Dieser Blogpost wäre eigentlich nicht der Rede wert gewesen. Denn das, was mir und einer lieben Freundin vor einigen Wochen bei einem wunderschönen Ausflug auf die Rigi passiert ist, wollte ich nicht hoch stilisieren. Obwohl ich zu guter Letzt als DummeKuh beschimpft wurde. Denn ich mach nicht gern ein Drama über Dinge, die eigentlich, ach wie soll ich sagen, doch irgendwie nicht so dramatisch sind wie sie dargestellt werden. 

Nur ganz spannender Weise wurde genau die Sache, die uns passiert ist, zur Inspiration eines Leserbriefes in einem kleinen Anzeiger. Ehrlich gesagt, musste ich recht schmunzeln.

Wie das wohl so oft ist mit den Medien, wurden Tatsachen ein bisschen verdreht, damit alles noch ein bisschen dramatischer klingt als es gewesen ist.

Wohl ganz im Kleinen, aber hei, Nachrichten werden halt oft einfach nach gerichtet. Und da in Schnitzel pinkeln viel dramatischer ist als in eine Wiese zu pinkeln, kann ich die Verfasserin des Leserbriefes verstehen, dass sie sich dieses Special Effects bedient hat. (Liebe Leserbrief Schreiberin, Ihren Namen werde ich hier nicht erwähnen, obwohl er im Leserbrief ganz öffentlich gezeigt wurde. Auch den Leserbrief veröffentliche ich aus Respekt Ihrer Persönlichkeit gegenüber hier nicht. Und falls sie in der Zwischenzeit jemand erwischt haben sollten, der tatsächlich auf die Schnitzel und nicht in die Wiese gepinkelt hat, dann lesen sie nicht weiter, denn dann müsste ich diesen Blogpost hier, der mir gerade echt Spass macht zu schreiben, gar nicht schreiben, da ich mich ja nicht betroffen fühlen muss, da unsere Kinder ja NICHT AUF DIE SCHNITZEL gepinkelt haben.)

Naja, was soll ich sagen, der Leserbrief inspiriert mich nun halt zu diesem Blogpost.

Es geht um ein kleines Bisi. Oder ein Lulu. Oder wie man das sonst noch nennt.

Bild von Pixabay (Das ist übrigens Manekenpis oder wie man es auch immer schreibt, den hab ich auch mal in Brüssel angetroffen)

Meine kleinste Tochter ist nun ziemlich genau 28 Monate alt, also zwei Jahre und vier Monate, und sie ist trocken. Trocken am Tag, trocken in der Nacht. Ja ich weiss, mag sein, dass das ziemlich früh ist, mag sein, dass es ganz normal ist, aber darum geht es gerade nicht. 

An diesem besagten Tag, an dem sich das Spielplatzdrama ereignete, waren wir unterwegs auf die Rigi, die Königin der Berge, der Heimatberg meines Papas und schon auch fast etwas Heimat von mir. Und so nahm ich meine liebe Freundin und ihre Familie aus Österreich mit, die uns in der Schweiz besuchten. Ich wollte ein bisschen Berg zeigen, ein bisschen Schweiz zeigen, ein bisschen Bähndli fahren und so. Volles Programm. Ach ja, meine Freundin hat drei Töchter, wobei die kleinste auch schon trocken ist, sie ist sogar zwei Monate jünger als meine Jüngste. Aber ob das nun früh oder nicht früh ist, spielt auch hier keine Rolle. (merkt ihrs Mamas, mir ist ziemlich egal, wenn Kinder trocken werden, sie werden es dann, wenn sie dazu bereit sind.)

Tatsache ist, wir waren mit zwei kleinen Mädchen unterwegs, die noch nicht wirklich viel Erfahrung im TrockenSein hatten.

Und falls jetzt hier die eine oder andere Mama mit liest, dann weiss die doch ganz sicher, dass das mit dem TrockenWerden so ein Prozess ist. Oder? Dass dann, wenn das Kind sagt: „ich muss mal“ heisst, dass es JETZT muss, und nicht erst in fünf oder zehn Minuten.

Dann gilt es, schnell aufs Klo, falls vorhanden, Hosen runter und Bisi (Lulu) machen.

Nun ist es so, und das gebe ich ganz offen zu, dass wir, bei uns zu Hause (also die Kinder mein ich) Lulus und Bisis bei Schönwetter im Garten machen. In einem Ecken im Garten. (Im Übrigen haben wir genug Katzen, die ihr grosses Geschäft am liebsten in unserem Sandhaufen machen, das find ich noch weniger lässig als das Bisi meiner Kinder). Aber auch das ist ein anderes Drama, äh Thema.

Nun gut, hier geht es schliesslich nicht um kackende Katzen sondern um pissende Kinder. Ich komm zum Punkt.

Wir waren auf einem hübschen, neuen Spielplatz und meine Kleine musste mal. So dringend, dass sie an den Rand des Spielplatzes stand und in die Wiese pinkeln wollte.

Die Hose war schon unten. Mamas: ihr versteht den Dramatikeitsgrad der Lage?

Das Einzige, was ich noch tun konnte in diesem Augenblick war zu ihr zu rennen, sie hoch zu heben und sie in die Wiese (nicht in die Schnitzel, das ist wichtig für die Leserbriefschreiberin) pinkeln zu lassen.

Mamas, die ihr auch schon mal ein Kind hattet, das den Prozess des TrockenWerdens durchgemacht hat, ich glaube, ihr versteht mich, oder? Und ja, ich weiss, dass das nächste Klo ca. 75 Meter weit entfernt war. Aber hei, für einen so kleinen Menschen wie meine Tochter sind diese 75 Meter gefühlt ein Marathonlauf, wenn das Bisi JETZT kommen will und die Hose schon unten ist.

Bild von Pixabay

Nun gut. Alles nicht so schlimm, oder? Es hats ja niemand gesehen. Korrektur: Die Kleine meiner Freundin hats gesehen. Meine Tochter war so zu sagen LuluVorbild. Falls es sowas tatsächlich gibt. 

So hat Kleinkind Nummer 2 nach einem Weilchen dasselbe getan wie Kleinkind Nummer 1, es hat sich an den Rand vom Spielplatz verkrochen, die Hose runter gelassen und wollte Lulu machen (niiiiiiicht in die Schnitzel, oh Hilfe, das würden wir nie wagen, nein in die Wiese, gell liebe Leserbriefschreiberin!). Nun gut. Auch der Mama von Kleinkind Nummer 2 blieb nix anderes übrig, als dem armen Kind beim dringenden Lulu in die WIESE Beistand zu leisten. (Mein Gott war ich froh, dass ich nicht die Einzige Mutter war, die sich den Marathon zum öffentlichen WC nicht zugetraut hat. Das hat meinem Ego gleich enorm geschmeichelt.) Wir Mamas halten in DramaSituationen halt doch zusammen.

Nur dumm, dass die nette Dame, die auf der Rigi wohnt und mit ihrem Dalmatiner (oder der der Tochter?) unterwegs war, gesehen hat, wie diese Touristentussi da mit ihrem Kind steht und es einfach in den Spielplatz pinkeln lässt!!!! (ähm sorry, Wiese nebendran)

Hui ja du, was für eine Sauerei!

Prompt ging das Geschimpfe los, meine Freundin hat natürlich nicht wirklich viel von den gopfedami, du Sauhund und wo simmer denn daaaaaa? Schimpfwörtern auf Scheizerdeutsch verstanden (zum Glück für die Gastfreundliche Schweiz du) und ich hab irgendwie ziemlich spät das Drama erkannt.

Ganz nett hab ich die Dame gefragt, ob denn ihr Hund nie pinkeln muss und prompt kam die Antwort: „De bislet ganz sicher ned in Spielplatz, du dummi Chue!“ (Für alle Leser, die des Schweizerdeutsch nicht mächtig sind: „Der pinkelt ganz sicher nicht auf den Spielplatz, du dumme Kuh!“

Wow, der Hund scheint einer der ganz gut erzogenen, dressierten, cleveren zu sein. Viel besser erzogen als Kleinkind 1 und Kleinkind 2, die des Pinkelns scheinbar noch nicht Herr und Meister sind.

Und ja, ich hab schon so manchen Hund in meiner Karriere als Mutter angetroffen, der viel viel, nein um Welten besser pariert als meine Kinder. (Hui und ganz kurze Momente würde ich gerne die Kinder gegen den Hund tauschen. Aber das sind wirklich nur so MilliMilliSekundenMomente, einfach so aus purem Neid heraus.)

Bild von Pixabay

Nur zum Glück sind meine Kinder keine dressierte Hunde, und das werden sie wohl hoffentlich auch nie werden. Ist so ein Ziel von mir. Einfach, dass ich das auch mal schriftlich hier festgelegt hab.

Solche Situationen beschäftigen mich dann doch ein Momentchen.

Nicht, weil sich da jetzt jemand über mein Fehlverhalten als Mutter aufgeregt hat, sondern vielmehr, dass man das Kind nicht sieht, dass echt einfach noch klein und erst am TrockenWerden ist. Haben denn TrockenWerdenProzesse keinen Platz mehr in unserer Gesellschaft? Ich hätte es mir ja auch einfach machen können und meinem Kind eine Windel überziehen, dann müsste ich nicht in solch prekäre BisiSituationen kommen.

No risk no fun.

Also deshalb, meine liebe Leserbriefschreiberin, möchte ich Ihnen sagen: Ich find es toll, wie sie sich für eine saubere Rigi einsetzen. Ich selber würde es nämlich auch nicht so läss finden, wenn ich da neben dem Spielplatz einen Erwachsenen sehen würde, wie er sein Ding auspackt und hinpieselt. Ich würde es auch bei einem fünfjährigen Kind schon nicht mehr cool finden. Wir sprechen hier aber von Kindern, die etwas über zwei Jahre alt sind, und ich glaube, auch ihr Auge ist soweit geschult zu erkennen, dass es sich hier um ziemlich junge Erdenbürger handelt, die erst einmal ein bisschen BisiErfahrung sammeln müssen. 

Ich stehe meinen Kindern gerne in diesem TrockenWerdenProzess (wahrscheinlich gibt es ein schlaueres Wort dafür) bei. Ich stehe auch gerne meinen beiden älteren Kindern, vier und fünf Jahren im HeiDasIstDieRealitätProzess bei, wenn sie mich fragen, weshalb mich denn jetzt diese ältere Dame (sorry, ich hoff ich darf das schreiben) Dumme Kuh genannt hat und weshalb denn die das darf und alle Andern nicht, und weshalb ich denn ihr nicht auch gleich dumme Kuh gesagt hab. 

Nun gut. Ich mag keine Dramen. Ich mach auch nicht gerne aus einem kleinen Bisi ein grosses Ding. Und falls du, liebe Leserin bis hier her jetzt diese Geschichte gelesen hast, dann Chapeau.

Aber hei, liebe Leserbriefschreiberin, anscheinend haben unter anderem wir sie zum Leserbriefschreiben inspiriert, was ja was tolles ist, da nehm ich mir gerne die Freiheit, meine Erfahrung zu verbloggen. Geplant wars eigentlich nicht.

Und übrigens: die Zeit wird kommen, da wird auch meine Kleinste bis zum Klo gehen können, wenn wir auf dem Spielpi sind, auf der schönen Königin der Berge, da bin ich mir ganz sicher. Die Grossen könnens nämlich auch schon.

Bild von mir, auf der Rigi aufgenommen, am besagten Dramatag. Hier scheinen nicht nur wir ein PinkelProblem zu haben…

Und die Moral von der Geschichte?

Vielleicht hat diese Geschichte keine Moral, ich weiss es nicht. Jedenfalls hält sie gerade für mich eine tiefere Erkenntnis bereit: Hei, ich lass mir nicht ans Bein seichen! Lieber lass ich meine Kinder in Wiesen pinkeln, dann wenn sie müssen. Dressierte Hunde beieindrucken mich nur für Millisekunden, und hei, auch die mussten mal das mit dem Pinkeln und Scheissen lernen. Wahrscheinlich ein bisschen weniger bedürfnisorientiert als ich das tu mit meinen Kindern. 

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