Es neigt sich eine Woche dem Ende zu, die es in sich hatte für mich. Eine ganz spannende, aussergewöhnliche Woche. Eine etwas andere Woche als sonst. Eine, mit ganz vielen Erkenntnissen und neuen Herausforderungen.

Jedes Jahr im Januar tauche ich drei Tage in mein altes Leben ein. Von Jahr zu Jahr wird dieses alte Leben immer älter. Jedes Jahr wird mir bewusst, wie sich dieses Leben Stück für Stück, Jahr für Jahr weiter von mir entfernt.  Und doch machen mir diese drei Tage immer wieder unglaublich viel Spass.

Jedes Jahr im Januar darf ich den Azubis in St. Gallen einen Kurs geben, in dem ich ihnen erkläre, wie man Totale Prothesen nach einem ganz bestimmten System herstellt.

Das System heisst Gerber. Nach diesem System zu arbeiten hab ich recht gut gelernt, als ich für ein paar Jährchen in der Firma arbeitete, die die Zähne, Kunststoffe und Hilfsmaterialien für dieses System herstellt und verkauft.

Mit Zähnen hab ich nicht mehr allzu viel zu tun, vieles hab ich los gelassen aber dieser Kurs ist geblieben. Und weisst du was? Ich mach das richtig richtig gerne. Ich hab schon immer unglaublich gern anderen Menschen Dinge erklärt. Gezeigt, dass es andere Wege gibt von A nach B zu kommen, hab gerne ihr Talent aus ihnen gekitzelt.

Genau das durfte ich diese Woche wieder machen. Eine ganz ganz tolle Gruppe Lernender hat mich und meinen CoReferent empfangen. Da soll noch einer sagen, dass die heutigen Jugendlichen völlig unmotiviert sind. Ha! Ich hab was ganz anderes erlebt!

Für mich und vor allem für unsere Familie sind aber diese drei Tage nicht nur einfach ein bisschen Kurs geben und an Zähnen rum basteln.

Das ist viel mehr. 

Das ist mehr als nur ein bisschen Zähnchen basteln…

Mein Mann übernimmt dann für drei Tage die Stellung zu Hause. Wir tauschen die Rollen. 

Plötzlich bin ich die, die aus dem Haus geht, wenn alle noch schlafen, und nicht er. Für drei Tage bin ich die, die auf dem Heimweg den Mann anruft und sich erst einmal durch drei Kinder und Geschrei hindurch telefonieren muss bevor sie mit ihrem Mann sprechen kann. Für ein Weilchen komme ich kaputt nach Hause und würde am liebsten einfach nur ins Bett fallen.

Für einmal erlebe ich die Kinder nur noch im chaotischen „ich lass mal die letzten 10 Zentimeter Chaos aus mir raus bevor ich schlafen geh.“ Ich erlebe sie in dem Moment, in dem ich nichts weiter als mal kurz durchatmen und Daheim ankommen möchte. Und werde natürlich dieser Erfahrung beraubt. Statt dessen wandelt sich in mir meine Angespanntheit, die sich den ganzen Tag hindurch aufgebaut hat, in Nervosität und Wut um, um sich dann in einem lauten „Gopfedami, kann ich eigentlich auch mal in Ruhe heim kommen!!!???“ den Weg nach draussen zu verschaffen.

Uuuuups. Waren das nicht gerade die Worte, die ich sonst immer von meinem Mann höre??? Waren das nicht gerade die Emotionen, die mich so auf die Palme bringen, wenn er nach einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause kommt?

Für drei Tage ist es mein Mann, der den Grössten in den Kindergarten begleitet, die Mittlere in die Spielgruppe fährt, Geburtstagsbrownies aus vier Tafeln Schokolade mit Smarties Schokoguss bäckt, Windeln wechselt, wäscht, aufräumt, putzt und kocht. Kinder wieder abholt, Kinder bespasst, Kinder ins Bett bringt.

Und weisst du was? Dieser Tausch tut uns beiden jedes Jahr richtig richtig gut!

Wie oft bin ich enttäuscht über meinen Mann, wenn er Feierabend hat und nicht wirklich Lust dazu hat, sich mit den Kindern abzugeben? Heute verstehe ich ihn wieder besser. Denn nach einem anstrengenden Tag ist es manchmal echt einfach schwer, sich noch mit drei kleinen, wilden, lauten und chaotischen Kindern abzugeben. Vor allem dann, wenn der Körper und der Geist nach Ruhe lächzt.

Wie oft hat er sich im Gegenzug darüber aufgeregt, was für ein Chaos in antrifft, wenn er nach Hause kommt. In den letzten paar Tagen hat er gemerkt, wie schwer es sein kann, Ordnung zu halten. Er hat gemerkt, wie nervend es ist, den ganzen Tag den Kindern hinter her zu räumen. Man lässt es echt lieber sein. Denn es ist eine never ending Story. Bis zum Abend.

Mein Mann hat gemerkt, dass das Hausfrauenleben doch nicht so frei ist, wie man denkt, denn zwischen Kinder holen und bringen, Essen kochen und einkaufen liegen manchmal echt nur ganz kleine Zeitfenster, die genutzt werden wollen.

Ich habe gemerkt, dass mir mein erlernter Beruf Spass macht. Aber nur auf diese Art und Weise. In einem Labor wieder zu arbeiten, das kann ich mir ganz ehrlich gesagt im Moment sehr schlecht vorstellen. Ich sage niemals nie. Denn ich weiss nicht, was die Zukunft bringt. Wahrscheinlich werde ich im Sommer auf einen Job angewiesen sein. Weshalb, das kann ich noch nicht offiziell sagen, weil es noch nicht spruchreif ist. Doch ich hoffe, dass ich das Geld, dass wir dann brauchen, auf eine Art und Weise verdienen kann, die sich mit unserem Alltag und unserem Familienleben verträgt. Ich brauche einen familienkompatiblen Job.

Ich merke, wie ich mich jedes Jahr mehr und mehr von dem, was ich gelernt hab entferne. Dieser Job ist ganz wunderbar. Er unterliegt gerade grossen Veränderungen. Viele Arbeitsschritte werden digitalisiert, viele Produkte werden gedruckt oder gefräst. Arbeitsschritte, die früher von Hand gemacht wurden übernehme heute der Computer oder Maschinen. Aus einem Handwerk wird ein Digitalwerk. Oder so ähnlich.

Irgendwann mal werde ich zum alten Eisen gehören. Irgendwann hab ich den Anschluss verpasst. Das ist auch ok so. Denn auch ich habe mich verändert. Irgendwann ist für mich die Zahntechnik wohl ein altes Eisen. Trotz so vielem Neuem und Spannendem, was gerade passiert.

In den letzten drei Jahren habe ich Dinge gelernt, die ich nie gelernt oder gemacht hätte, wenn ich noch in meinem alten Leben leben würde. Ich bin so was wie eine Freilernerin. Und geniesse das. Es ist so spannend, für mich und mein HerzBauchWerk meinen Weg zu gehen und neue Welten zu entdecken. Komfortzonen zu verlassen, Neues auszuprobieren und manchmal halt auch mit Ideen zu scheitern. Das gehört dazu. Insgeheim hoffe ich, dass ich keinen Job brauche im Sommer. Ich hoffe, dass mir HerzBauchWerk das Geld bringen kann, das ich benötige für unsere nächsten Schritte als Familie. Dabei geht es nicht um Luxus, den wir uns leisten möchten. Sondern um ein Stückchen Freiheit und Selbstbestimmung. Für uns und unsere Kinder. Ich will jetzt aber nicht verbissen HerzBauchWerk in ein anderes Level pushen. Es ist mein HerzensThema hier und kein BusinessDings. Alles braucht seine Zeit. Und seine Zeit soll auch HerzBauchWerk haben. Wir wachsen ganz gemütlich, ohne Druck. Wenns nicht sein soll, such ich mir etwas, dass von aussen noch ein bisschen Geld bringt. 

Ich lass die Zähne los. Schritt für Schritt, Stück für Stück. Ich lass ein Leben los, das mir Sicherheit und Spass gebracht hat. Für einen Sprung ins Ungewisse. Der noch mehr Spass und Abenteuer und aber auch viel Unsicherheit und die eine oder andere Angst mit sich bringt.

Wie jedes Jahr um diese Zeit wird in mir wird wieder der Wunsch wach geküsst, dass mein Mann und ich uns das Familien- und Arbeitsleben zu gleichen Teilen miteinander teilen.

Ob wir das irgendwann mal hin kriegen, dass wir beide arbeiten und zu Hause bleiben?

Es ist  eine grosse Sehnsucht von mir. Denn ich merke, dass wir alle davon provitieren würden. Wir würden einander ein bisschen besser verstehen. Wir würden beide für unsere Kinder in ihrem Alltag da sein können. Wir würden uns die Rollen und Verantwortungen teilen können.

Ich bin gespannt, was die Zukunft bringt. Ich bin gespannt auf den nächsten RollenTausch in einem Jahr.

 

 

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