Sind hochsensible Kinder wirklich schwierige Kinder? Immer wieder treffe ich auf ganz ungläubige Blicke und komische Kommentare, wenn ich mich und meine Kinder als hochsensibel „oute“. Schon klar, meine Kids sind eigen. So eigen, wie ich es als Kind war. So speziell und eigen, wie ich es teilweise heute noch bin. (sonst würde ich mich manchmal ja auch nicht wie eine Ausserirdische fühlen, oder?)

Hier kommen meine persönlichen 6 Fakten über das hochsensible Kind:

1. Hochsensible Kinder konfrontieren.

Und das beginnt meistens schon ganz ganz früh. Schon im Säuglingsalter. HS Babies brauchen oft viel Körperkontakt (oder vielleicht gerade wenig), fühlen sich oft in Kinderwagen nicht wohl, wollen getragen werden, brauchen am Abend lange Zeit, um einzuschlafen. Sind sie überflutet mit Reizen, zeigen sie das gerne durch weinen. (Wie sollen sie es auch sonst kund tun?)

Auch ich war so ein Baby. Jeden Abend pünktlich von 19.00 – 20.00 Uhr brauchte ich anscheinend meine Schreistunde. Und weisst du was? Meine drei Kinder haben es mir (zur Freude meiner Mama) gleich getan. Jedes brauchte seine Weinzeit, um die Flut von Reizen vom Tagesgeschehen wieder los zu werden. Manchmal brauchte es sogar neben einer ruhigen Nacht auch einen ruhigen, darauf folgenden Tag, um wieder runter und in die Mitte zu kommen. Nicht nur für das Baby, auch für mich.

Denn ein schreiendes Kind überreizt auch gerne mich als hochsensible Mutter. 

Oft werden hochsensible Babies auch als sogenannte High Need Babies bezeichnet. Ich mag diese Bezeichnung nicht besonders. Denn es generiert, dass diese Kinder viel mehr brauchen als ein „normales“ Kind. Es generiert in meinen Augen, dass sie besonders anstrengend und hochbedürftig sind. Das sind sie aber nicht, ihre Bedürfnisse liegen vielleicht einfach an einem anderen Ort, auf sie muss anders eingegangen werden, so wie unsere Bedürfnisse auch oft ganz woanders liegen als „normal“.

Ist das hochsensible Kind das schwierige Baby, das schwierige Kind?

2. Die beste Medizin: dein Bauchgefühl!

Ich glaube ganz fest daran, dass deine Intuition dir und deinem Kind am besten helfen kann, euch gegenseitig zu verstehen. Immer wieder treffe ich auf Mamas, die eigentlich spüren, was ihrem Kind gut tut, sich aber nicht getrauen, diesen Weg zu gehen.

Zu unkonventionell, zu exotisch, zu unberechenbar sei es, einfach anders zu handeln als so, wie man das gelernt hat. Doch halte dir immer wieder vor Augen das „das tut man halt so“ bei HS Kindern nicht zieht.

Und so weiss ich aus eigener Erfahrung, dass hochsensible Kinder ganz schön herausfordernd sein können, dass es manchmal echt einen Schritt raus aus der Komfortzone braucht, um mit ihnen und ihrer Hochsensibilität im Einklang zu leben. Und das wollen wir ja, oder? Wir sind doch so Harmoniesüchtig…

3. HSK zu vergleichen bringt keinem was.

Ich habe meine Kinder nie gewertet, und habe es auch nicht vor zu tun, auch wenn man mir ab und zu sagt, dass sie schwierig sind.

Hochsensible Kinder brauchen einfach ein bisschen mehr Verständnis auf ihrem Weg. Sie zu verstehen und ihnen auf Augenhöhe zu begegnen und ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen ist der erste Schritt in die richtige Richtung. Vergiss nicht, meistens schlägt in dir auch das Herz eines hochsensiblen Kindes. Viele Mütter finden den Weg zurück zu ihrer Hochsensibiliät gerade durch ihre Kinder, weil sie ihnen diese wunderbare Gabe spiegeln. Diese wachen Mütter verstehen, dass sie mit ihrem Kind andere Wege gehen müssen, da bei ihnen mit Gewalt und Macht so einiges kaputt gegangen ist.

Plötzlich wird es Zeit, die eigenen Schutzstrategien zu erkennen, sie zu durchbrechen und los zu lassen.

Mit den eigenen hochsensiblen Kindern einen achtsamen, bewussten Weg zu gehen und sich radikal dafür zu entscheiden, kann in einem selber einen gewaltigen Transformationsprozess auslösen, der für alle Beteiligten ganz viel Potential an Heilung frei setzen kann.

Eins ist sicher, hochsensible Kinder bringen sechs ganz spannende Facetten mit in ihr und in dein Leben:

  1. Sie sind auf Feinheiten und Details fixiert
  2. Sie sind schnell überreizt oder übermässig erregt (und nein, sie haben kein ADHS oder ADS)
  3. Sie zeigen tiefe innere Reaktionen
  4. Sie haben ein Bewusstsein für die Gefühle anderer
  5. Sie sind vorsichtig bei neuen, evt. gefährlichen Situationen und brauchen ihre Anlaufzeit
  6. Sie erregen mit ihrem Anderssein Aufmerksamkeit

(Quelle: Das hochsensible Kind, von Elaine N. Aron)

Die sechste Facette hat weniger etwas mit dem Kind selber, sondern mit dem Umfeld, in dem es sich bewegt, zu tun. Denn die Bewertung des „AndersSeins“ kommt immer von aussen. Wir selber kennen uns ja nur so, wie wir sind. Sind wir frei von Bewertung, dann sind wir. Punkt. Ich bin wie ich bin. Dein Kind ist, wie es ist.

Doch grundsätzlich sehnen wir uns immer nach Verbundenheit, möchten gesehen werden, so akzeptiert werden, wie wir sind. Verhält sich mein Kind anders als „normal“, fordert es mich in der Öffentlichkeit gerade mit seinem Verhalten, dass in meiner Kindheit auch nicht geschätzt wurde, gerade heraus, dann wird die Situation schnell unangenehm.

Ich hab das Gefühl, dass dann tausende Augen auf mich gerichtet sind. Ich fühl mich ausgestellt, verloren, ohnmächtig einer nicht kontrollierbaren Situation ausgesetzt. Langsam macht sich Überreizung auch in mir breit.

Dieses Anderssein kann also ganz viel in dir auslösen.

Und auch ich gebe es zu, wenn mein Kind nicht in die Schule will und von mir nicht ablässt, mich nicht los lässt, oder zwei Stunden in fast unbändigende, tiefe Trauer und Wut eintauchen kann, weil die Schweizer Nationalmannschaft in der WM nicht weiter kommt, oder es bei jedem Familientreffen erst einmal eine halbe Stunde braucht, um mit all den Beteiligten warm zu werden, dann macht das mit mir auch so einiges, auch mich lassen solche Situationen nicht kalt. Denn eigentlich möchte ich mit meinem Kind ja nicht unnötig auffallen (wer will schon auffallen).

Aber wenn ich mit mir ganz ehrlich bin, dann war ich nicht gross anders als Kind. Und das permanente Vergleichen mit anderen hat mir geschadet.

Lange konnte ich nur zu Hause schlafen. Ich hatte Mühe damit, mich an den Kindergarten und die Schule zu gewöhnen. Ich war meistens die grosse Aussenseiterin. Viele Dinge gingen mir richtig richtig nahe, konnte ich mich kaum aus dem Drama erholen. Ungerechtigkeiten waren für mich fast unbegreiflich. Ich verstand viele Machtmechanismen nicht. Sie machten für mich null Sinn. Und sie verletzten mich zutiefst. Ich fühlte mich unverstanden, nicht gesehen, nicht gehört mit meinen Gefühlen und Anliegen. Ich fühlte mich alleine und einsam. Und schwach.

So weit möchte ich es bei meinen Kindern nicht kommen lassen. Denn ich brauchte eine Weile, um zu verstehen, dass es nicht falsch oder eine Schwäche ist, hochsensibel zu sein. Genauer gesagt rund dreissig Jahre.

Es muss einen Weg geben, sie jetzt schon so zu begleiten, dass sie ihre Hochsensibilität verstehen und in ihr Leben integrieren können. Schritt für Schritt. Das klappt aber nur, wenn ich mich mit meiner Hochsensibilität auch so annehmen kann wie ich bin und mich dem Risiko stelle, mit meinen Kindern und meiner Art halt auch hier und da anzuecken, denn wir machen vielleicht das Eine oder Andere etwas anders als „normal“.

4. Hochsensible Kinder brauchen Mütter, die sich getrauen, sich im Spiegel des Kindes zu betrachten. Du findest in deinem Kind immer Anteile von dir. Sonst würdest du sie nicht erkennen und wahr nehmen können.

Ein hochsensibles Kind braucht eine Mutter, die sich getraut, ihrem Kind als Spiegel zu begegnen. Denn genau dort, wo es im Umgang mit dem eigenen Kind besonders emotional, schwierig und anstrengend wird, triggert uns die Situation meistens Konditionierungen, Erlebnisse und Erfahrungen, die wir selber als Kind erlebt und daraus unsere Konzequenzen gezogen haben.

Da kann es schon mal vorkommen, dass dein Kind dich immer und immer wieder an deine schon seit Jahren unterdrückte Wut heran führt.

Und ja, das macht nicht wirklich Spass. Das ist anstrengend. Aber es bietet so viel Raum für Transformation. Doch je mehr du in den Widerstand gegen deine Wut (oder dein Kind) gehst, desto schwieriger wird die Situation. Du bist in vollkommener Trennung. Getrennt von dir, deinen Emotionen, in Trennung zu deinem Kind.

In den seltensten Fällen muss ich mit den „schwierigen“ Kindern arbeiten. Meist hilft es, mit der Mutter heraus zu finden, was die schwierigen Situationen auslöst und weshalb das Kind einen so emotional und irrational reagieren lässt. Oft finden wir alte Glaubensmuster aus der Kindheit, die ganz bewusst gelöst und verändert werden dürfen.

Für die Mama wie auch für das Kind.

5. Hochsensible Kinder brauchen Eltern, die sich getrauen, ihrem Kind die Möglichkeit zu geben, seine Hochsensibilität von Anfang an zu leben und zu integrieren. Eltern, die sich getrauen, mit ihrem Kind unkonventionelle Wege zu gehen, sein Anderssein kompromisslos akzeptieren. 

Ich glaube also ganz fest daran, dass wir einfach andere Eltern sein dürfen, wenn unser Kind hochsensibel ist. Das ganze Familiensystem wird schliesslich schon durch nur ein hochsensibles Familienmitglied sensibler. Das sollte man sich immer bewusst vor Augen führen.

Also sei mutig und erlaube dir, einen vielleicht ganz anderen Weg einzuschlagen, als den, der die Mehrheit der Eltern gehen. Erlaube dir, auf dein Bauchgefühl und deine Intuition zu vertrauen, darauf, was dein Herz dir sagt. Denn dann bist du in Verbindung, dann bist du richtig. Auch wenn dich das ganz schön aus der eigenen Komfortzone lockt.

6. Denn die Kinder, welche heute auf diese Welt kommen, haben keine Lust mehr auf faule Kompromisse, Angepasstheit und Unterdrückung ihrer Emotionen. Das zeigen sie und ganz klar. Sie wollen ihre Hochsensibilität, ihre Essenz und ihre Individualität leben und nicht angepasst durch diese Welt gehen. 

Bist du bereit, mit deinem Kind ein selbstbestimmtes und -wirksames Leben zu führen?

Ja? Dann hat das Leben nämlich für dich ganz viele, wertvolle Erkenntnisse, Heilung und Transformation parat. Wage den Schritt.

In meinen Begleitungen, OnlineKursen und Seminaren zeige ich sensiblen Menschen, wie sie ihre Hochsensibilität als PowerTool nutzen und kennen lernen dürfen.

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