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Mutter Sein. Eine ganz spezielle Sache ist das. Jahrelang müht Frau sich ab, eine tolle Ausbildung zu haben, die Karriereleiter hoch zu klettern, alles richtig zu tun und dann? Dann werden wir plötzlich, verhofft oder unverhofft Mutter. Von einem Tag auf den anderen finden wir uns wieder in EndlosStillSchlaufen, vollen Windeln und einem winzig kleinen, wunderbar schönen, perfekten kleinen Menschen, der uns von der ersten Sekunde seiner Geburt an verzaubert.

Es scheint, als würde all das, was wir bis zu diesem Moment waren, erreichten und dachten zu sein nicht mehr gelten. Wir werden hinein Katapultiert in eine neue Rolle, identifizieren uns nicht mehr mit dem Umsatz sondern der Milchmenge, die wir pro Tag generieren.

Mutter zu werden ist Trauma und Potentialentfaltung zugleich.

Jedenfalls für mich war es das. Nicht, dass ich nicht Mutter hätte werden wollen, nein, meine Kinder waren Wunschkinder. Aber die Art und Weise, wie mich das Muttersein scheinbar von einer Sekunde auf die andere in eine völlig neue, unvorstellbare Realität katapultierte musste ich erst einmal gründlich verdauen. 

Die Tatsache, dass da nun ein kleiner Junge pünktlich alle drei Stunden nach mir rufte und von mir gestillt, umschmust und gewickelt werden wollte und das 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche lang, diese Tatsache musste ich erst einmal verdauen. Ich lag da, die Arschbacken zusammengezogen und der Gedanke, dass ich jetzt in der aussichtslosen MamaFalle sitze, löste in mir tatsächlich eine kleine Panikattacke aus. (Zum Glück hielt sie wirklich nur ein paar Minuten lange an)

Ich bin mir sicher, dass es nicht nur mir so ging. Vor allem Frauen, die wie ich relativ spät Mutter werden und in ihrem Berufsleben gefestigt sind erzählen mir oft davon, dass auch sie eine kleine Sinnkrise geschoben haben, als sie zum ersten Mal zur Mutter ernannt wurden.

Mama werden ist immer irgendwie traumatisch. Meistens auf ganz wunderbare Art und Weise. Sich voll und ganz dieser neuen Rolle hin geben zu können, im Flow bleiben zu können und Familie zu geniessen, das ist in meinen Augen eine einmalige Einladung vom Leben zur Potentialentfaltung.

Aber auch nicht immer ganz einfach, das gebe ich zu.

Mama, Papa, Familie werden – eine Einladung vom Leben zur Potentialentfaltung.

Was macht eine gute Mutter aus? Wie willst du Mutter sein? 

Sind wir ehrlich: Mutter zu sein ist ein verdammt undankbarer Job. Sofern wir hauptsächlich für das Wohl unserer Kinder sorgen, uns so ist es leider in vielen Familienmodellen heute noch, sind wir die Hauptverantwortlichen für die Erziehung. Argusaugen richten sich auf uns, wenn unser Kind auf dem Spielplatz nicht so tut, wie es sollte. Sind die Kinder krank, sind wir es, die meistens zu Hause bleiben und gesund pflegen. Wir harmonisieren, organisieren, pflegen, lachen, weinen, schimpfen, coachen. Tag ein und Tag aus.

Frau, Mutter, Geliebte, Haushaltsmanagerin und oft noch Angestellte oder Selbständige sind wir in einem Leben. Da kann es schon mal vorkommen, dass die eine oder andere Rolle zu kurz kommt, das Gleichgewicht aus den Fugen gerät.

So viele Rollen, die wir uns als Frau, Mutter, Partnerin und Angestellte schöpfen. Doch wer sind wir wirklich? Hinter all diesen Rollen?

Kein Wunder, bleibt da die Achtsamkeit und das Bewusste Sein auf der Strecke.

Viele von uns legen einen grossen Wert darauf, um den ganzen Vorstellungen und Erwartungen im Aussen zu entsprechen, gute, korrekte und erfolgreiche Rollen zu erfüllen.

Oft mit einer ganz gefährlichen Konsequenz: Sie vergessen sich selber dabei.

Vor allem für feinfühlige Frauen kann das Mamasein zu einer fast unerträglichen Bewährungsprobe werden, wenn man sich stets um die Bedürfnisse, Erwartungen und Forderungen seines Umfeldes und nicht um sich selber kümmert.

Ständiges Harmonisieren und alles irgendwie im Gleichgewicht halten wollen lässt uns einen schier unerträglichen Druck aufbauen.

„Nein, so hätte ich mir das nicht gedacht, dieses Mutter sein. So schwer, so anstrengend, so kräftezehrend und auslaugend.“ höre ich oft.

Was macht denn das Mutter sein so schwer? 

Das hochsensible, spezielle Kind? 

Die Erwartung an sich selber, bedürfnisorientiert oder konsequent erziehen zu wollen?

Der Partner, der nicht  mit zieht? 

Die Probleme in der Schule? 

Die schwierigen Freunde des Kindes?

Wenn doch einfach dies oder das nicht wär, dann wäre alles einfacher….

Wirklich?

Wie kann man denn ausgeglichen, entspannt und achtsam Mutter sein?

Ich glaube nicht, dass gute Mütter aus einem speziellen Programm entstehen können, die aus ihnen die beste Version ihrer selbst machen. Ich glaube auch nicht, dass man das Glück im vor sich hin brabbeln von Mantras herauf beschwören kann. Noch weniger glaube ich daran, dass eine Woche Wellnessferien alleine dich so sehr tiefenentspannen lässt, damit du nachher wieder für weitere sechs Monate in deinem gewohnten, stressigen Muster weiter machen kannst.

Zu glücklichen, ausgeglichenen Menschen werden wir, wenn wir uns unser selbst bewusst werden. 

SELBSTbewusstSEIN.

Bewusst sich selbst sein.

Selbstbewusstsein lässt uns als das erkennen, was wir sind: Ein ganz einzigartiger, wunderbarer Mensch auf dieser Erde, in diesem Leben, der immer wieder in Verbindung mit anderen, wunderbaren Menschen tritt. Wie wir diese Verbindungen gestalten, das liegt an uns. 

Die wichtigste Verbindung ist jedoch die, die wir zu uns selber, zu unserer Essenz haben. Mögen wir uns selber nicht, oder fällt es uns schwer, unsere eigenen Bedürfnisse zu erkennen und zu kommunizieren verleugnen wir immer Anteile von uns. Sind wir von Aspekten in uns getrennt, trennen wir uns automatisch von Menschen, die in unserem Umfeld genau diese Aspekte spiegeln.

Ein Paradebeispiel dafür ist die Wut. Lange Zeit haben mich die Wutanfälle meiner Kinder innerhalb von Sekundenbruchteilen in einen unkontrollierbaren Gemütszustand katapultiert.

Ihre Wut wurde zu meiner.

Ich konnte in der Situation nicht mehr angemessen reagieren, oder so reagieren, wie ich mir das in ruhigen Momenten vorgenommen habe. Ich wusste nicht, an was das lag. Ich verstand zwar, dass ich völlig überreagiere und es doch eine Möglichkeit geben muss, um ruhig und gelassen zu bleiben, ich verstand aber lange Zeit nicht, weshalb mich diese Wutanfälle selber so wütend machten.

Bis mir bewusst wurde, dass ich nie gelernt habe, meine Wut anzunehmen und mit ihr konstruktiv umzugehen. Wut wurde in meinem Elternhaus nicht gerne gesehen. Kinder, die „täubeleten“ mussten ins Zimmer, wurden weg gesperrt. Meine Grossmutter war es, die mich sogar einmal als Strafe in die dunkle Vorratskammer sperrte, damit ich mich beruhigte. Anstatt mich zu beruhigen pinkelte ich auf den Boden, weil ich unbedingt Pipi machen musste und nicht konnte.

Wut vermischte sich mit Scham.

Wut vermischte sich mit vielen, verletzenden Erinnerungen. 

Meine Erfahrung soll kein Vorwurf an meine Grossmutter sein. Sie hat es auch nicht andersgelernt. Auch sie war ein Kind, das weg gesperrt wurde.Wahrscheinlich hatte ihre kindliche Wut noch viel die verletzerenden Konsequenzen als die, die sie mir entgegen brachte. Meine Grossmutter hat aus ihrem eigenen Glaubenssystem und aus ihren Machtstrukturen heraus so gehandelt. Ihr System war nicht anders auf Wut programmiert.

Und so war mein System lange Zeit immer noch so programmiert, dass ganz unbewusst diese Programme abliefen, wenn ich mit Wut konfrontiert werde. Bis ich dieser, meiner Wut neu begegnete. Sie wertfrei beobachtete. Sie in den Arm nahm, sie hoch kommen liess und mir die Erlaubnis gab, sie ganz bewusst fühlen zu dürfen.

Das grosse Paradox: wir Menschen werden zum Fühlen geboren und doch ist da ein Teil in uns, der nicht fühlen will.

Emotionen, Gefühle, Liebe. Sie sind das, was uns als Mensch ausmacht. Sie sind es, die unser HerzBauchWerk aktivieren und unsere Wahrnehmung fern von unserem Ego, fern von Bewertungen ermöglichen.

Wir sind Gefühlswesen.

Und doch haben wir so oft Angst vor dem Fühlen. Weshalb? Weil wir oft schlechte Erfahrungen mit Gefühlen gemacht haben.

„Du musst keine Angst haben!“

„Jetzt tu doch nicht so!“

„Sei nicht so wild, laut, übermütig….“

„Du musst nicht traurig sein“

Sind alles Sätze, die das wunderbar lebendig fühlende Kind in uns gehört und es daran gehindert hat, seine Emotionen, seine Gefühle wertfrei zu fühlen.

Was wäre mit uns wohl passiert, wenn wir anstatt….

„Du musst keine Angst haben!“ „Wovor hast du denn Angst, und wie fühlt sich die an?“

„Jetzt tu doch nicht so!“ „Ich sehe dich!“

„Sei nicht so wild, laut, übermütig….“ „Du darfst so sein, wie du bist.“

„Du musst nicht traurig sein“ „Weshalb bist du denn traurig?“

….gehört hätten?

Ich weiss es nicht. Ich kann nur für mich sprechen, diese Sätze würden heute in mir sicher nicht wirken, da ich sie gar nicht kennen oder ihnen nicht so viel Aufmerksamkeit schenken würde.

In der Verbindung zum Kind und sich selber bleiben

Fünf Schritte, die dir dabei helfen deine alten Wunden und Konditionierungen zu entlarven um eine entspannte, achtsame Mama zu sein, die aus ihrem Herzen handelt:

1. Selbstakzeptanz

Fang damit an, dich selber so zu akzeptieren, wie du bist. Mit all deinen Ecken und Kanten. Vielleicht denkst du jetzt „wenn das nur so einfach wäre!“ Glaube mir, das ist es!

Es braucht nur eine klare Entscheidung von dir.

Die Entscheidung für dich, die Entscheidung, dir jeden Tag ein bisschen mehr Liebe und Akzeptanz zu schenken. Du kannst ganz klein damit anfangen. Schreibe dir zwei drei Dinge pro Woche heraus, die du gut an dir findest. Sei ganz ehrlich zu dir selber und werde dir bewusst, dass du vor langer Zeit ein“ja“ zu diesem Leben gegeben hast und auch deine Kinder „ja“ zu dir als Mama gesagt haben, sonst wären sie heute nicht bei dir als deine Kinder. Zusammen geht ihr euren Weg, eure Lebensreise.

Es ist alles richtig so, wie es heute ist, du hast es aber auch genauso in der Hand, dich heute für dich und dein Sein zu entscheiden, dir ein ganz klares Ja zu geben und dir die Liebe zu schenken, die du vielleicht im einen oder anderen Ort vermisst hast oder heute noch vermisst. Übernehme die Verantwortung für dein Sein, indem du dich so akzeptierst wie du bist. Kompromisslos.

2. Annehmen, was ist

Deine Lebenssituation, die Art und Weise, wie du heute Mutter bist, sie ist wie sie ist. Hör auf zu bewerten. Hör auf, dich dafür zu verurteilen, wie du dein Leben lebst. Hör auf damit, dich mit anderen Frauen zu vergleichen. Das alles bringt dir nichts ausser einen rauchenden Kopf und ein KopfKino, dass nicht mehr aufhört, dich von den wesentlichen Dingen abzulenken. 

Werde still, atme tief und beobachte. Dein Leben, deine Situation, das, was du gerne verändern möchtest. Beobachte deine Emotionen und Gefühle dabei, ohne sie zu unterdrücken oder zu bewerten. Nimm alles so an, wie es ist.

3. Die alten Wunden heilen lassen.

Punkt drei mag wahrscheinlich keiner so richtig gerne lesen, ich weiss es. Ich glaube aber auch, dass wir uns von der Vorstellung verabschieden dürfen, dass wir in den alten Geschichten ewig herumwuseln müssen, bis sie endlich los gelassen werden dürfen.

Meistens reicht es ganz einfach, diese Geschichten noch einmal zu betrachten, den Emotionen und Gefühlen, die sie in uns auslösen wertfrei Raum zu geben und sie bewusst ziehen zu lassen.

Mehr braucht es nicht. Das ist der ganze Zauber. Hole dich wieder in die Verantwortung auch für deine alten Wunden. Eine wunderbare Übung besteht darin, zu deinem inneren, verletzten Kind zu reisen und ihm als Erwachsene das zu schenken, was dieses Kind in der veretzenden Situation so sehr vermisst hat: Liebe, Vertrauen, Trost, Kraft, Präsenz. Steh für dich ein und schenke dir das, was du so sehr brauchtest. Heute.

4. Macht- und Schutzstrategien erkennen

Erkenne, wann du aus vollstem Herzen und wann du aus Angst handelst. Im Laufe der Jahre sind wir Profis darin geworden, unzählige Macht- und Schutzstrategien uns anzulegen, damit wir nicht verletzt werden oder nicht mit unseren Ängsten konfrontiert werden. Frage dich immer wieder:

Will ich das wirklich so?

Weshalb reagiere ich jetzt mit Ablehnung?

Handle ich aus vollstem Herzen, aus der Liebe heraus?

Beobachte. Vielleicht erkennst du gerade eine Schutzstrategie von dir. Was würde passieren, wenn du sie einfach mal weg lassen und deinem HerzBauch vertrauen würdest?

5. Sich immer selbst reflektieren

All die Mechanismen zu erkennen ist das Eine. Anzufangen, so zu leben das Andere. Es braucht Mut, ich weiss. Und es braucht die Bereitschaft, sich immer und immer wieder selber zu beobachten und zu reflektieren. Die besten Fragen, die einem in die Beobachterrolle bringen und die wertenden Gedanken ruhig werden lassen sind folgende:

Will ich das wirklich jetzt genau so erleben?

Fühle ich mich in dieser Situation mit meinem Kind/ Partner/ Chef etc. verbunden?

Trenne ich mich gerade selber von meinen Mitmenschen, Emotionen und Gefühlen?

Welche Angst steckt dahinter? Ist sie berechtigt?

Was würde die Liebe, das Vertrauen, mein Herz jetzt tun?

6. Sich neu ausrichten

Überlege dir, wie du gerne deinen perfekten Tag verbringen würdest. Wie würdest du dich fühlen, wenn du glücklich, entspannt und krafvoll feinfühlig und hochsensibel sein kannst? Schreibe dir jeden Tag deinen perfekten Tag auf. Dein Unterbewusstsein wird so neu konditioniert. Schreibe dir auf, wie du deinen Kindern, deinem Partner, deinem Chef begegnen möchtest und vor allem: Schreibe auf, wie du dich dabei fühlst und dann fühle es auch.

All die Visionen und Affirmationen nützen uns nichts, wenn wir sie nicht in unser System holen und sie fühlen und leben. Schritt für Schritt.

Mein Seminar hochsensibel MutterSein am 6. April in Hitzkirch widmet sich unter anderem der Frage, wie du Achtsamkeit, Bewusstsein und Entspannung in dein Leben als hochsensible Mutter integrieren kannst. Alle wichtigen Infos findest du hier.