Hand aufs Herz, ich glaube, jeder fein schwingende Mensch kann mir bestätigen, dass Hochsensibilität manchmal ganz schön anstrengend sein kann. Hast du dich auch schon mal dabei ertappt, wie du völlig gestresst und in tief traurigen Emotionen aufgelöst dir gewünscht hast, endlich einfach ein bisschen weniger wahr zu nehmen? 

Tappst du immer wieder in die Mimosenfalle?

Wie schön wäre es, wenn man einfach sagen könnte „Deckel drauf“. Statt dessen quälst  du dich vielleicht mit den gleichen Fragen, die auch mich immer und immer wieder eingeholt haben, wenn ich mit meiner Hochsensibilität wieder mal nicht im Reinen war:

Wieso mach ich mir immer so viele Gedanken?

Weshalb fühl ich mich von einer Sekunde auf die andere einsam?

Wie kann ich dem Stress des Alltag bewältigen?

Finde nur ich diese Welt so anstrengend?

Bin ich denn die Einzige, die das alles fühlt/ belastet/ wahr nimmt?

Gibt es denn keinen Weg, sich vor all diesen Emotionen und Gefühlen zu schützen?

Müssen denn wirklich immer all diese Gefühle vollgas ungefiltert durch mich hindurch poltern und mich ins Juhe mit reissen?

Weshalb kann ich nicht für meine Bedürfnisse einstehen und habe ich schon fast ein schlechtes Gewissen, wenn ich einmal sage, was ich von meinem Gegenüber erwarte?

Befreie dich aus deinen selbst auferlegten Fesseln!

Es gibt da ein paar tückische Fesseln, die sich Hochsensible gerne selbst auferlegen und die sie daran hindern, ein selbstbestimmtes, kreatives und kraftvolles Leben zu führen.

Genau diese Fesseln können dich immer wieder in eine Abwärtsspirale und unangenehme Situationen bringen, sind aber auch, wenn man sie einmal erkannt und gelernt hat, sich aus ihnen zu befreien, eine grosse Chance zur Veränderung und Integration der eigenen Sensitivität im Leben. 

Ich möchte dich also dazu einladen, die folgenden fünf Fesseln kennen zu lernen und für dich heraus zu finden, ob auch du dir die eine oder andere von ihnen auferlegt hast.    

Du wirst sehen, meine Lösungsansätze wirken kleine Wunder!

Fessel Nummer 1: Deine Wahrnehmung ist zu sehr auf empfangen im Aussen ausgerichtet.

Hochsensible nehmen sehr detailreich, tief und präzise wahr, das ist allgemein bekannt.

Doch was ist Wahrnehmung eigentlich ganz genau?

Es ist die Art und Weise, wie wir unsere Umwelt empfangen, wie wir uns in andere Menschen, Situationen und Energien hineinspüren können. Manche Menschen müssen sich bewusst auf ihre Wahrnehmung konzentrieren, andere sind einfach permanent auf Empfang ausgerichtet und können diesen nicht regulieren. 

Zu der ganzen Wahrnehmungsgeschichte mischen sich dann noch unsere Gedanken, Bewertungen, Konditionierungen und Glaubensmuster und alles zusammen formt das, was wir Realität oder unsere Welt da draussen nennen. (ganz einfach erklärt jetzt)

Hochsensible Menschen sind sehr oft auf empfang eingestellt. Hier trifft man auf Frau Meier, ach ist die komisch drauf, habe ich etwas falsches gesagt? Im Zug ist es wieder einmal tierisch laut und der Lärm macht es fast unmöglich, das eigene Buch weiter zu lesen. Die vielen Arbeitskollegen im Grossraumbüro fühlen sich wie eine dicke, fette Wand an, gegen die man antritt wenn man zur Arbeit kommt.

Sind wir in solchen Situationen permanent auf Empfangen, bewerten, einordnen und analysieren eingestellt liegt es wohl auf der Hand, dass sich der Alltag anstrengend, stressig und mühsam anfühlt. 

Es müsste einen Weg geben, seine Wahrnehmung, dann wenn einem alles zu viel wird ein bisschen Dimmen zu können.

Das funktioniert.

Lösung: Richte deine Wahrnehmung nach innen

Damit es in dir ruhiger wird und du dem Stress des Alltags entfliehen kannst gibt es nur eine Lösung: werde ruhig. Hochsensible haben oft das Gefühl, sich nur von dem ganzen Lärm, der Hektik und den Menschen schützen zu können, wenn sie sich irgendwo zu Hause unter der Bettdecke verkriechen. 

Falsch gedacht. Fang mit kleinen Schritten bewusst damit an, deine Aufmerksamkeit nach innen zu richten. Dann, wenn du dich in einer Situation befindest, die sich sehr laut, stressig und verzettelnd anfühlt atme tief, erde dich, richte deine Wahrnehmung in dein Inneres und konzentriere dich auf deinen Körper. Lass deine Gedanken vorbei ziehen, still werden, gib ihnen einen Moment lang keine Bedeutung mehr.

Das mag am Anfang etwas komisch klingen, ich weiss. Es wirkt aber Wunder, glaube es mir. Wenn du das Prinzip von der bewussten Wahrnehmung von innen heraus oder von dem unkontrollierten Einprasseln von aussen verstanden hast, hast du ein mächtiges Werkzeug in der Hand, das dir dabei hilft, deine Eindrücke zu filtern, dich zu fokussieren und auch in stressigen Situationen bei dir bleiben zu können.

Fessel Nummer 2: Du vergleichst dich ständig und verurteilst dich selber weil du sensibel bist.

Wann hast du dich das letzte Mal mit jemandem verglichen? Wann kam in dir das letzte Mal ein kleines Neidgefühl hoch, weil Klara so taff, selbstbewsusst und smart neben dir wirkt und du dir vorkommst wie eine graue Maus? Hast du oft das Gefühl, dass alle anderen Mütter, Arbeitskollegen, Partnerinnen ihren Job viel besser machen als du?

Versuchst du immer und immer wieder einem Ideal zu entsprechen, das du nie erreichen wirst?

Fühlst du dich oft einfach zu schwach und senibel für diese Welt, hast du oft das Gefühl, eine Aussenseiterin zu sein?

SCHLUSS DAMIT!

Lösung: Fange damit an, dich selbst mit allen Ecken und Kanten zu lieben.

Das mag jetzt ein bisschen hart klingen, ich weiss, aber hypersensible Menschen mit einem gesunden Selbstvertrauen sind ziemlich dünn gesät. Oft habe ich mich gefragt, weshalb das so ist. Glaube mir, auch ich wollte lange Zeit unbedingt selbstbewusster, stärker und taffer sein als ich es anscheinend war. 

Selbstbewusstsein zu erlangen war für mich eine Paradedisziplin, eine riesengrosse Aufgabe, die es zu meistern galt. Ich las das eine und das andere Buch darüber, übte mich in selbstbewusstem Autftreten und frustrierte mich immer wieder darüber, dass ich nicht so taff war wie ich gerne wäre.

Bis ich etwas ganz wichtiges für mich erkannte: Selbstbewusstsein kann man nicht antrainieren. Es ist nicht wie ein Muskel, der mit bestimmten, komischen Übungen plötzlich wächst und irgendwann hat man dann genug davon.

Selbstbewusstsein ist eine bewusste Entscheidung, ein klares Ja zu sich selber. Man fängt damit an, sich seiner selbst bewusst zu sein. Mehr ist es nicht.

Du kannst genau jetzt, in diesem Augenblick damit anfangen, selbstbewusst zu sein, indem du dich einfach für dich und dein Sein entscheidest. 

Sei kompromisslos du. Schieb einmal alle Bewertungen über dich beiseite und nimm dich wahr, in deiner Ganzheit, in deiner Grösse. Was spürst du? Was für eine Energie ruht in dir? Verbinde dich mit deiner Essenz und fange damit an, aus ihr heraus zu wirken. Dann wirst du bewusst dich selbst sein.

Fessel Nummer 3: Du weisst nicht, wie du dein HochsensibelSein kraftvoll in deinem Leben integrieren kannst, weil du das nie gelernt hast.

Die dritte Fessel wird uns leider schon oft von Kindesbeinen an auferlegt und sie ist für mich eine der Fesseln, die am schwersten zu knacken ist. 

Die Wahrscheinlichkeit ist ziemlich gross, dass du in einem Umfeld aufgewachsen bist, in dem Hypersensibiltiät noch kein Thema gewesen ist. Es mag sein, dass deine Eltern auch hochsensibel sind und in ihrem Leben die eine oder andere negative Erfahrung damit gemacht haben. Wir Menschen sind Meister darin, uns Schutzprogramme aufzuerlegen, die uns dabei helfen sollen, uns vor Enttäuschungen und Verletzungen zu schützen. Diese Schutzprogramme haben oft einen grossen Haken: sie hindern uns dabei, uns selbst zu spüren und vernebeln den Zugang zu unserer Essenz zum Einen, zum Anderen verdrängen wir so ganz viele Prozesse, die eigentlich für unsere Potentialentfaltung so wichtig wären.

Schutzprogramme werden gerne von einer zur nächsten Generation weiter gegeben. Werden Eltern also plötzlich durch ihr Kind wieder an ihre eigene Hochsensibiltitä erinnert und daran, dass sie ihnen nur Unheil gebracht hat oder nicht gerne gesehen wurde, dann kommt es oft vor, dass man dieses Schutzprogramm gerne den eigenen Kindern weiter gibt, anstatt den Spiegel im Kind zu erkennen und seine alten Wunden endlich heilen zu lassen.

Vielleicht noch gut gemeinte, aber sehr verletzende Sätze wie: „jetzt tu doch nicht so!“ „das ist alles nicht so schlimm!“ „Bist du wieder empfindlich.“ etc. fallen anstatt dass man sich auf Augenhöhe dem Kind nähert, seinen Schmerz spürt und fragt, was denn genau jetzt los ist.

Hochsensible Kinder wollen gesehen werden. Sie wollen ihre Empfindungen, ihre Wahrnehmung verstehen. Treffen sie auf ein Umfeld, dass dafür nicht offen ist, schalten diese Kinder schnell um in einen Schutzmodus. Sie merken, dass von ihnen ein anderes Verhalten erwartet wird und verhalten sich dann auch gegen ihre Natur anders, damit die Bedürfnisse im Aussen befriedigt und die Sehnsucht nach Liebe und Anerkennung gestillt wird. Dabei verleugnet man schon in Kindesbeinen Schritt für Schritt seine eigene, feine, sensitive Wesensart.

Lösung: Heile dein inneres Kind.

Das soll jetzt kein Vorwurf an unsere Eltern sein, überhaupt nicht. Aber einmal in die Vergangenheit zu reisen und sich bewusst zu machen, ob die eigene Hochsensibilität im Umfeld, in dem man gross wurde gerne gesehen oder eher als lästig wahr genommen wurde, kann sehr vieles zu erkennen und verstehen geben und in Heilung bringen.

Begegne deinem inneren Kind, horch ihm zu, sehe seine Verletzungen, die Schutzprogramme, die es sich selber auferlegt hat, damit es nicht mehr verletzt wird und vor allem: gib diesem Kind heute das, was es über die Jahre so sehr vermisst hat. Nimm es in Liebe in den Arm, akzeptiere es ganz kompromisslos so, wie es ist.

Fessel Nummer 4: Fremde Emotionen und Energien anderer Menschen sind ein hoher Stressfaktor für dich.

In deinem Umfeld gibt es sie ganz sicher auch: die Menschen, die dir so viel Energie rauben, dass du nach einem Treffen mit ihnen dich am liebsten einfach nur verkriechen würdest. Du fühlst dich schlapp, matt und müde und oft schwingen noch die Worte oder Taten von diesen Energievampiren tagelang nach.

Ich kann es sehr gut verstehen, dass oft und gerne in der Hochsensiblen Szene von Energievampiren gesprochen wird. Ich mag aber diesen Ausdruck überhaupt nicht, da er die Verantwortung für das Managment von deiner eigenen Energie auf andere abschiebst.

Fakt ist: niemand kann dir deine Energie rauben, ausser du lässt sie dir weg nehmen! Also bitte sei bei dieser Fessel mal ganz ehrlich zu dir selber und hör ab sofort auf damit, anderen die Schuld dafür zu geben, dass ihre Art, ihre Emotionen und Energien dich auslaugen. Lerne statt dessen, damit umzugehen!

Lösung: Lerne bewusstes Energiemanagement und hör damit auf, dich in deiner Höhle zu verkriechen.

Es ist eigentlich so simpel, dass es schon fast keiner mehr macht: Begegnest du einem Menschen oder einer Situation, die dich weg zu tragen droht, dann bist du nicht bei dir, deine Wahrnehmung ist mit grosser Wahrscheinlichkeit nach aussen gerichtet, dein Fokus beim anderen, du bist wahrscheinlich alles andere als geerdet.

Steckst du das nächste Mal in einer Begegnung mit einem Menschen, die für dich anstrengend und schwierig ist, dann versuche einmal, dich bewusst selber wahr zu nehmen. Erde dich, indem du bewusst die Füsse auf dem Boden spürst, bleibe in deiner Energie und dehne dein Energiefeld aus.

Oft ist es nämlich so, dass wir uns von der Energie der Energievampire einfach vereinnahmen und weg tragen lassen, anstatt dass wir bei uns und in unserer Grösse bleiben.

Fessel Nummer 5: Du bist im BedürfnissBefriedigungsModus und fühlst dich plötzlich von all den vermeindlichen Erwartungen im Aussen erdrückt, ausgelaugt und gestresst.

Eigentlich ist es ja eine wunderschöne Eigenschaft von uns hochsensiblen Menschen, dass wir intuitiv fühlen, was unser Gegenüber von uns braucht. Das macht uns zu herzlichen Partnerinnen, besonders feinfühligen Müttern und Arbeitnehmerinnen, die in der Familie oder im Team immer wieder bewusst oder unbewusst harmonisierend wirken.

Es ist aber auch ziemlich gefährlich, dieses BedürfnisSpüren. Viele Hochsensible gehen grundsätzlich davon aus, dass auch andere Menschen den Zugang zu den Bedürfnissen ihrer Mitmenschen haben und im gleichen Masse empathisch und einfühlsam sind wie sie. Oft haben HSP das Gefühl, das müsse man doch merken! Und ziehen sich beleidigt und schmollend zurück, wenn der Partner, die Kinder, der Chef gerade nicht merkt, was man selber gerade braucht.

Weisst du denn in diesem Augenblick, was gerade dein Bedürfnis wäre oder schiebst du das Erkennen von ihm auf dein Umfeld ab?

Nimmt der BedürfnisBefriedigungsModus ein ungesundes Ausmass an und sind wir nur noch am Bedürfnisse im Aussen erkennen und befriedigen, verlieren wir absolut den Bezug zu uns, unseren Wünschen und dem Draht zu unserer Mitte. Wir fühlen uns abgeschnitten, ausgelaugt und können oft nicht mehr definieren, was wir brauchen, damit wir uns wohl fühlen, weil wir es oft schon von Kindesbeinen an verlernt haben, unsere Bedürfnisse und Wünsche klar zu kommunizieren.

Lösung: Lerne deine eigenen Bedürfnisse kennen, sie zu kommunizieren und für sie einzustehen.

Komm zur Ruhe, lerne dich selber neu kennen, akzeptiere dich kompromisslos so, wie du bist, mit all deinen vielfühligen Ecken und Kanten und fang damit an, heraus zu finden, was es denn braucht, damit du glücklich, selbstbewusst und achtsam dein Leben leben kannst. Und dann fang langsam damit an, deine Bedürfnisse kund zu tun! Sprich darüber. 

Klarheit ist das Zauberwort. 

Wenn du klar für dich, dein Sein und deine Wesensart einstehen kannst und deinem Umfeld erklären kannst, was du brauchst, damit du dich wohl fühlen kannst, sendest du ein ganz klares Signal aus und machst es dem anderen einfacher, dich zu verstehen, dich zu sehen und sich auf dich einzuschwinden. Erwarte von deinen Mitmenschen nicht dieselbe Feinfühligkeit wie du sie an den Tag legst!

Werde sensitiv kreativ.

Ich wünsche dir ganz viele erkenntnisreiche Erfahrungen beim Erkennen und Lösen deiner Fesseln. Falls ich dir dabei unter die Arme greifen und dich dabei inspirieren und unterstützen darf, dann mach ich das gerne in einem Einzelcoaching oder in meinem 17 wöchigen Onlinekurs „lebe deine Hochsensibilität“.