Hätte man mich vor zehn Jahren gefragt, wie mein Leben im Jahre 2018 aussehen würde, ich wäre nie auf die Idee gekommen zu erwähnen, dass ich Mama von drei Kindern bin, als Künstlerin, Bloggerin und Coach für Hochsensible arbeite. Zu abstrakt war die Idee, Mutter zu werden für mich. Viel zu sehr war ich in Glaubensmustern, Überlebensstrategien und selbst auferlegten Komfortzonen gefangen.

Ganz ehrlich, mein Leben gefiel mir damals. Ich war auf dem besten Weg, Karriere zu machen, reiste um die halbe Welt, traf spannende Menschen, durfte ihnen Kurse geben. Ich fühlte mich wertgeschätzt und wichtig. Ich hatte das Gefühl, endlich meine feine Art und Weise im Griff zu haben, in der Welt da draussen zu funktionieren, wie man halt so zu funktionieren hat. Endlich habe ich es geschafft. 

Ein anderes Leben

Tief unter mir lagen sie begraben, die Erinnerungen an meine Kindheit, die oft schmerzten. Weil sie nicht einfach war, diese Kindheit. Weil ich mich nicht gerne daran erinnerte. Ich mochte nicht einmal die Fotos von mir als Kind. Es schien, als wäre das ein ganz anderes Leben gewesen damals.

Nein, ich erinnerte mich nicht gerne daran. Weil ich das Kind war, das einfach ein bisschen anders tickte. Ich war das Kind mit dem unsichtbaren Freund, dessen Gesicht ich heute noch, mit 39 Jahren glasklar vor meinem inneren Auge sehe. Ich war das Kind, dass sich immer wieder unter Mamas Pullover zurück zog und den mitleidigen Kommentar des Grossvaters, der seufzend sagte: „ach, dieses Kind ist aber sensibel.“ sein Leben lang nicht mehr vergessen konnte. In der Schule war ich die grosse Aussenseiterin. In der Familie das Kind, das nicht verstand, weshalb die Menschen in seinem Umfeld etwas ganz anderes sagten als das, was es spürte. Oft hörte ich, dass alles gut sei. Gefühlt habe ich etwas ganz anderes: Ohnmacht, Wut, Trauer. Machtstrategien funktionierten irgendwie nicht bei mir. Wer den Kampf gegen mich aufnahm brauchte einen langen Atem. Vor allem in der Pubertät. Es war offensichtlich, etwas stimmte nicht mit mir.

Mit dreissig Jahren war ich froh, das alles hinter mir zu lassen. Ich war froh darüber, dass ich vieles aufarbeiten konnte, dass ich damals, vor zehn Jahren mich schon auf den Weg gemacht habe um vieles zu erkennen, in mein Bewusstsein zu holen und zu heilen. Viele Dinge machten plötzlich Sinn.

Ich dachte, dass ich das alles hinter mir lassen darf, dass jetzt endlich mein Leben anfängt, ich alles im Griff habe, so vieles erreicht habe, Grenzen gesprengt habe und Lebe! Endlich darf ich mein Leben in die Hand nehmen und mich frei fühlen.

Und doch beschlich es mich immer wieder auf ganz leisen Sohlen. Ein Gefühl, dass immer lauter und lauter wurde und mir sagte: „Tanja, da ist noch mehr, viel mehr möglich. Da wartet noch ein ziemlich grosses Lernfeld auf dich.“

Das erste Lernfeld wurde vor sechs Jahren geboren.

Das zweite folgte 13 Monate später und das dritte grosse Lernfeld ist zweieinhalb Jahre alt.

Alles hat sich seither verändert. Mein Leben wurde auf den Kopf gestellt. Auf wundersam chaotische Art und Weise. Keine Ausbildung, kein Wochenendseminar, kein gar nichts könnte mir so viel Bewusstseinserweiterung bieten wie diese drei wunderbaren kleinen Menschen, die den Weg zu uns gefunden haben.

Ich durfte in ganz viele Prozesse einsteigen, unglaublich vieles los lassen, mir bewusst werden lassen. Und in sekundenbruchteilen stehe ich auch heute noch vor einem wütenden, tobenden Kind das in mir selber dieses Kind wach rüttelt, mit dem ich so lange Zeit im Unreinen war: mein inneres Kind.

Sie sind so sensibel wie ich, diese drei kleinen Menschen. Durch meine eigene Erfahrung weiss ich, dass es nicht darum geht, sie von ihrer Hochsensibilität betroffen zu machen, sie von ihr zu heilen oder sie „hart“ für das Leben zu machen, sondern ihnen Wege aufzuzeigen, wie sie kraftvoll ihr Potential als Vielfühler leben können.

Kinder an die Macht.

Unsere wahren Meister.

Viele Mütter finden heute den Weg zu mir und teilen mir mit, dass sie erst durch ihre Kinder gemerkt haben, dass auch sie hochsensibel sind. Sie selber werden es wohl über Jahre hinweg so gemacht haben wie ich: sie werden einige Schutzstrategien aufgebaut haben, damit sie sich in dieser harten Welt da draussen irgendwie arrangieren können und nicht alles zu nah an sich heran lassen müssen.

Und dann stehen sie wie ich vor derselben Herausforderung: Sie stehen vor ihrem eigenen Kind und erkennen sich selber darin. 

Das ist unglaublich spannend. Eine riesige Chance. Die Kinder der neuen Zeit schwingen einfach feiner. Sie sind hier, um uns zu zeigen, dass sie sich ganz kompromisslos und klar leben wollen. Diese Schutzstrategien, die wir uns über Jahre hinweg auferlegt haben, die wollen sie nicht auf ihren Schultern tragen. 

Und was machen wir? Oft stellen wir uns über das Kind, weil man das ja so tut. Weil wir erziehen müssen, weil es doch so und so funktionieren muss. Wir werden laut, wir kämpfen einen bedingungslosen Kampf und vergessen dabei uns selber. Wir trennen uns von unseren Kindern, diesen wundervollen Menschen, trennen uns wieder von unserem eigenen inneren Kind, halten die angestauten Emotionen, die schon Jahrzehnte darauf warten, endlich gesehen zu werden in Schach und bestrafen dafür unsere eigenen Kinder.

Kinder an die Macht

Hat mal einer gesungen. Wir werden in Grund und Boden gelacht, heisst es im Songtext. Wenn ich das Lied von Herbert Grönemeyer höre, muss ich weinen. Sie sind unsere Meister, wenn wir sie nur lassen.

Was haben wir denn zu verlieren, wenn wir ihnen auf Augenhöhe begegnen?

Und was können wir gewinnen?

Ich kann nur von mir sprechen: Noch nie hab ich so vieles in mir heilen und erkennen dürfen wie durch meine Kinder. Noch nie habe ich mich so frei gefühlt wie jetzt. Das ist und war aber nicht immer ein Zuckerschlecken, durch diese Prozesse zu gehen. Aber es ist unglaublich heilsam. Die Hoffnung, dass ich bei dem Lied irgendwann mal das Gefühl von Freude verspüre, weil ich weiss, dass die Kinder der heutigen Zeit ihr Potential leben dürfen und Erwachsene in ihrem Umfeld haben, die ihnen auf Augenhöhe begegnen habe ich jedenfalls noch nicht verloren.

Hochsensibilität ist keine Schublade.

Sie hat für mich ganz viel mit Bewusstsein zu tun. Viele Menschen durfte ich schon begleiten, ihnen im Bewusstseinswachstum Inspiration sein. Eines beobachte ich bei jedem, je bewusster ein Mensch wird, desto feiner fängt er an zu schwingen, desto feiner senden und empfangen seine Antennen.

Ich weiss, Hochsensibilität wird schon lange als einen pychologischen und neurophysiogischen Begriff gehandelt. Ich komme nicht aus der Psychologischen Ecke. Ich beschäftige mich mit Energien, mit Wahrnehmung, mit Achtsamkeit und bewusstem Sein. 

Für mich ist es logisch, das Hochsensibilität einfach eine Stufe in diesem Bewusstwerdungsprozess ist. Die einen Menschen steigen einfach von Geburt an mit einem etwas höheren Bewusstsein ein, die anderen arbeiten im Laufe ihres Lebens daran, wieder andere lassen es ganz sein oder sinken sogar darin.

Wenn alles Schwingung ist und diese Erde, auf der wir leben schon höher zu schwingen beginnt, dann wage ich zu behaupten, dass sie, die Kinder der neuen Zeit durchwegs hochsensibel in unserer Welt landen. Bewusstsein ist ansteckend, schon gewusst?

Was würde wohl passieren, wenn wir uns von dem Bewusstsein dieser Kinder anstecken lassen würden?

Welche Rolle spielen wir Eltern dabei? 

Ich sehe mich als Wegbereiterin für meine Kinder. Denn ich weiss, wie viel Arbeit es braucht, um all die Schutzstrategien mal beiseite zu legen, sich und seine Essenz wieder frei zu legen und sein Potential zu entfalten. Wie wunderbar wäre es für meine Kinder, wenn sie von Anfang an ihre Wahrnehmung, ihr Sein und ihre Qualitäten kennen und verstehen würden?

Das sind die Fragen, die ich mir immer stelle. Sind wir nicht hier, auf dieser Erde, in diesem Leben um immer mehr zu lernen? Uns selber besser kennen und lieben zu lernen? Wer wollen wir sein? Welche Mutter willst du sein? Ich möchte frei sein, möchte leben, geniessen, mit den Menschen, die mich im Leben begleiten verbunden sein, mit meinen Kindern verbunden sein. Das funktioniert aber nur, wenn ich mit mir auch verbunden bin, die Spiegel erkenne, hin schaue, für mich vieles löse und mich frei mache.

Kinder verändern Leben

Ein Kind macht aus dir einen neuen Menschen. Innerhalb von Sekundenbruchteilen werden wir in die Rolle der Mutter, des Vaters hinein katapultiert. Welten verschieben sich, Werte verschieben sich. Alles wird anders als zuvor und doch bleiben wir die Gleichen. Die Sorgen, die Themen, die Glaubensmuster und Schutzstrategien bleiben dieselben. Bist du hochsensibel und hast deine Sensibilität über Jahre hinweg in Schach gehalten, wird die Chance relativ hoch sein, dass dir Kinder vom Himmel geschenkt werden, die in dir deine Sensibilität wieder wach küssen wollen.

Die Frage, die sich stellt ist nur, ob du die Herausforderung annimmst, auch bei dir hin schaust und integrierst oder ob du all deine Themen auf dein Kind überträgst, dich über diesen kleinen Meister stellst, weil du keine Lust auf deinen eigenen inneren Prozess oder gar Angst davor hast und damit beginnst, in Widerstand zu dir und deinem Kind zu sein. 

Widerstand bedeutet Kampf. Kampf bedeutet Gewinner und Verlierer. Auf dieser Ebene nehme ich nur verlierer wahr. Kinder, die nicht gesehen werden, Eltern, die sich ihr Leben schwer machen, sich in ihrer Rolle gefangen fühlen, das Gefühl haben, versagt zu haben. Hier hilft nur eines: raus aus der Trennung. Raus aus der Trennung zu sich selber, seinen Themen, raus aus der Trennung zum eigenen und zum inneren Kind. Hinein in die Verbundenheit. Auf allen Ebenen.

Wer weiss, vielleicht wäre es endlich mal an der Zeit, diese ganzen Machtstrategien abzulegen und frei zu werden. Falls du jemand brauchst, der dich dabei inspiriert und begleitet, ich bin gerne für dich da!

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