Sag mal, magst du dich so, wie du bist? Hast du dir schon mal Gedanken darüber gemacht, ob die Art, wie du wahr nimmst „richtig“ ist? Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich zum Beispiel als Kind mir stundenlang darüber Gedanken machen konnte, ob ich jetzt die Farben richtig sehe oder nicht. Ob mein Grün das „richtige“ Grün ist und nicht vielleicht in Wahrheit doch blau, nur ich sehe grün. (Hihi, mir wirds jetzt schon wieder gleich trümmlig wenn ich daran denke).

Wer gibt denn vor, welche Wahrnehmung die richtige ist? Wie viel normales sehen, riechen, schmecken, fühlen und hören ist, und was denn schon über diese Normalitätsgrenze, die irgendwo gezogen wird, geht und „nicht normal“ bzw. hochsensibel ist?

Könnte es evt. auch sein, dass Hochsensible „normal“ wahr nehmen und der Rest der Bevölkerung einfach ein bisschen zu sehr filtert und darum weniger wahr nimmt? Wer bestimmt denn, dass unsere Filter zu wenig filtern und wir von Reizen überfluten? Vielleicht ist einfach das Leben hier mit einfach extrem vielen Reizen bestückt worden, mit zu vielen Reizen, die uns Menschen ganz allgemein nicht gut tun.

Vielleicht haben einfach viele gelernt, diese Reize weg zu filtern, aber eigentlich tut ihnen dieses Filtern nicht wirklich gut. Wer weiss.

Wie entsteht dieses zuviel an Reizen? Es entsteht durch Wertung. Dadurch, dass dir irgend jemand sagt, wie emotional, empfindlich oder übertrieben erregt du im Moment bist.

Zuerst wertet uns jemand, gibt einen Vergleich ab, sagt uns wie wir sind und was passiert dann? Genau, wir beginnen uns zu vergleichen, und merken, dass wir tatsächlich empfindlicher, hellhöriger, ja vielleicht sogar hellsinniger sind als viele andere um uns.

Und dann? Dann gibt es für mich zwei Entscheidungen, die wir treffen können:

Entscheidung a)           Das alles geht uns am Popo vorbei und wir machen weiter so wie bisher, weil wir uns absolut ok so fühlen, wie wir sind.

Entscheidung b)           Wir fangen damit an, uns zu vergleichen und Gedanken darüber zu machen, wie wir sein sollten, wie wir richtig reagieren sollten und erkennnen, dass wir ganz anders sind und wollen uns dann der Norm, die wir für uns kreieren anpassen.

Das mit dem Anpassen klappt nicht. Glaube es mir. Ich habe es jahrelang versucht und mich dabei fast kaputt gemacht. Sich selber so akzeptieren wie man ist, die eigene Hochsensibilität kennen lernen und im Leben integrieren hingegen kann bedeuten, dass man ziemlich fest an sich arbeiten wird in Zukunft.

Nun gut, ich weiss, dass viele nicht so gern an sich arbeiten. Die eigenen Probleme vor sich hin schieben scheint manchmal fast ein bisschen einfacher, als sich in unbekanntes Terrain zu wagen. Hochsensibilität ist unbekanntes Terrain. Sie überrascht mich auch heute noch jeden Tag. 

Ich kenne langsam meine grossen Vorzüge daraus, kenne die schwierigen Situationen, in denen ich achtsam mit ihr umgehen muss. Und hei, auch ich komm immer wieder an Punkte, in denen es schwierig für mich ist, mit meine Hochsensibilität umzugehen.

Das Wichtigste für mich aber ist die Tatsache, dass ich meine Hochsensibilität nicht mehr missen will. Sie ist ein Teil von mir. Und während ich so schreibe, erkenne ich, dass genau das Anpassen an eine Norm, die theoretisch gar nicht existiert, mich mit ganz vielen Filtern zugedeckt hat.

Viele Fragen stellen sich mir immer und immer wieder, zum Beispiel, ob man Hochsensibilität, Sensitivität und Medialität so stark trennen kann und soll. In meinen Augen ist der Übergang sehr sehr schwammig. 

Oder die Frage, ob Hochsensibilität und AD(H)S einen Zusammenhang haben. Manchmal denke ich schon. Denn wenn mir jemand von ADHS erzählt, wie zum Beispiel Kafi Freitag in diesem Video (auf Schwiizerdütsch), dann denke ich oft, dass ich diese Diagnose auch an der Backe hätte, würde ich mich abklären lassen.

Die Frage ist wohl, was du aus deiner Hochsensibilität machst.

Kämpfst du gegen sie an, willst du sie los werden, orientierst du dich an dem linearen Denken, dass uns vor gegeben wird, oder gibst du dir die Erlaubnis, anders zu sein, feiner zu sein, feiner wahr zu nehmen, ein kreatives, buntes und selbstermächtigtes Leben zu führen?

Wahrscheinlich braucht die Welt mehr selbstbewusste Hochsensible, die sich zeigen, wer weiss. So wie Kafi, die sich selbstbewusst 40min im Auto filmen lässt, davon erzählt wie sie mit ADHS umgeht und ihren Alltag beschreitet. Sie hat es so schön beschrieben: Es kommt darauf an, ob man selbstbewusster ADHSler ist oder nicht. Ihre „Krankheit“ wurde ihr ziemlich spät bewusst und sie hatte einen gesunden Umgang mit sich, wusste, dass sie etwas anders tickt, hat sich aber mehr oder weniger so genommen, wie sie ist.

Ich glaube, genau darum geht es auch beim Thema HochsensibelSein. Entweder du entscheidest dich dafür, selbstbestimmt deine Hochsensibilität auszuleben oder versuchst dein Leben lang, dich irgendwo einzugliedern und anzupassen. Vielleicht machst du dabei immer wieder die schmerzliche Erfahrung, dass du der Norm, die du in deinen Gedanken konstruierst und bestimmst, einfach nicht genügst.

Du bist dann also immer im Mangel. Du bist dann nie genug gut. Nie genug stark, nie genug taff. 

Ich möchte dir eine wichtige Frage stellen, und zwar: Kann es sein, dass du gerade dafür hier bist, auf diesem wunderbaren Planeten, um dich selber genau so wahr zu nehmen und zu leben, wie du bist? Ganz selbstwirksam? Wer bist du, wenn wir mal einfach all die kleinen Schubladen, die wir Menschen so gerne konstruieren, weg lassen?

Wer bist du, wenn es Hochsensibilität, ADHS, Medialität und weiss der Geier was alles nicht geben würde? Wenn alle diese Bewertungen einfach nicht existieren würden?

Genau, du wärst (und das bist du auch!) ein wundervoll wunderbares Individuum, dass sich keine Gedanken darüber machen muss, in welches Schublädli es nun passt oder nicht. Du könntest dir den Raum geben, den du brauchst, um dich zu leben. Du wärst einfach du. Ohne irgend welche Bewertungskriterien.

LebensBaum

Ganz ehrlich. Für mich gibt es nicht ein bisschen hochsensibel, 50% hochsensibel oder 100% hochsensibel. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich diese Schublädli überhaupt nicht mag. Ich verstehe, dass sie existieren, die Schubladen und Strukturen. Genau diese Schublädli sind aber auch der Grund, weshalb ich mich lange Zeit nicht an das Thema HS gewagt habe, weil ich mich nicht zu sehr darin fest halten wollte. Und doch merke ich, dass es wichtig ist, das alles zu thematisieren, damit sich die Menschen erst einmal finden und erkennen können.

Für mich trägt jeder Mensch das Potential Hochsensibilität in sich, und ja, ich sehe sie als ein Potential. Und ja, ich weiss, dass die Wissenschaft aber beweisen kann, dass in den Hirnen von HSP ganz andere Regionen aktiv sind als bei „Normalen“ Menschen. Wir wissen aber auch, dass Hirne wandlungsfähig sind. Wir wissen, dass Bewusstsein wachsen kann, dass es sich verändern kann. Und so glaube ich daran, dass in jedem Menschen ein Hochsensibler schlummert. So wie manche glauben, dass jeder Mensch einen siebten Sinn hat, medial oder sensitiv sein kann, wenn er diese Kanäle trainiert.

Ich jedenfalls kenne keinen medialen oder sensitiven Menschen, der nicht hochsensibel ist. Vielleicht ist ja hochsensibiliät die Vorstufe davon. Oder vielleicht ist Hochsensibiliät der Versuch der Wissenschaft, Medialität und Sensitivität wissenschaftlich zu erklären. Wer weiss.

Eins weiss ich: all die Grenzen sind schwammig. Die Grenzen zwischen AD(H)S und HS, die Grenzen zwischen „normaler“ Wahrnehmung und hochsensibler Wahrnehmung und zwischen dem Übersinnlichen und dem Hochsensiblen.

Eines, eines bleibt aber immer gleich, und das bist du! Du bleibst dieses wunderbare Wesen, dass irgendwann mal auf diesem Planeten gelandet ist, um ein irdisches Leben zu führen, um dich zu leben, um Erfahrungen zu machen und um zu lernen. Dein Leben lang. Auf welche Art und Weise auch immer.

Lebe deine Essenz, denn dazu bist du da.

Selbstbewusst sein bedeutet, sich selber über sich bewusst werden, sich selbst bewusst zu leben. Mit allem, was man in dieses Leben bringt. Fern von allen Bewertungen, Strukturen und EgoMustern.

 

Hast du Lust, dein Potential als Hochsensible zu erkennen und zu entfalten? In meinen Begleitungen, OnlineKursen und Seminaren helfe ich dir gerne dabei!

 

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