Das MutterSein wär ja schon ein riesiges Thema an sich. Da könnte man stuuuundenlang darüber schreiben, das machen auch viele. Doch was ist, wenn man hochsensibel Mutter ist?

Alles einfacher?

Alles schwieriger?

Alles ganz anders?

Nicht alles. Aber vieles!!!

Hochsensibel UND Mama sein ist nämlich manchmal eine fantastisch herausfordernde Mischung aus einer Extraportion Feinfühligkeit, Reizüberflutung, alles perfekt machen und in Harmonie halten wollen, sich nicht abgrenzen können und einfach nur für die Kinder da sein wollen.

Ich gebe es zu: auch wenn bei mir oft vieles so locker flockig rüber kommt, auch ich habe schwierige Tage oder Wochen. Zeiten, an denen ich auf einem ganz ganz schmalen Grat wandere zwischen „Es ist alles ok, alles kommt gut“ und „ich stürze gleich ab und dann ist alles aus.“

Regelmässig halse ich mir zu viel auf. Meine ToDoListen sind ellenlang und bringen mich regelmässig fast zum Durchdrehen. Und doch kann ich es oft nicht sein lassen, doch noch neue Projekte anzunehmen. Und doch geht immer irgendwie alles auf.

Neustes Beispiel: Mein Fasnachtsprojekt. Ich lebe in der Innerschweiz. Eine Region, in der die Fasnacht zelebriert wird. Hier herrscht vom SchmutzigenDonnerstag bis Aschermittwoch Ausnahmezustand. Jedes Jahr sage ich, ich bastle etwas und jedes Jahr kommt etwas dazwischen und ich ertappe mich dabei, wie ich im Netz einfach ein paar langweilige Kostüme für die Kids bestelle.

Dieses Jahr war etwas anders. Mein Mann fragte mich vor zwei Wochen (!) was wir an der Fasnacht tragen werden. „Ich bestell was im Internet“, meine Antwort. „Dort gibts nur Scheiss!“ war seine nach zwei Stunden Recherche.

„Gut, dann bastel ich halt was!“ meine Schlussfolgerung. „Nael, als was willst du an die Fasnacht?“

„Riesenkrake!“

Aaaaaah ja. Was soll ich sagen, ich fand mich in zweiwöchigen Dauergebastel und genähe wieder und unser Wohnzimmer sah zeitweise aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen.

Es muss halt alles perfekt sein!

Plötzlich vergesse ich dann alles andere rundherum. Manchmal auch Dinge, die wichtig wären. Den Haushalt, die Wäsche, das Mittagessen.

Meine Gedanken drehen nur noch um dieses eine Projekt, dass ich unbedingt fertig haben möchte. 

Und dann? Irgendwann ärgere ich mich darüber, dass ich mir das aufgehalst hab. Bestellen im Internet wäre einiges leichter und stressfreier gewesen…

Nun ja, ich hab es geschafft, wieder einmal. Und gemerkt, dass ich an meine Grenzen stosse. Wieder mal.

Selber schuld, magst du jetzt denken, nicht?

Ja klar! Selber schuld! Du hast recht!

Und nun? Nun kehrt langsam wieder Ruhe ein, kann ich regenerieren, meine Kinder auch. Denn klar, die bekommen den Trubel natürlich auch mit. Die werden dann noch wilder, lauter, unerträglicher und ich sollte mich fokussieren und konzentrieren können.

Moment mal… Ich frage mich gerade, ob sie tatsächlich lauter und unerträglicher werden oder ob mein Nervenkostüm in solchen Momenten einfach dünner und dünner wird und viel weniger erträgt…

Hallo Teufelskreis. 

Meine Kinder spiegeln mir regelmässig, wann es wieder mal an der Zeit wäre, Ruhe ins System zu bringen. „Aber nicht jetzt…“ denk ich oft. „Nur noch rasch, dann….“

Ich muss mich regelmässig an der Nase nehmen und eine Pause einlegen.

Für mich. Für die Kinder. Sonst wird schnell alles viel zu laut, zu wild, zu unberechenbar.

Oh wie gerne würde ich manchmal einfach in meine Welt abtauchen und nach meinen Regeln den Tag gestalten! Das geht leider mit so kleinen Kindern nicht. Ich merke, wie mich das oft aus der Bahn wirft. Weil ich mich oft nach ihren Bedürfnissen richten muss. Ist ja auch ganz normal. Aber ich hab auch Bedürfnisse. Und die können manchmal ziemlich speziell sein.

Wenn ich mich selber verliere, mich nicht mehr spüre dann wird zu schnell alles zu viel. Ich hab dann keine Nerven mehr für meine Kinder. Ich bin zerstreut, ich fühle mich gestresst, wie ein Hamster, in einem Rad.

Ich hab dann das Gefühl, irgendwie alles falsch zu machen.

Es gibt keinen Fokus mehr. Wie ein blindes Huhn scheine ich dann dem einen Körnchen hinter her zu suchen, dass mich wieder ruhiger werden lässt. Nur leider find ich es nicht. Ich mach dann ganz vieles und doch nichts. Der Haushalt mutiert dann zu einer RIESIGEN Herausforderung für mich. Gerade eben hab ich angefangen, die Wäsche zusammen zu legen, da kommt mir in den Sinn, dass ich unbedingt noch den Müll raus tragen muss, und äh, was koch ich zu Mittag? Ohje schon 11.30 ich muss meinen Sohn holen gehen… Ich bin die Mutter, die dann um 12 Uhr nach hause kommt, drei hungernde Kinder an den Händen hält und immer noch nicht weiss, was sie nun kochen soll. Verdammt!

Chaos macht sich breit und breit und breeeeeeiiiiit. Genau dieses Chaos (klar selbstgemacht) hasse ich an mir. Struktur wäre das Zauberwort. Struktur ist etwas, das für mich sehr schwer zu erreichen ist. Ich sehne mich oft danach. Nach klaren Linien, Regeln und Ordnung.

„Deine Kinder brauchen klare Ansagen. Irgendwann trampeln die dir auf der Nase rum. Maaaan wieso können die nicht einfach folgen, wie andere Kinder? Jetzt gibts aber dann wirklich mal eine Strafe! Du musst konsequent sein, sonst…“ denkt es mit mir.

Doch dann funkt das Herz dazwischen. Es geht nicht. Ich kann nicht. Ja ich bin dann gestresst und mir wird vieles zu viel. Und jaaaaaa auch la Suppiger wird mal laut! Aber irgendwie hat dieses Chaos auch sein Gutes. Ich bin impulsiv und lebe oft aus dem Moment heraus, spontan, hab aufgehört damit, den Verstand zu fragen, was gut und was richtig ist sondern mach aus dem Gefühl. Vielleicht eine etwas gefährliche Option, die ich da wähle, wer weiss. Für manche scheint sie jedenfalls gefährlich zu sein, ich fahre gut damit.

Gut gemeinte Ratschläge sind halt einfach nur gut „gemeint“. Es gibt hier einen ganz guten Spruch: Du weisst schon, wer meint? Der Bettnässer, er hätte nur geschwitzt zwischen den Beinen… Komisch, dass mir dieser Spruch immer wieder in den Sinn kommt, wenn mich gute Ratschläge erreichen, wie ich meine Kinder zu erziehen hätte.

Verstehe mich nicht falsch. Ich bin sehr offen für Erziehungstipps. Für neue Lösungsansätze. Wenn ich danach frage.

Ich beobachte sehr oft, dass gerade hochsensible Mütter sehr damit hadern, dass sie und ihre Probleme nicht ernst genommen werden. „Ach das kommt dann schon…“ oder „du musst halt so und so, dann klappt das…“ funktioniert hier nicht. Ja, ich gebe es zu, als HS Mama sieht man vielleicht Probleme, die andere nicht sehen, macht man sich vielleicht das Leben aus Sicht der anderen unnötig schwer. Da kann es vorkommen, dass man dem Baby halt den Schnuller nicht mit aller Gewalt 20 tausend Mal in den Mund drückt, damit es endlich ruhig ist, und schnullert, weil man merkt, dass es doch irgendwie eine Abneigung gegen dieses Ding hat.

Aber man könnte ja. So brachial.

Und doch kann man dann nicht.

Man hätte viel mehr Bewegungsfreiheit, wenn man dieses Baby doch jetzt endlich vom Tragetuch entwöhnen und einfach an sein Bettchen gewöhnen würde.

Ja hätte man.

Man kann aber nicht. Weil man merkt, dass gerade dieses Kind Kontakt braucht.

Was passiert dann?

Wir fühlen uns, als wären wir schlechte Mütter. Denn alle anderen haben ihre Kinder ja im Griff. Alle andern machen das so locker flockig. Alle andern verstehen nicht, weshalb hier ein Problem vorliegen sollte und gerade ich nicht einfach die Lösung dafür zücke.

Wir fühlen uns wertlos, klein, unbelastbar, unstrukturiert, chaotisch, als schlechte Mutter. Doch eigentlich machen wir alles ganz richtig. Nach unseren Regeln. Genau die zählen. Keine andern.

Wir müssen einfach wieder den Mut finden, für uns, unser Gefühl und das AndersSein einzustehen!

Bedürfnisse wahr zu nehmen ist etwas wunderbares. Ich richte mein Leben sehr nach meinen Kindern. Doch ich habe auch damit angefangen, meine Bedürfnisse in meinem Leben zu achten.

Ich hab damit angefangen, mir kleine, klitzekleine Inseln im Alltag zu schaffen, an denen ich mich auf mich konzentriere. Alles drumherum vergesse, tief einatme, mich erde, mein Energiefeld ausdehne. Und ich hab damit angefangen, wenn mir wirklich der Deckel auf den Kopf fällt, die Kinder mit in den Wald zu reissen und mit ihnen dort alles raus zu schreien, was mich so unglaublich hibbelig, nervös und unerträglich macht.

Ich kommuniziere offen, wenn meine Reize überflutet sind, wenn alles zu viel wird, wenn ich meinen Fokus verliere. Vor meinen Kindern.

Denn eigentlich, ja eigentlich hasse ich dieses MamaMonster in mir, das sich ab und an zeigt. Aber ich weiss auch, dass auch dieses Monster ein Teil von mir ist, auch das gesehen werden will und dass es sich nur dann zeigt, wenn mir alles zu viel wird. Dann kurz inne zu halten und sich zu überlegen: „was brauche ich im Moment gerade am meisten?“ Das ist der grosse Schlüssel.

Ich glaube, dass ich es schon ein paar Mal hier geschrieben hab, dass wir HSP uns oft nach den Bedürfnissen der Anderen richten. Weil wir diese so gut wahrnehmen können. Doch ich frage dich, liebe Mama, vielleicht auch ein wenig provokativ:

Kennst du denn DEINE eigenen Bedürfnisse auch so gut wie die der Anderen?

Und dann sind da noch die gut gemeinten Ratschläge.

Wenn ich mich verliere, dann weiss ich meistens nicht mehr, was mir jetzt, in diesem Augenblick gut tun würde. Ich sehne mich nach Ruhe, Fokus, entspannt sein, nach ruhigen, braven Kindern. Genau die hab ich in diesem Augenblick gerade ganz sicher nicht!
Doch könnte es auch sein, dass meine Kinder genau meine eigene Unruhe spüren und diese lauthals in die Welt hinaus tragen? Sind sie vielleicht einfach nur ein Spiegel meiner Selbst? Was würde passieren, wenn ich einfach nur in die Ruhe, die ich so sehr vermisse, gehen würde?

Geht nicht, meinst du? Wer sagt denn geht nicht? Aaaaah, der Verstand! Was würde passieren, wenn ich mich trotzdem dafür entscheiden würde?

Das sind immer ganz spannende Fragen. Und noch spannender wird es, wenn man einfach mal ausprobiert. Vielleicht hast du ja das nächste Mal Lust und Zeit dazu und erinnerst dich an meine Worte, wenn du dich auch so verloren fühlst wie ich die letzten Tage.

Bei mir kehrt jedenfalls wieder die Ruhe ein. Ganz langsam. Und das geniesse ich.

Ach ja, am 17.2.18 findet mein erstes TagesSeminar für hochsensible Mamas statt. Dort hast du die Möglichkeit, dich mit anderen hochsensiblen Müttern zu treffen, zu vernetzen und zusammen werden wir in unsere Welt eintauchen. Ich werde dir Tipps und Tricks zeigen, wie du deinen Alltag leichter, kraftvoller und selbstbestimmter gestalten kannst. Alle wichtigen Infos zu dem Seminar und die Möglichkeit, dich anzumelden findest du HIER.

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