Wie sehr stehen wir uns selber manchmal im Weg? Diese Frage beschäftigt mich gerade sehr.

In mir macht sich grosser Widerstand breit. Widerstand, der mir nicht gut tut. Oder eben doch. Weil ich merke, dass da gerade etwas ganz und gar nicht im Fluss ist. Alles bleibt liegen, mein Alltag ist schwer, es bereitet mir grosse Mühe, nur schon „das bisschen Haushalt“ aufrecht zu erhalten.

Eigentlich, ja eigentlich wenn ich es ganz einfach sehen würde, ist da einfach mein Sohn schuld daran. Denn der hat gerade eine Phase. Eine schwierige Phase.

Das schwierige Kind ist gerade ein noch  schwierigeres Kind, will nicht so, wie ich es will. Würden manche vielleicht behaupten.

Punkt. Aus. Theoretisch wär jetzt dieser Blogpost zu ende, oder doch nicht? Schliesslich hab ich einen Schuldigen für die ganze Misere und das Ungleichgewicht gefunden.

Ja ich bin gerade sehr mit meinem ältesten Kind beschäftigt. Damit, dass es sich plötzlich, mit fünf Jahren nicht mehr von mir trennen mag. Es schreit und weint und macht ein riesen Theater.

Eine Situation, welche ich früher immer im Keim erstickte. Eine Situation, die ich gar nie aufkommen liess. Eine Situation, die keinen Platz in meinem Leben fand, denn schliesslich sagte ich meinem Kind jedes Mal, wenn ich ging, dass ich wieder komme und das hatte es zu akzeptieren. Schliesslich hatt ich ja auch noch mein eigenes Leben. Schliesslich sollte man sich nicht für die Kinder aufgeben. Schliesslich ist es wichtig, dass sie früh lernen, auch alleine klar zu kommen.

Ich war die Mutter, die ihr 14 Wochen altes Baby in der Kita abgegeben hat und einfach gegangen ist. Weil ich arbeiten wollte. Weil ich nicht wollte, dass meine Karriere den Kindern zum Opfer fiel.

Ich war die Mutter, die ihren schreienden Zweijährigen schreiend in der Waldspielgruppe neben der Leiterin stehen liess und ging. Weil ich es der Spielgruppenleiterin einfach machen wollte. Weil ich nicht ein Theater machen wollte. Weil ich die coole, harte, konsequente Mama sein wollte.

Ich bin immer einfach gegangen. IMMER. Knallhart. Es hat mir auch nicht weh getan. 

Meinte ich zumindest.

Da mussten wir durch. Alle beide.

Augen zu und durch. Fertig. Basta.

Heute, heute geht das nicht mehr. Heute holt mich das ein. Heute holt es vielleicht auch meinen Sohn ein. Er lässt mich nicht mehr einfach so gehen. Vielleicht auch, weil er jetzt genug stark ist, um mich bei sich zu lassen.

Die Experten unter euch würden mir jetzt sicher sagen, dass mein Sohn eine Verlustangst hat, meine Grenzen ausloten möchte, eine klare Linie von mir fordert. Ja klar, ihr habt alle Recht. So recht.

Und doch macht diese Situation so unglaublich viel mit mir. Sie lässt mich erkennen, wie sehr ich in den Widerstand gehe. Wie ich ohnmächtig werde, wenn mein Kind mich nicht los lassen möchte. Wie ich mich meiner Freiheit beschnitten fühle. Alles andere bleibt liegen. Ich versinke noch mehr im Chaos und sehne mich nach klaren Leitplanken. Ich sehne mich nach einer Diagnose, danach, dass mir jemand sagt, was gerade falsch läuft und ich das ändern kann.

Ich brauch eine Strategie. Hab aber keine.

Korrektur: Mein Ego braucht eine Strategie und ärgert sich darüber, dass ich keine hab. Mein Herz sagt mir, dass es keine braucht. Es braucht einfach nur Zeit und Raum für das, was ist.

Raum für meinen Sohn, seine Verlustangst, Zeit, um anzukommen.

Raum für mich, meine unterdrückten Emotionen, meine Glaubensmuster, die langsam aufbrechen.

AugenZuUndDurch

AugenZuUndDurch funktioniert bei uns nicht mehr. Schon lange nicht mehr. AugenZuUndDurch hat mir zu lange weh getan, hat mich zu sehr verbogen, hat mich an den Rand des Wahnsinns getrieben. Das AugenZuUndDurch wollen wir nicht mehr. Alle hier wollen das nicht mehr. Mit der Konsequenz, dass ich Zeit brauche, um hin zu schauen. Dass ich Raum brauche, um meine Emotionen hoch kommen zu lassen. Und ich brauch Geduld. Geduld, um dem, was sich gerade zeigen möchte, die Zeit zu geben, die es braucht, um gelöst werden zu können.

Es braucht Respekt. Respekt gegenüber von meinem Kind und vor allem gegenüber mir, gegenüber meinem inneren Kind. Mein Kind zeigt mir in diesen Tagen so schön, was dieses AugenZuUndDurch in mir, in meinem inneren Kind angerichtet hat. Es zeigt mir, dass ich selber als Mutter oft nur die AugenZuUndDurch Strategie kenne, weil alles andere für mich ganz fremd ist. Weil alles andere in mir ganz viele Glaubensmuster aufploppen lässt, die ich erst einmal erkennen und auflösen muss.

Man sollte, müsste, könnte. Wenn du das jetzt durchgehen lässt, dann…

Ach ja, dieses schwierige Kind…. Dieses schwierige Kind wär eigentlich so einfach, wenn ich meinen Widerstand los lassen und einfach annehmen könnte, dass es ist, wie es ist.

Wer sagt uns schon, was wir tun und lassen sollten? Wer weiss schon, was richtig und was falsch ist? Wollen wir wirklich wie diese Affen enden, die einander immer wieder von der Leiter ziehen und eigentlich gar nicht mehr wirklich wissen, weshalb sie das tun? Sie tun nur, weil die AffenGenerationen vor ihnen das auch getan haben.

Was tust du, nur weil man es tut? Und tut es dir gut? Diese Frage sollten wir uns viel öfter stellen.

Ich bin im Prozess. Nicht zuletzt, weil ich gerade auch in meiner FacebookGruppe mitten in der IntensivWoche zum Thema Dein inneres Kind und Du stecke. Mein inneres Kind will gerade gesehen werden. Mein inneres Kind will gerade heil werden. Und ja, nur weil ich innere Kinder thematisiere heisst das noch lange nicht, dass meins heil und kein Thema mehr ist.

Es wird mir immer wieder gezeigt, welche Teile in mir noch heilen dürfen. Auch durch meine Kinder. AugenZuUndDurch darf heil werden. AugenZuUndDurch wollen meine Kinder nicht. AugenZuUndDurch will ich nicht mehr. AugenZuUndDurch lass ich los, lässt mein inneres Kind los, damit meine Kinder kein AugenZuUndDurch mehr erleben müssen.

So darf mein Kind heil werden.

So darf ich heil werden.

Es braucht Zeit. Zeit und Geduld. Und Vertrauen in den Prozess, mit einer Prise  „Es ist wie es ist.“

Viel hab ich bis jetzt erkannt. Zum Beispiel die Tatsache, dass wir es immer selber sind, die uns die Luft zum Atmen nehmen, in dem wir uns viel zu wenig fragen: „tu ich das, nur weil man es tut? Tut es mir gut? Will ich das?“

AugenZuUndDurch ist durch. Geht nicht mehr. AugenZuUndDurch ist langweilig geworden. Es ist keine Option mehr. Es lässt uns zu Affen werden.

PS Das Foto zu diesem Beitrag hat meine Nachbarin und wunderbare Künstlerin Priska Leutenegger geschossen. Ich liebe ihre Kunst, denn sie öffnet Augen. AugenZuUndDurch funktioniert hier auch nicht. Danke Priska für dein pures Sein, für deine authentische Kunst und dafür, mich in einem ganz anderen Blickwinkel zu zeigen. Mit meinen Schatten nämlich.

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