Weihnachten. Eine wunderbar schöne Zeit. Die meisten von uns lieben sie. Die Familie trifft sich, es wird gut gegessen, man feiert das Fest der Liebe, geniesst das Beisammensein. Sicherlich steckst du schon mitten in den Vorbereitungen und deine Kinder können es jeden Morgen kaum erwarten, das nächste Türchen vom Adventskalender zu öffnen. Daheim ist alles schön dekoriert, die Plätzchen sind gebacken, der Nikolaus hat euch auch schon besucht.

Die Realität sieht leider oft anders aus.

Für viele von uns ist die Zeit vor Weihnachten Stress pur. Ob wir wollen oder nicht. Da muss hier noch ein Geschenk organisiert werden, da fehlt noch die Bestellung vom Fotokalender, Tante Frieda muss beschwichtigt werden weil sie sich  wieder mal stur stellt und keinen Bock hat an die Familienfeier zu kommen.

Wie schön wäre es, wenn Weihnachten wirklich einfach nur Harmonie, Idylle und liebevolles Begegnen bedeuten würde?

Sag mal ganz ehrlich? Bist du JETZT gerade absolut tiefenentspannt wenn du an die kommenden Festtage denkst?

Ich muss dir ganz ehrlich sagen, mir persönlich bedeutet Weihnachten nicht sehr viel. Weihnachten wird bei uns so wenig wie möglich gefeiert, weil für uns dieser Brauch einfach nicht passt. Das heisst nicht, dass wir die Zeit zwischen den Jahren nicht bewusst verbringen, im Gegenteil. Seit Jahren zelebriere ich die Rauhnächte und tauche mit meinen Kindern in ihre ganz spezielle Magie ein.

Ich möchte in diesem Artikel dich jetzt nicht dazu überreden, Weihnachten gar nicht mehr zu feiern, nur falls du eine Mama von einem hochsensiblen Kind bist, oder gar selber hochsensibel bist, dann gibt es ein paar Fehler, die ich an Weihnachten unbedingt vermeiden würde, damit du entspannt das Fest der Liebe mit deinen Liebsten feiern kannst.

Fehler Nummer 1: Du versuchst krampfhaft die Lüge vom Nikolaus und dem Christkind aufrecht zu erhalten.

Ich find die Geschichte vom Christkind und vom Nikolaus echt süss. Aber ganz ehrlich, es wird ziemlich schnell ziemlich kompliziert das Lügenkonstrukt rund um die beiden aufrecht zu erhalten. Kinder sind nicht doof. Vor allem hochsensible Kinder haben die Eigenschaft, sich ganz viele Details zu merken und viele Dinge zu hinterfragen, da sie schon recht früh in grösseren Zusammenhängen denken können.

Wenn deinem Kind nun also in der Weihnachtszeit 5 verschieden gekleidete Nikoläuse begegnen oder im amerikanischen Trickfilm der Weihnachtsmann die Geschenke an Weihnachten bringt, wird die Sache für dein Kind wahrscheindlich schon ziemlich suspekt.

Ja was jetzt? 

Oft kommt man da als Eltern von hochsensiblen Kindern in Erklärungsnot. Ich persönlich bin der Meinung, sobald meine Kinder der Christkind und Nikolaus Lüge langsam auf die Schliche kommen, hör ich auf damit, diese zu verteidigen. Ich kann ihnen ganz einfach erklären, dass es sich hier um einen Brauch handelt und muss sie nicht weiter anlügen. Meistens können HSK mit der Wahrheit besser leben als mit einer Schlüsselsituation, in der sie schmerzhaft erfahren müssen, dass es Nikolaus und Co. gar nicht gibt.

Fehler Nummer 2: Du nimmst dein Kind mit in die Mall

Grundsätzlich ist für mich das Betreten einer Mall schon ein grosses Übungsfeld. Ich weiss aber, dass es manchmal echt notwendig ist, da man einfach dieses und jenes nur dort findet. Auch ich besuch ab und zu mal eine Mall, was für meinen Energiehaushalt je nach Menschenmassen und eigener Tagesform eine Herausforderung darstellen kann.

Mit Kind und Kegel zur Weihnachtszeit in die Mall zu gehen gleicht da in meinen Augen schon einer Riesenchallenge. Hochsensible Kinder sind sehr schnell von Reizen überflutet. Meine Kinder müssen nur ein paar Lichterketten in der dunklen Nacht erblicken und schon sind sie im Weihnachtshype.

Eine Mall mit gefühlt tausend blinkenden Weihnachtsbäumen, unzähligen Spielsachen und zwei Eltern, die völlig abgenervt und gestresst noch die letzten Zutaten für das Weihnachtsessen kaufen wollen überspannt den Bogen definitiv.

Also mach dir und deiner Familie den Gefallen und bestell entweder dein Essen online oder gehe alleine die letzten Besorgungen machen.

Fehler Nummer 3: Du bist gestresst, gereizt und versucht krampfhaft, eine künstliche Harmonie und deinen Perfektionismus aufrecht zu halten.

Falls es du noch nicht gemerkt hast: hochsensiblen Kindern kann man nichts vor machen. Also falls dich Weihnachten grundsätzlich ankackt, dich stresst und dir keine Freude bereitet, steh dazu! Es bringt nämlich gar nichts, irgend eine komische, aufgesetzte „juhuu ich freu mich“ und „neiiiin ich bin gar nicht gestresst“ Stimmung aufrecht zu erhalten, wenn es sich in dir anfühlt, als würde ein Ameisenhaufen sein Unwesen treiben.

Und hei, ja auch mich würde das stressen, wenn ich für die ganze Verwandtschaft ein Festessen zubereiten müsste und die Bude voll hätte. Das ist ganz normal. Bitte steh dazu und kommunizier deinen Kindern, dass du ziemlich viel Arbeit hast, anstatt die ganze Zeit künstlich alles möglichst ruhig und entspannt halten zu wollen. Deine hochsensiblen Kinder werden deinen Stress ganz sicher aufspüren und sicherlich nicht in die künstlich von dir geplante Harmonie eintauchen wollen.

Gib bitte nicht ihnen die Schuld, wenn sie für dich deinen innerlichen, verdrängten Stress nach aussen tragen. Nimm dich statt desssen bitte einfach aus der Hektik heraus, atme ein paar mal tief ein und aus, erde dich, spüre den Boden unter deinen Füssen und dehne bewusst dein Energiefeld aus. Komm in deine Mitte, stell dir vor, wie du Ruhe, Kraft und Energie einatmest und den ganzen Stress und die Unruhe in dir ausatmest. Steh zu deinem Stress, lass ihn zu, nimm ihn an und lass ihn wieder ziehen.

Und noch eines: versuch nicht alles perfekt machen zu wollen. Perfektionismus und Harmoniestreben sind die Stressfaktoren Nummer eins für hochsensible Mütter. Lass sie einfach aussen vor und entspanne dich in dein Weihnachten hinein. Nimm eines nach dem anderen.

Fehler Nummer 4: Deine Familie trifft auf einen Schlag bei euch zu Hause ein.

Ich weiss nicht, wie gross deine Familie ist oder ob ihr in einem grossen oder kleinen Kreis feiert. Ich kann nur von mir und meinem Sohn sprechen, aber bei uns wird es immer dann schwierig, wenn die ganze Familie auf einen Schlag eintrifft, oder wir an ein Fest gehen, wo schon unzählige Gäste eingetroffen sind.

Für meinen Sohn sind das zu viele Menschen auf einen Schlag am selben Ort. Er ist schlichtweg damit überfordert, er kann manchmal nicht einmal allen richtig „Hallo“ sagen.

Ich nehme ihn dann ganz bewusst aus dem Geschehen heraus, wir ziehen uns zusammen ein bisschen zurück und nehmen uns die Zeit, die wir brauchen um anzukommen. Und ja, wenn dann noch eine Tante uns verfolgen und untersteichen muss, dass jetzt alles zu viel ist und das Kind halt schon mega sensibel ist, dann ziehen wir uns gerne noch ein bisschen weiter zurück.

Falls du bei dir zu Hause Weihnachten feierst und du weisst, dass dein Kind ein Problem damit hat, wenn viele Menschen auf einen Schlag euer Haus betreten, dann plane den Besuch doch einfach gestaffelt ein. Vielleicht kommen die einen oder anderen Gäste gerne eine halbe Stunde früher um bei den Vorbereitungen zu helfen.

Fehler Nummer 5: Die Geschenke dürfen erst nach dem Essen geöffnet werden.

Ah ja, der Klassiker, oder? Ich kann mich noch so gut an meine Kindheit erinnern, als wir Weihnachten bei meinen Grosseltern feierten. Man kommt in die Stube, sieht den wunderprächtigen Weihnachtsbaum mit den gefühlt tausend Geschenken darunter und würde sich am liebsten darauf stürzen aber was macht man?

Erst muss man noch singen. Dann wollen die Erwachsenen einen Apero trinken und danach gibt es noch ein 20000 Gänge Menü, welches nie endet! (Und die doofen Erwachsenen müssen auch noch so langsam essen!)

Regelmässig drehte ich durch, weil ich die ganze Spannung nicht aushalten konnte. Eltern und Grosseltern waren auch irgendwann völlig abgenervt von der stürmenden Tanja und die Weihnachtsstimmung lag im Keller. Jedes Jahr. Meine Lektion hab ich wohl nie gelernt, hihi, und meine Grosseltern haben aber ihre konsequente Haltung ihrem Weihnachtsbrauch gegenüber durchgezogen, weil man das halt so macht.

Schlussendlich durfte ich dann irgendwann spät meine Geschenke öffnen und drei Minuten mit ihnen spielen, bis es dann Zeit fürs Bett war, in dem ich nicht einschlafen konnte, weil ich ja so vieles geschenkt bekommen hab und die ganze Aufregung vom ganzen Abend noch in meinen Knochen hockte.

Nur gebracht hat es niemandem was.

Unsere Lösung: Bei uns gibt es die Geschenke am 25.12. am Morgen. So dürfen alle ganz entspannt den heiligen Abend mit einem guten Nachtessen feiern, am anderen Tag entspannt aufstehen, Geschenke öffnen undden ganzen Tag mit ihnen spielen.

Fehler Nummer 6: Dein Kind muss unbedingt mit zur Mitternachtsmesse, koste es, was es wolle!

Kirchenbesuche sind für mich äusserst unangenehm, denn mit meinen Kindern eine Kirche zu besuchen ist Stress pur. Auch wenn die Kirche gerne Kinder sieht. Auch wenn alle ganz offen und tolerant sind und ihre Freude zeigen.

Mich stressen Kirchenbesuche mit meinen Kindern grundsätzlich, weil ich weiss, dass sie nicht ruhig sitzen können und es einfach zu viel ist. Wenn dann noch der Weihrauch geschwenkt wird und mein Sohn mit seiner feinen Nase fast vom Kirchenbank kippt ist der Kessel geflickt.

Glauben ist was schönes, wenn man sich ihm hingeben und ihn leben kann. Wenn er aber krampfhaft irgendwie durchgeboxt werden muss bringt er doch keinem was, oder nicht? Ich glaube jedenfalls nicht, dass Jesus gewollt hätte, dass gestresste Mütter, genervte Kirchenbesucher und todmüde, reizüberflutete Kinder in seiner Kirche sitzen.

Suche dir also doch einen Gottesdienst aus, der zu einer Zeit statt findet, in der deine Kinder fitter sind und du davon ausgehen kannst, dass auch du entspannt und freudig die Messe geniessen kannst.

Übrigens: in meinen Augen sind alle Glaubensfragen an Weihnachten so oder so absolutes Tabu und Weihnachtsstimmungskiller Nummer eins. Wir leben hier in Europa in einer christlichen Welt und ich glaube, es dürfen alle, egal ob mit oder ohne christlichen Glauben irgendwie für sich Weihnachten mit feiern, nur schon aus Respekt gegenüber diesem Fest.

Fehler Nummer 7: Dein Kind hat tausend Geschenke erhalten, aber nicht das, was es sich gewünscht hat.

Es gibt hochsensible Kinder, die sehr schlecht mit Überraschungen umgehen können. Solche, für die ein Adventskalender so viel Spannung aufbaut, dass man fast nicht einschlafen kann, weil man so gespannt ist, was sich jetzt am nächsten Morgen hinter dem nächsten Türchen befindet.

So verhält es sich auch mit den Geschenken. Meistens haben HSK ganz klare Vorstellungen, was sie sich auf Weihnachten wünschen. Mach dir den Gefallen, dass du das, was sich dein Kind wünscht genau in der Farbe und Ausführung kaufst.

Wünscht sich dein Kind ein Geschenk, dass sich ausserhalb der Realitätsgrenze befindet, erkläre ihm vorgängig, dass es dieses Geschenk aus diesem und diesem Grund nicht erhalten wird.

Du ersparst dir und deinem Kind viele Diskussionen, Frust, Enttäuschung und Tränen.

 

Ich wünsche dir von ganzem Herzen eine wunderschöne Advents- und Weihnachtszeit mit deiner Familie. So oder so ist es eine der schönsten Zeiten vom Jahr, vor allem mit Kindern. Und falls du noch ein bisschen Regeneration brauchst nach den Feiertagen oder Lust dazu hast, die Zeit zwischen den Jahren ganz bewusst, achtsam und in deiner ganz eigenen Spiritualität zu verbringen, dann melde dich doch zu meinem kostenlosen OnlineKurs „die Magie der Rauhnächte“ an. Ich würde mich freuen, mit dir ganz besinnlich, tief und entspannt die Rauhnächte zu verbringen.