Ist das Leben als Hochsensibler Mensch lebenswert? Ich weiss, diese Frage ist sehr provokativ gestellt. 

Mit Absicht.

Denn ich beobachte immer wieder im Alltag, wie auf ganz subtile, feine Art und Weise mir das Gefühl gegeben wird, dass ein hochsensibles Leben anstrengend, schwer zu diagnosdizieren und mit vielen Herausforderungen verbunden ist.

In Wikipedia liest man von „davon Betroffene“, wenn man sich über Hochsensibilität erkundigen möchte. In unzähligen Artikeln lese ich, dass das Leben als Hypersensibler Mensch schwer ist. Ich höre, wie hochsensible Kinder ihre Eltern an den Rand des Wahnsinns treiben, mit Samthandschuhen behandelt werden müssen und oft auf Unverständnis in unserer Gesellschaft stossen.

Gibt es denn überhaupt noch Platz in dieser harten Welt da draussen für Feinfühler wie dich und mich? 

Oder sind wir grundsätzlich einfach als Aussenseiter geboren und werden es immer bleiben?

Was passiert mit einem Menschen, der die „Diagnose Hochsensibel“ erhält? Bricht er in Freudentränen aus? 

Wohl kaum unter diesen Umständen. Denn ganz ehrlich, ich finde, man muss sich schon ein Weilchen mit dem Thema beschäftigen und recherchieren, bis man positive Ansätze über Hochsensitivität findet.

Kein Wunder, möchte man da lieber sein Feinsein unter den Teppich kehren, nervt man sich über sich selber, wenn die Emotionen wieder einmal überhand nehmen oder das Kind viel zu empfindlich in aller Öffentlichkeit reagiert.

Ich hab die Schnauze gestrichen voll davon!

Meine lieben Hochsensiblen da draussen, viel zu oft sehe ich euch in eurem kleinen, hausgemachten Drama versinken. Ja ich weiss, ihr seit feinfühlig. Ich weiss, dass für euch das Leben echt kein Ponyhof ist und dass es wirklich wirklich schwer ist, bei all den vielen Sinneseindrücken und Wahrnehmungen bei sich zu bleiben und nicht von Stress und Unruhe weg getragen zu werden. Das bedeutet aber nicht, dass ihr den ganzen Weltschmerz auf euch nehmen und euch in einer dunklen Höhle verkriechen sollt, weil ihr scheinbar zu fein für diese Welt seit.

Hochsensibilität ist nicht eine Diagnose von einer Krankheit, die bekämpft oder therapiert werden muss. Hochsensibilität ist ein Wesenszug von dir, ein Teil deiner Persönlichkeit.

Sie ist ein Wesenszug der sich auf extrem unterschiedliche Art und Weise zeigen kann. Die vier Aspekte der Hypersensibilität  sind von Mensch zu Mensch völlig unterschiedlich ausgeprägt und zeigen sich in differenzierter Art und Weise.

Ich glaube daran, dass wir Hochsensiblen es ganz fest in der Hand haben, wie in Zukunft mit unserer „Diagnose“ umgegangen wird. Deshalb finde ich es wichtig, zu verstehen, dass wir aus der eigenen Hochsensibilität auch ganz ganz viel Positives schöpfen können. Sie ist eine unerschöpfliche Quelle von Kreativität, Lebensfreude, Transformation und kann andere Menschen anstecken, selber auch feiner wahr zu nehmen.

Ich habe für dich fünf Schritte zusammen gestellt, die dir erklären, wie du aus deinem schwierigen Leben als Hochsensible ein einfaches, lebenswertes Leben machen kannst:

1. Erkenne und ehre deinen Leidensweg.

Seine eigene Hochsensibilität zu erkennen und in sein Bewusstsein zu holen kann ziemlich unangenehm sein, ich gebe es zu. Denn in vielen von uns löst dies einen grossen HeilungsProzess aus, der sehr intensiv sein kann.

Viele Hochsensible sind schon lange Leidenswege gegangen, ich treffe in meinem Alltag immer wieder auf wundervolle Menschen, die mit Magersucht, Bulimie, Depressionen, Burnout, Mobbing und psychosomatischen Krankheiten zu kämpfen haben oder hatten. Jede einzelne dieser Krankheiten ist für mich ein Zeichen, dass etwas aus dem Ruder, aus dem Gleichgewicht gekommen ist. Der Körper zeigt uns so, dass etwas ganz und gar nicht stimmt. 

Viele Hochsensitive lernen schon früh in der Kindheit ein Schutzprogramm aufzubauen, da sie immer wieder daran erinnert werden, dass es nicht willkommen ist, fein wahr zu nehmen. „Tu doch nicht so“, „ist doch alles nicht so schlimm.“ „wieso machst du jetzt wieder so ein Theater?“ oder „da musst du jetzt aber durch“ etc. Sind schmerzende, kränkende Worte, die genug oft gehört, zu einer Wahrheit werden, zu Glaubenssätzen mutieren, die uns immer wieder zu verstehen geben, dass wir nicht richtig sind, wie wir sind. 

Viele Hochsensible fahren dann eine grosse Schutzmauer hoch, kapseln sich ab von ihren eigenen Emotionen, ziehen sich zurück, fahren dadurch ihren Schutzschild herunter, da sie im Schutzmodus besonders empfänglich werden für andere Energien. Wir tappen voll und ganz in die Mimosenfalle.

Seinen eigenen Leidensweg zu erkennen kann sehr schmerzhaft sein, weil man sich all die Verletzungen von damals und die dazu gehörenden Emotionen noch einmal ins Bewusstsein holt. 

Es ist aber genau so befreiend, dem Leidensdruck endlich ein Ventil zu bieten, damit er sich abbauen und verflüchtigen kann. Erkenne also deinen Leidensweg als einen wichtigen Teil, eine ganz wichtige Lektion in deinem Leben an und sehe darin die Chance, all die Schutzstrategien zu erkennen und herunter fahren zu können, in deine Grösse und deine Mitte zu kommen und endlich frei und authentisch dich zu leben und zu lieben.

2. Akzeptiere deine Hochsensibilität radikal.

Seine Hochsensitivität bedingungslos zu akzeptieren anstatt sie endlich los haben zu wollen öffnet dir den Weg in eine wunderbare, interessante und spannende Welt. Anstatt dich immer wieder zu fragen, weshalb du dich oft so zerstreut und gestresst fühlst und wie du diesen Stress endlich los haben kannst und genau so cool sein kannst wie dein Arbeitskollege oder all die anderen Müttern mit quängelnden Kindern, überlege dir, wie du mit deinem Stress, deiner Unruhe in dir konstruktiv umgehen kannst. 

Was kannst du für dich tun, um trotz deinem Feinfühlen bei dir bleiben zu können? Wie kannst du deine Filter regulieren, damit dir der Lärmpegel im Grossraumbüro nicht mehr so viel ausmacht?

Wie kannst du nächstes Mal ruhig einem emotionalen Menschen begegnen, ohne dich von seinen Gefühlen weg tragen zu lassen?

Das sind für mich die spannenden Fragen. Dich von deiner Hochsensibilität zu befreien soll nicht im Fokus stehen, sondern erlaube dir wirklich radikal, in deine Kraft und in deine volle Grösse als hochsensibler Mensch kommen zu dürfen.

Ich weiss, dass das vielleicht ein bisschen Arbeit bedeutet. Aber glaube mir, ich bin zu 1000% davon überzeugt, dass diese Welt Menschen wie dich und mich unbedingt braucht. Menschen, die vernetzt denken können, in ihrem Herzen ruhen, sich auf andere Menschen, Energien und Situationen einschwingen können und diese Welt ein bisschen feinfühliger machen. 

Wir dürfen zu unserem Feinfühlen stehen, davon erzählen, den Menschen, denen wir begegnen mitteilen, wie und was wir wahr nehmen. Es öffnet in ihnen auch eine ganz neue Sichtweise und wer weiss, vielleicht fängt dadurch der Eine oder Andere auch an, sich ein bisschen mehr mit fein fühlen und fein schwingen zu beschäftigen.

Hochsensibilität ist für mich einfach eine Stufe in einem BewusstwerdungsProzess, mehr nicht. In diesem Video erkläre ich dir meine Sichtweise.

 

3. Schenke dir selber ganz viel Beachtung und Wertschätzung.

Ehre dich. Ehre dein Sein, dein feines Schwingen, dein Feinfühlen. Erkenne all die Glaubensmuster und destruktiven Gedanken, die du immer und immer wieder über dich denkst als das, was sie sind: einfache Konstrukte deines Geistes. Gedanken dürfen sich verflüchtigen, dürfen weiter ziehen. Gib ihnen keine Macht.

Vielleicht wurdest du schon als Kind in deiner feinen Art nicht erkannt. Dann übernimm jetzt die Verantwortung für dich und schenke dir all die Akzeptanz, Liebe und Wertschätzung, die du heute noch so sehr vermisst. Glaube es mir, ich weiss, was es bedeutet, wenn einem Verletzungen aus der Vergangenheit immer wieder einholen. Sehe sie als freundliche Einladung deines höheren Selbstes, dir, deinem Leben und deiner Essenz mit Liebe und Achtsamkeit zu begegnen. Gib nicht den anderen Schuld für deine Misere, auch wenn sie noch so schuldig sind.

Hol die volle Verantwortung für dich und dein Leben zurück zu dir, vertraue dir, deinem Seelenplan und deinem hochsensiblen Sein und entscheide dich bewusst für dich, und dein selbstbewusstes Sein.

In dem du bewusst dich selbst bist, bewusst in dein Sein eintauchst, gibst du deinem SelbstBewsusstSein die Möglichkeit, sich zu entfalten. 

4. Lerne deine Wahrnehmung kennen und trainiere sie.

Du wurdest mit deiner ganz eigenen Wahrnehmung geboren. Jeder Mensch, jedes Lebewesen nimmt ganz eigen wahr. Niemand kann für dich wahr nehmen. Niemand kann für dich aus deinen Augen die Welt betrachten, aus deinen Ohren den Melodien lauschen oder aus deiner Nase an einer Orange schnuppern. 

All deine Sinne, die physischen wie auch die Hellsinne sind deine Sinne. Sie gehören zu dir, zu deinem System, sie werden wach geküsst durch deine Essenz, beseelt von einer wundervollen, magischen Energie die wir Seele nennen.

Wenn das alles zu dir gehört, dir von deinem Leben geschenkt wurde, es dein grosser Schatz ist, weshalb bist du denn so oft im Widerstand gegen das feine Hören, das detailreiche Sehen, das sinnliche Spüren? 

Tauch ein in diesen Schatz, in deine Wahrnehmungskanäle, fang damit an, sie zu verstehen. Wo in deinem Körper nimmst du Wut wahr? Weshalb? Was passiert, wenn du ihr den Raum gibst, die sie im Moment, im Jetzt einfach braucht?

Was wollen dir deine inneren Bilder sagen? Wie kannst du deine Gedanken verstummen lassen und tief in dich, dein Mysterium, deinen ganz eigenen Spirit eintauchen?

5. Lebe ein achtsames und bewusstes Leben.

Ich bin fest davon überzeugt, dass wir HSP eine grosse Mission haben auf dieser Welt. Es geht grundsätzlich darum, fein sein zu dürfen, viel wahrnehmen zu dürfen, in unserer Kraft sein zu dürfen und der Welt da draussen zu zeigen, dass wir nicht betroffen sind, dass wir nicht ein schwieriges Leben zu leben haben.

Ja es mag sein, dass wir schneller mit körperlichen Symptomen reagieren, dass wir schneller gestresst sind, dass wir schneller aus unserer Mitte fallen und emotional werden. 

Doch wer sagt, dass das falsch ist? Vielleicht spüren wir es einfach ein bisschen feiner in unseren Adern, in unserem Körper, dieses Leben, dieses LebendigSein. Wenn wir uns voll und ganz dem hingeben dürfen, ganz widerstandsfrei, glaube ich ganz fest daran, hat dieses bunte, laute, emotionale Leben noch ganz viele Geheimnisse für uns parat.

Es lädt uns dazu ein, bewusst und achtsam hochsensibel zu sein und den nachfolgenden Generationen (die schon grundsätzlich viel feiner geboren werden)  zu zeigen, dass sie willkommen und vollkommen ok sind, so wie sie sind. So darf auch in uns noch ganz ganz viel heilen.

 

Ich glaube fest daran, dass ein Leben als hochsensible Frau, als hochsensibler Mann, als hochsensibles Kind sehr sehr bereichernd, lebenwert, bunt, kreativ und inspirierend für diese Welt sein kann.

Falls du dich gerne von mir in deine volle Kraft begleiten möchtest, bin ich gerne für dich da!