Das Thema Fehlgeburt ist ein trauriges Thema, ich weiss. Aber auch eines, das in meinen Augen mehr zur Sprache gebracht werden sollte, da es auch ein Tabuthema ist. Verständlicher Weise.

Auch mich kostet es Überwindung, diesen Artikel hier zu schreiben, öffentlich zu machen, dass ich drei Mal ein Kind (in meinen Augen) viel zu früh wieder ziehen lassen musste. Dieser Blogpost ist allen Mamas gewidmet, die dasselbe oder ähnliches durchmachen mussten wie ich, oder gerade erfahren haben, dass ihr Kind nicht mehr lebt.

Was passiert mit uns, wenn eine Geburt viel zu früh passiert, wenn ein Wunschkind nicht bleiben mag, sich wieder von uns löst und wir es still gebären müssen?

 

Dieser Text soll Mut machen, neue Perspektiven öffnen, dir zeigen, wie du mit deiner Trauer umgehen und das Geschehene besser verstehen kannst.

 

Fehlgeburten sind leider keine Seltenheit.

Der erste September 2011 werde ich wohl nie mehr vergessen. Es war der Tag, an dem ich erfuhr, dass mit meinem allerersten Baby etwas nicht stimmte. Ich lag da, in der 14. Schwangerschaftswoche und starrte auf einen Ultraschallbildschirm, der mir und meinem Mann das Bild von einem kleinen Wesen zeigte, dessen Herz in der 8. Schwangerschaftwoche aufgehört hat zu schlagen.

„Wieso hast du nichts gemerkt? Wieso hattest du keine Blutungen, keine Schmerzen, kein gar nichts?“ Diese drei Fragen schossen wie der Blitz in mein Gedächtnis und wurden über einige Tage hinweg ein grosser Bestandteil meines Kopfkarussells, welches ganz schnell damit begann, sich zu drehen. Ich verstand nicht einmal mehr die Worte von meiner Ärztin, die mir erklärte, wie es jetzt mit mir weiter ging. Ich fühlte mich wie schockgefroren, die Situation riss mir regelrecht den Boden unter den Füssen weg.

Irgendwie versuchte ich, wieder zur Ruhe zu kommen und mich darauf einzustellen, dass ich in wenigen Tagen eine Curretage haben werde. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt ehrlich gesagt nicht, was ich schlimmer hätte finden sollen, die Tatsache, dass ich zum ersten Mal operiert werde oder das mein Kind nicht mehr lebt.

Schlagartig wurde ich in einen Notzustand gerissen, konnte nicht mehr klar denken, überrollte mich eine riesige Welle von Trauer.

Die Trauer blieb natürlich nicht nur bei mir, nein auch mein Mann wurde davon überrollt, auch die zukünftigen Omas und Opas.

 

Mitten in dieser Trauer merkst du, dass du nicht alleine bist.

Plötzlich ist da die eine Arbeitskollegin, die auch ein Kind wieder ziehen lassen musste. Die Freundin, die dir erzählt, dass sie zwischen dem ersten und zweiten Kind auch eines verloren hat, die Freundin von der Freundin, die schon mehrere Fehlgeburten hinter sich hat.

Plötzlich werden Geschichten sichtbar, die ich sonst nie erfahren hätte. 25% aller Schwangerschaften enden frühzeitig. Das ist unglaublich viel. Das sind viele Erfahrungen, Geschichten, viele kleine Seelen die ganz kurz da waren, um „hallo“ zu sagen und wieder gingen.

Mitten in meinem Prozess, in meiner Trauer, in diesem Ausnahmezustand merkte ich, wie viele Frauen dasselbe erlebten wie ich. Viele von ihnen trauern heute noch, andere verdrängen. Jeder geht anders mit solchen Situationen um.

Doch wie soll ich damit umgehen?

Diese Fehlgeburt wurde zu einem Wendepunkt in meinem Leben

So viel Wut machte sich in mir breit. Wut darüber, dass gerade mir so etwas passieren musste. Ich, die doch so positiv in diese Schwangerschaft gestartet ist. Ich sah null Sinn hinter dem Ganzen.

Sinn macht alles immer erst im Nachhinein.

Und so kam es, dass diese kleine Seele wohl genau dazu da war, um mir einen kleinen Schups in die richtige Richtung zu geben. Denn ich fing damit an, mein Leben zu ändern. Ich fragte mich ernsthaft, was es denn bräuchte, in diesem Leben, damit sich ein Kind bei uns wohl fühlen würde.

Vieles habe ich damals von einer Schwangerschaft, einem Baby abhängig gemacht. Den Job, meine Freizeit, mein Herzenswunsch.

„Malen kann ich wenn ich Mama bin.“

„Den Job wechseln kann ich nach dem Mutterschaftsurlaub.“

„Dieses Zimmer richten wir erst ein, wenn das Baby kommt.“

All diese Erwartungen liess ich los. Ich fing wieder bei null an, und fragte mich, wie mein Leben im JETZT aussehen sollte, damit ich mich wohl fühlen kann und ein Kind sich gerne bei uns einnisten würde.

Was brauche ich JETZT, damit es mir gut geht? Wurde zur zentralen Frage.

Und so wechselte ich den Job, reduzierte mein Arbeitspensum und fing an zu malen und zu schreiben. Noch nicht genau so, wie ich das heute tu, aber damals, im Herbst 2011 habe ich wohl schon  den Grundstein für HerzBauchWerk gelegt.

Das Wichtigste, was ich aber für mich tat, war das Trauern.

Trauer ist etwas sehr individuelles, niemand kann dir sagen, wie man das richtig tut oder wie lange Trauern gehen soll. Niemand kann dir das Trauern abnehmen. Trauer ist dein Prozess. Deshalb finde ich eines ganz wichtig:

Finde für dich die richtige Art und Weise zu trauern.

Ich habe meiner Trauer den Raum gegeben, den sie brauchte, habe mich immer und immer wieder mit dieser kleinen Seele, die viel zu früh gegangen ist, verbunden. Ich schrieb ihr Briefe, wie es mir geht, fragte mich, wo sie wohl sein mag, welche Aufgabe sie hier bei mir hatte. Ich richtete eine kleine Ecke für unser kleines Kind ein, das Kind, das so viel Traurigkeit und doch auch so viel Veränderung in unser Leben brachte, obwohl es nie wirklich „richtig“ geboren wurde.

Klar hätte ich am liebsten alles ungeschehen gemacht. Und klar gibt es auch heute noch Momente, in denen ich mich ganz kurz frage, weshalb gerade mir das passieren musste. Aber ich habe auch Frieden geschlossen mit dem, was mir geschehen ist. Ich habe meine Trauer angenommen, mich von diesem Kind verabschiedet und auch heute gibt es noch eine Erinnerung an diese kleine Seele.

Es ist unser Verstand, der diese Dinge in gut und schlecht, in traurig, tragisch und Drama versetzt, bewertet und uns ohnmächtig fühlen lässt. Es ist auch absolut richtig, unseren Emotionen ihren Raum zu geben, denn sie sind ein Bestandteil der Trauer, sie helfen zu transformieren.

Versetzen wir uns in eine beobachtende Rolle, versuchen wir, ganz wertfrei wahr zu nehmen, was im Augenblick gerade da ist, dann können wir vielleicht erkennen, dass die kleine Seele immer noch präsent ist. Es ist unser Verstand, der trennt. Es ist unser Verstand, der uns sagt, dass wir gerade ein Kind verloren haben.

Ja ich habe ein Kind verloren. Aber ich spürte immer noch die Energie dieses Kindes. Das, was wir Seele nennen war noch da, präsent. Das gab mir Kraft. Und so beschloss ich irgendwann mal, das Trennen sein zu lassen und in die Verbindung mit der kleinen Seele zu gehen.

Ich habe Frieden geschlossen mit dieser Seele, die mich wieder verlassen hat. Ich habe mich mit ihr verbunden, hin gehört, ihre Botschaft versucht zu verstehen.

Diese Sichtweise hat mir dabei geholfen, wieder nach vorne zu schauen.

Ich weiss, dass es mitten in der Trauer, wenn alles ganz anders kommt als man sich das ausgemalt hat, es sehr schwierig ist, klar zu denken. Falls du aber gerade von einer Fehlgeburt betroffen bist, dann habe ich hier ein paar kleine Tips für dich, die dir dabei helfen können, dich zu fokussieren und die Situation besser anzunehmen:

1. Es ist dein Körper, der gerade ein Kind verliert! Bitte versuche, für dich heraus zu finden, ob du wirklich einem operativen Eingriff zustimmst oder ob du der Natur ihren Lauf lassen möchtest und lieber wartest, bis sich dein Kind selber auf den Weg macht. Nimm dir die Zeit, die du brauchst um wieder zu regenerieren, auf die Beine zu kommen. Lass dich verwöhnen, pflegen, schau, dass es dir gut geht. Ehre deinen Körper, deine Gebärmutter. Auch nach einer stillen Geburt hast du das Recht auf ein kleines Wochenbett.

2. Rede dir keine Schuld ein. Ich weiss, das Leben ist manchmal unfair. Wahrscheinlich kennst du die Freundin der Freundin, die ein Kind hat, welches sie eigentlich nie wollte, nicht richtig zu diesem Kind schaut und du hockst hier und musst dein Kind wieder ziehen lassen. So hart es klingen mag. Ja, das ist so. Das Leben findet immer seinen Weg. Du weisst nicht, weshalb gerade diese Frau Mutter geworden ist und genau dieses Vergleichen und Bewerten und in deinem Drama bleiben bringt dir nichts. Du hast auch nichts falsch gemacht, glaube mir. Es ist, wie es ist. Halte nicht an Bewertungen und Verurteilungen fest, die dir nichts bringen. Und vor allem: verurteile nicht dich selber!

3. Gib dir Raum für deine Trauer. Trauer ist etwas, mit dem die Menschen ganz speziell umgehen. Ich beobachte immer wieder, das es viele unter uns gibt, denen Trauer angst macht. Oft wird man in der ersten Zeit der Trauer unterstützt, sollte aber dann möglichst schnell wieder auf Normalmodus umschalten. Wer wie viel und wie lange trauert, das ist etwas ganz persönliches, finde ich. Denn jeder Trauerprozess geht in seinem Tempo voran. Also falls dein Umfeld schon lange wieder im Alltagstrott ist und du aber immer noch trauerst, dann werte dies bitte nicht. Nimm dir deine Zeit, die du brauchst um das, was du erlebt hast zu verarbeiten und lass die Anderen ohne Vorwurf ihren Alltag leben.

4. Hol dir Hilfe. Du bist nicht allein. Viele Hebammen oder Doulas begleiten auch Schwangere, die viel zu früh ihr Kind wieder ziehen lassen müssen. Ich finde es ganz wichtig, dass du jemanden hast, der dich in dieser Zeit stützt und begleitet, versteht und mit dir deinen Weg geht.

5. Verabschiede dich. Finde ein kleines Ritual, das du machen kannst, um dich von deinem Kind zu verabschieden. Ich habe zum Beispiel jeden Abend in unserem Garten eine Kerze angezündet, die an unserem Zwetschgenbaum in einem Herz aus Metall hing. So war mein Kind immer irgendwie da. Ich sammelte alle kleinen Erinnerungen, die ich von dieser Schwangerschaft hatte, packte sie in eine Kiste und schrieb meinem Baby einen Brief. Ich schrieb davon, wie es mir geht, davon, dass ich es so so gerne in meinen Armen gehalten hätte und davon, wie ich versuche, zu akzeptieren, dass es auf eine ganz andere Art und Weise nun ein Teil von meinem Leben ist.

6. Nimm dir die Zeit, die du brauchst. Falls du mitten im Kinderwunsch steckst weiss ich, wie anstrengend diese Zeit sein kann. Ich weiss, dass man möglichst schnell wieder nach vorne schauen und „es“ wieder probieren möchte. Horch in dich hinein. Bist du wirklich schon wieder bereit dazu, ein Kind zu empfangen, oder muss das Eine oder Andere in dir noch heil werden? Nur du kannst das für dich heraus finden.

7. Versuche mit der Situation Frieden zu schliessen. Je mehr wir im Widerstand mit etwas sind, dass uns wiederfahren ist, desto schwieriger scheint die Situation zu werden. So traurig es auch ist, das, was dir gerade passiert ist, es ist ein Teil von deinem Leben. Veruche, damit deinen Frieden zu finden. Ich weiss, das ist nicht einfach.

8. Finde wieder Zuversicht. Finde für dich heraus, was du gerade brauchst, JETZT, um dein Leben etwas bunter, glücklicher und leichter zu gestalten. Vielleicht fängst du damit an, etwas zu basteln oder zu malen, oder zu schreiben. Streichst das Zimmer, das du schon lange streichen wolltest oder machst eine kleine Städtereise. Finde etwas, das dir dabei hilf, wieder Mut und Kraft zu sammeln, um dein Leben weiter zu gehen.

Falls du wieder schwanger wirst… 

Nach einer Fehlgeburt wieder schwanger zu werden ist etwas ganz Spezielles. Für mich war es das jedenfalls. Ich war nach meinem Abort nie mehr so SorgenFrei schwanger wie beim ersten Mal. Viele Ängste zeigten sich, Trauer kam wieder hoch, es viel mir schwer, Mut zu finden und auf das Leben zu vertrauen.

Auch nach einer oder mehreren Fehlgeburten darfst du dir ganz bewusst erlauben, deine Schwangerschaft SorgenFREi zu gestalten und zu erleben. Ich habe dazu ein wunderbares Angebot, welches dir dabei hilft, ins Vertrauen zu deinem Körper zu kommen, die Verbindung zu deinem Baby zu stärken, Mut zu finden und Ängste los zu lassen.

SorgenFREiSchwangerSein gibt es als persönliche Begleitung mit mir oder als tollen OnlineKurs mit 10 Modulen, den du bequem vom Computer, Tablet oder Handy aus machen kannst. Mit vielen Meditationen, wichtigen Infos, Arbeitsblättern und Videos von mir. Werde SorgenFREiSchwanger und lege den Grundstein für eine kraftvolle, selbstbestimmte Geburt.

Mütter, die einmal ein Kind zu den Sternen ziehen lassen mussten sind anders schwanger. Diesen Müttern wollte ich etwas weiter geben, etwas, das mir in meinen Folgeschwangerschaften gefehlt hat. Deshalb gibt es  SorgenFREiSchwangerSein.

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