Moment fernsehen, während ich gerade eine Email beantworte oder etwas an meiner Homepage herum schrübele. Schwierig wird es, wenn ich eine Meditation oder ein Video in Ruhe aufnehmen möchte. Weil es hier nie ruhig ist.

Ob irgendjemand darunter leidet? Ich weiss es nicht. Ich kann dir nicht sagen, ob es besser wär, wenn ich ein oder zwei Tage fix in der Woche weg wäre um zu arbeiten und meine Kinder fremd betreut würden. Sicherlich wäre unser Alttag ein bisschen weniger chaotisch. Ich hätte meinen Haushalt besser im Griff. Ich müsste mich und mein Business nicht vor meinem Mann verteidigen. Ich könnte ins Pilates gehen, weil ich keine Meditationsabende mehr durchführen würde. Ich wär vielleicht noch ein bisschen präsenter für meine Kinder. Aber ob ich glücklicher wär? Ich glaube nicht.

Ich brauch Austausch. Ich möchte mit Menschen kommunizieren, sie kennen lernen, in Verbindung sein. Ich muss mein Hirn benutzen können und da reicht mir eine runde Memory mit den Kids nicht aus. Abgesehen davon, dass sie eh viel besser sind.

Ich brauche meine kreativen Mörgen. Weshalb das alles funktioniert trotz meiner Hochsensibilität? Ich hab einfach irgenwann mal in meinem Leben heraus gefunden, dass auch ich Bedürfnisse habe. Es gab Zeiten, da konnte ich meine Bedürfnisse nicht mal formulieren, weil ich so sehr von ihnen abgeschnitten war. Hochsensible Menschen spüren oft in erster Linie einfach mal die Bedürfnisse der Anderen und geben alles dafür, um diese zu befriedigen. Auch im Job machte ich das lange Zeit so. Zum Beispiel, dann, wenn ich 60 Stunden für jemand anderes gearbeitet und alle meine privaten Termine unter der Woche gestrichen hab. Heute mach ich das nicht mehr.

Manchmal ist auch bei mir alles etwas viel. Dann schmerzt der Kopf. Manchmal, da merk ich, dass ich wieder ein paar Gänge zurück schalten muss. Dann läuft halt alles etwas langsamer und gemächlicher. Und wenn dann irgendwann der innere Kritiker kommt und sagt: „heiii, aber du solltest jetzt schon endlich wieder mal was für dein Business tun!“ Dann antworte ich: „heiiii, nimms easy Alter, ich hab schon einen 100% Job, und das ist MamaSein!“

 

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